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Angespannte Situation
„ZF befindet sich im umfassendsten Umbau seiner Geschichte“
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Die Marktlage hat sich für ZF weiter verschlechtert. Holger Klein, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, zog am Donnerstag Bilanz zum ersten Halbjahr. // Felix Kästle/dpa
Signet des Fränkischen Tags von Marcel Dinkel
Schweinfurt
Schweinfurt – Trotz schwarzer Zahlen muss sich die Division E und damit der Standort Schweinfurt umstrukturieren, um zu überleben. Was das für Werk und Beschäftigte bedeutet.

Die Situation bei ZF bleibt angespannt. In einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Halbjahreszahlen formuliert Holger Klein, Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers schonungslos, wo sich der Konzern und damit auch eines seiner größten Werke in Deutschland aktuell befindet.

„Der perfekte Sturm, [...] hält nicht nur an. Er hat sich nochmals weiter verstärkt“, sagt Klein. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass der Umsatz des Unternehmens im ersten Halbjahr 2025 um etwa 2,3 Milliarden Euro gesunken ist. Das entspricht einem Rückgang von über zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, ergänzt Finanzvorstand Michael Frick.

ZF konnte sich stabilisieren

Trotz dieses Einbruchs konnte ZF seinen Gewinn aus dem laufenden Geschäft allerdings steigern und sich stabilisieren. Auch beim verfügbaren Geld aus dem laufenden Geschäft – also dem Betrag, der nach allen Ausgaben übrig bleibt – konnte ZF deutlich zulegen: Statt eines Minus von 494 Millionen Euro im Vorjahr blieb in diesem Jahr ein Plus von rund 465 Millionen Euro. Der operative Gewinn (EBIT) stieg damit auf 874 Millionen Euro; die Marge verbesserte sich von 3,5 auf 4,4 Prozent.

Zudem hat das Unternehmen sich im ersten Halbjahr 2025 über eine Anleihe in Höhe von 1,25 Milliarden Euro frisches Geld gesichert. Die Mittel sichern dem Konzern finanzielle Stabilität und erweitern seinen Spielraum, allerdings steigt damit auch die Verschuldung.

Division E schreibt schwarze Zahlen

Besonders im Fokus steht die Division E. Sie ist zuständig für Getriebe und elektrische Antriebe und hatte im Vorjahr noch hohe Verluste geschrieben. 2024 ging ein Großteil des Konzernverlusts auf ihr Konto. Nun schloss die Sparte das erste Halbjahr 2025 erstmals wieder ohne Verluste ab – dank Materialeinsparungen und Stellenabbau. Die Zahlen belegten den Erfolg, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Doch das reicht nicht aus.

Der Konzern müsse trotz seiner vergangenen Bemühungen seinen Kurs beschleunigen und intensivieren. „ZF befindet sich im umfassendsten Umbau seiner Geschichte“, betont der Vorstandsvorsitzende. Die Division E in Schweinfurt steht damit im Zentrum der Sanierung. Der schleppende Hochlauf der Elektromobilität, nicht wettbewerbsfähige Strukturen und eine unklare Regulatorik hätten sie besonders hart getroffen.

EU Vorgaben kritisch

Vor allem letzteres durch die EU sieht Klein kritisch: Die Vorgaben benachteiligen Technologien wie den Plug-in-Hybrid, die aus seiner Sicht den Übergang zur Elektromobilität unterstützen könnten. „Wenn Klimaschutz ernst gemeint ist, müssen alle Technologien zur Dekarbonisierung genutzt werden – auch Plug-in-Hybride. Sie sind ein Schlüssel für den Markthochlauf der Elektromobilität und den industriellen Wandel“, sagt Klein.

Während Länder wie China und die USA solche Lösungen förderten, soll deren Zulassung in Europa ab 2035 enden. Diesen Standpunkt wolle der CEO im kommenden Strategiedialog im September vor der EU-Kommission vertreten. Arbeitnehmervertreter warfen dem Konzern wiederholt lähmende Strukturen und Managementfehler vor, die nun auf Kosten der Beschäftigten ausgebügelt würden.

ZF in Schweinfurt leidet unter den Bedingungen

Schweinfurt ist als wichtiger Standort der Division E besonders betroffen. Hier arbeiten etwa 6000 der insgesamt 9000 Beschäftigten im Bereich Elektromobilität. Im Rahmen des Programms „German Transformation“ will der Konzern das Werk nun genau unter die Lupe nehmen. Zentrales Ziel des Vorstands ist: „Jedes Werk muss profitabel sein.“ Zwei deutsche Standorte wurden deshalb bereits geschlossen, fünf schreiben inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Für alle Produkte, die in Schweinfurt gefertigt werden, wird nun bewertet, ob sie bei den aktuellen Stückzahlen noch kostendeckend sind oder künftig von externen Lieferanten bezogen werden. Weltweit sind seit Ende 2023 bereits 11.200 Stellen abgebaut worden. Davon 5700 Stellen in Deutschland; weitere 4700 Beschäftigte sollen dort bis 2028 über Altersteilzeit oder Ruhestand ausscheiden. Damit hätte ZF Ende 2028 über 10.000 Stellen abgebaut.

ZF will wohl auch in Schweinfurt Personal abbauen

Mit Blick auf die neuesten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen steht die gesamte Automobilbranche vor neuen Herausforderungen. Während im europäischen Markt etwa sechs Millionen Fahrzeuge zu wenig verkauft wurden, wächst die Konkurrenz chinesischer Hersteller auf den Märkten. Dazu kommen die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Importzölle und die Beschränkung der Ausfuhr seltener Erden. Kosten, die am Ende an die Autokäufer weitergereicht werden.

Auch in Schweinfurt möchte der Konzern weitere Stellen abbauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Uns ist bewusst“, betont Klein, „dass dazu auch erneute schmerzhafte Entscheidungen gehören werden.“ In Richtung der Arbeitnehmerseite sagt er: „Was uns eint ist, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Deutschland zu halten.“

Zukunft des Standorts wird im September entschieden

Das geschehe in respektvollen Gesprächen. Noch am Dienstag hatten rund 4500 Mitarbeitende vor dem Werk Süd gegen drohende Einschnitte protestiert. Nach zweitägigen Beratungen des Aufsichtsrats in Friedrichshafen haben Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter sich vorerst in einem Eckpunktepapier ein Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung bis Ende September vereinbart.

Die Entscheidung, wie groß ZF in Schweinfurt also künftig sein wird und welche Produkte dort produziert und verkauft werden, fällt bis Ende September – abhängig von Kostensenkungen, Marktnachfrage und den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern.

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