Ein Minijob als dauerhaftes, einziges Einkommen? „Lieber nicht“, warnt Doris Küfner-Schönfelder, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur Schweinfurt. Denn was zunächst wie eine schnelle, unkomplizierte und steuerfreie Einnahmequelle aussieht, birgt Risiken. Beschäftigte mit Minijob sind nicht sozialversicherungspflichtig.
Das heißt: Viele haben keine eigenständige Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung und zahlen wenig oder gar nichts in die Rentenkasse ein. „Nach Jahren im Minijob ist eine eigenständige Altersvorsorge oft unmöglich“, erklärt Küfner-Schönfelder. Vor allem Frauen würden so in partnerschaftliche Abhängigkeit geraten. Im Interview spricht die Expertin der Arbeitsagentur über das Risiko Minijob, Weiterbildungsangebote – und Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Mit über 60 Prozent ist der Anteil von Frauen im Niedriglohn-Sektor überdurchschnittlich hoch. Warum arbeiten so viele Frauen im Minijob?
Doris Küfner-Schönfelder: Frauen nutzen Minijobs oft, um nach einer Familienpause wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Ein Minijob kann die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie erleichtern. Doch irgendwann sollte man überlegen, den Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle umzuwandeln oder sich eine andere Beschäftigung suchen. Ohne Beiträge zur Sozialversicherung, besonders zur Rentenversicherung, bleibt die spätere Rente aus. Auf diese Beiträge sollte man keinesfalls verzichten.
Was passiert, wenn ich mehrere Jahre in einem Minijob arbeite?
Bei einem monatlichen Verdienst von 556 Euro zahlen Minijobber derzeit 20,02 Euro pro Monat in die Rentenversicherung ein. Jedes Jahr im Minijob erhöht die spätere monatliche Rente um 5,19 Euro. Lässt sich der Minijobber von der Zahlung befreien und übernimmt nur der Arbeitgeber den Pauschalbeitrag, steigt die Rente pro Jahr um etwa 4,19 Euro. Arbeiten Sie acht Jahre ausschließlich im Minijob, erwirtschaften Sie eine Rente von 40 Euro pro Monat.
Welche Vorteile hat dagegen die Arbeit zum Beispiel in Teilzeit?
In einem Angestelltenverhältnis zahlen die Frau und ihr Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge. Dadurch ist sie gegen Arbeitslosigkeit versichert und beide leisten Beiträge zur Rentenversicherung. Die Vermeidung von Altersarmut ist Teil unserer Beratung. Normalerweise rate ich Frauen, sich zusätzlich bei der Rentenversicherung beraten zu lassen. Die Berater erklären konkret, wie viele Rentenpunkte sie bereits erworben haben und wie sie ihre Rente noch aufbessern können.
Bin ich bei einem Minijob auch gegen Arbeitslosigkeit abgesichert?
Wer einen Minijob hat, kann sich zwar arbeitslos melden, erhält jedoch keine Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung, da keine Beiträge eingezahlt wurden. Im Zusammenhang mit Altersarmut spielen Rentenversicherungsbeiträge eine entscheidende Rolle, da sie langfristig angesammelt werden. Wer viele Jahre in einem Minijob arbeitet, wird später feststellen, dass die Rente nicht ausreicht. Häufig verlassen sich Frauen auf das Einkommen ihres Partners und nehmen eine Zuverdienerrolle ein. Dies kann zu finanziellen Problemen führen, insbesondere im Alter, wenn die eigene Rente nicht ausreicht.
Sollten Minijobs für erwerbsfähige Personen dann besser abgeschafft werden?
Ein Minijob sollte immer eine bewusste Entscheidung sein. Frauen müssen sich der langfristigen Auswirkungen bewusst sein. Besser ist es, sich für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Teilzeit oder sogar Vollzeit zu entscheiden.
Derzeit werden überall Fachkräfte gesucht. Ist dieser Arbeitsmarkt im Moment auch eine große Chance für Frauen?
Der Arbeitsmarkt ist regional sehr unterschiedlich. Schweinfurt ist geprägt von der Großindustrie und bietet weniger Stellen im Bürobereich. Jedoch gibt es in unserer Region gerade zahlreiche Jobs in der Pflege und Kinderbetreuung. Hier wird dringend Personal gesucht, wodurch Frauen gute Chancen auf eine Festanstellung haben.
In welchen Berufen verdiene ich gut?
Das Gehalt hängt von der Ausbildung ab. Schulabschluss, Ausbildung oder Studium und vorhandene Qualifikationen spielen eine entscheidende Rolle. Ingenieurinnen verdienen mehr als Bürohilfen. Und auch in Berufen der Pflege und Erziehung sind die Verdienstmöglichkeiten besser, als oft angenommen wird. Weiterbildung ist wichtig, da sich viele Berufe verändert haben. Wer längere Zeit pausiert hat, sollte sich auf den aktuellen Stand bringen.
Kann ich bei der Weiterbildung und Qualifikation Unterstützung bekommen?
Die Agentur für Arbeit bietet für Frauen und Männer die „Berufsberatung im Erwerbsleben“ an. Die Beraterinnen und Berater informieren individuell über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und erarbeiten Strategien für den Wiedereinstieg. Im Job-Futuromat können Interessierte prüfen, welche Berufe sich durch Digitalisierung und Automatisierung verändern und nach zukunftssicheren Berufen suchen.
Frauen verdienen in Deutschland immer noch weniger als Männer. Wo können sie sich über das Gehalt informieren?
Gewerkschaften bieten Informationen, ebenso die Agentur für Arbeit auf ihrer Homepage arbeitsagentur.de/entgeltatlas. Dort findet man einen Entgeltrechner und Informationen zu durchschnittlichen Löhnen. Das ist hilfreich zur Orientierung für eine Gehaltsverhandlung.










