Essen gehen, ein Kneipenbesuch oder Shopping im eigenen Ort zählen für viele Menschen im Landkreis zum Lebensvergnügen oder als Notwendigkeit. Allerdings müssen sie dafür entweder häufig in ein und dieselbe Wirtschaft gehen (oder fahren) oder sich damit begnügen, wenig Auswahl auf dem Teller zu haben.
Schnitt: 3,97 von 10 Punkten
Was den Einzelhandel angeht, steht zu vermuten, dass die Amazon-Fahrer aus Oerlenbach die direkte Route in die kleinen Gemeinden in der Rhön nehmen. Denn: Die Leserinnen und Leser der Saale-Zeitung haben im Heimat-Monitor dem Thema Einzelhandel nicht die besten Noten gegeben.
Beim Thema Gastro vergaben sie im Schnitt nur 3,97 von zehn möglichen Punkten unter der Rubrik „Wie bewerten Sie die Vielfalt des gastronomischen Angebots in Ihrem Wohnort?“. Die nächste Kategorie „Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität der gastronomischen Betriebe?“ kam landkreisweit auf immerhin 5,82 Punkte.
Geroda ist spitze
Wobei die Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde groß sind: Geroda räumte mit 7,4 Punkten gerade zu ab, was die Vielfalt des Angebots angeht. Und bei der Qualität setzten die Gerodaer Gastwirte noch eins obendrauf: Auch hier erreichte die Gemeinde den Spitzenwert, der in der Kategorie bei 8,67 lag.
Aber: Geroda und Schondra trennen nur 3,4 Kilometer und scheinen gastronomisch doch in unterschiedlichen Universen zu liegen: Schondra bildete bei den Leser und Leserinnen das Schlusslicht: 1,4 Punkte gab es für die Vielfalt, 2,2 für die Qualität des Angebots.
Diesem Spannungsfeld nähern wir uns in der Donnerstagsausgabe: Woran liegt es, dass das Erlebnis Essen und Trinken in Geroda top bewertet wird und nur einen Steinwurf weiter als Flopp angesehen wird? Sich durchgefragt hat der Reporter Steffen Standke.
Mehr Gastronomie gewünscht
In den Kommentaren, die uns über die Umfrage erreichten, machten etliche ihrem Unmut Luft: „Die Landbevölkerung erleidet immer mehr Defizite, das Leben zentralisiert sich zunehmend in den Städten. Es gibt keine Geschäfte, keine Wirtschaften und Einzelhändler“, konstatierte ein Leser aus Bad Bocklet. Allerdings scheinen die Bockleter noch Glück zu haben: Die Teilnehmenden gaben dem Ort im Hinblick auf das Angebot an Lebensmittelläden eine ziemlich gute 7,1. Nur für eine 5,44 aber reichte es als Antwort auf die Frage, wie die Teilnehmenden das Einzelhandelsangebot in ihrem Wohnort bewerteten. Auch in Bad Kissingen wird die Gastronomie kritisiert. „Mehr Gastronomie zu allen Jahreszeiten“, „Gaststättenangebot lässt zu wünschen übrig“ heißt es in der Kurstadt. Die Zahlen dazu: 5,47 (Vielfalt) und 6,46 (Qualität).
Ohne Auto bist du nix
Zum Thema Einzelhandel hatten die Leserinnen und Leser viele Kommentare. „Einkaufsmöglichkeiten sind ohne Auto nicht zu erreichen“, schrieb jemand aus Burkardroth – und sprach damit vielen aus der Seele. Immer wieder gewünscht wurden Drogeriemärkte auf dem Land, hier scheint die Versorgung unterdurchschnittlich zu sein.
Was sagt der Handelsverband?
Warum das so ist, beleuchten wir am Samstag. Die Reporterin Angelika Despang hat ein Interview mit Volker Wedde vom Bayerischen Handelsverband geführt. Eine der Fragen beleuchtet den Aspekt, wie es möglich werden kann, dass man den Einzelhandel wieder in die Innenstädte und die Ortskerne der Region bringt – weg vom Discounter auf der Wiese. Das wünschen sich wohl auch die Maßbacher: „Dringend erforderlich ist ein Lebensmittelladen im Ort.“
Ein Platz im Keller der Umfrage hat Motten. Hier bewerteten die Menschen das Angebot an Lebensmitteln im Ort mit 2,56, das Einzelhandelsangebot mit 2,44 – da ist viel Luft nach oben. Besser sieht es hier bei der Gastronomie aus: eine 5,06 erzählt die Vielfalt, die Qualität räumt 6,89 Punkte ab.
Personalmangel ist eine Katastrophe
In vielen Orten wird bemängelt, dass es keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Dorfwirtschaft und keinen Einzelhandel mehr gibt. Wir haben dort nachgefragt, wo sich diese Strukturen bis jetzt noch erhalten haben: Wie lange hält der selbstständige Bäcker noch durch? Findet der Dorfwirt noch Personal? Personalmangel in der Gastwirtschaft – ein Thema, dem Reporter Thomas Malz nachgehen wird.
Peter Schneider schürt in Untererthal fünf Tage in der Woche den mehr als 100 Jahre alten Holzbackofen an. Die Besonderheit der Bäckerei: Es gibt nur eine einzige Brotsorte, das Nassgelaibte. Wie lange noch, fürchtet Reporter Ralf Ruppert, ist fraglich.
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