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Nachts kommen Kunden
Ärger wegen Ruhestörung bei Tante Enso in Münnerstadt
Rund um die Uhr hat der Mini-Supermarkt Tante Enso in Münnerstadt geöffnet. Wei das nachts nicht immer ganz lautlos über die Bühne geht, hat ein Anwohner die Stadt gebeten, sie solle sich um die Einhaltung der Nachtruhe kümmern.
Rund um die Uhr hat der Mini-Supermarkt Tante Enso in Münnerstadt geöffnet. Wei das nachts nicht immer ganz lautlos über die Bühne geht, hat ein Anwohner die Stadt gebeten, sie solle sich um die Einhaltung der Nachtruhe kümmern. // Thomas Malz
Münnerstadt – Im Tante Enso am Münnerstädter Anger kann rund um die Uhr eingekauft werden. Das geht nicht immer lautlos über die Bühne. Ein Anwohner beklagt Verstöße gegen die Ruhezeiten. Die Stadt wartet erstmal ab.

Mit einer Konfettikanone ist der Mini-Supermarkt Tante Enso im Dezember des vergangenen Jahres eröffnet worden. Zehn Jahre nach Schließung des Kupsch gibt es seither endlich wieder einen Supermarkt in der Altstadt. Der hat sich inzwischen gut etabliert. Das Konzept, dass an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr eingekauft werden kann, kommt bei den Kunden gut an.

Aber der nächtliche Besuch im Tante Enso geht nicht immer ganz geräuschlos ab. Anwohner Marius Halboth bittet in einem Brief an die Stadt Münnerstadt um die Einhaltung der Nachtruhe am Anger. Wie Bürgermeister Michael Kastl mitteilte, gibt es keine weiteren Beschwerden. Die Stadt wartet erst einmal die Entscheidung der Staatsregierung ab, die an einem eigenen Ladenschlussgesetz arbeitet.

Erfreut über die Belebung der Innenstadt

Marius Halboth sieht den Tante Enso durchaus positiv: „Die Einführung einer neuen Geschäftsmöglichkeit, vor allem eines Lebensmittelversorgers in der Altstadt, begrüße ich grundsätzlich und trage die Belebung der Innenstadt mit Freude mit“, hat er in seinem Brief an die Stadt geschrieben. Dann kommt er aber auch schon auf den Punkt: „Allerdings haben sich in den letzten Wochen vermehrt Vorfälle ereignet, die die Nachtruhe erheblich stören.“

Insbesondere während der Nachtstunden komme es häufig zu Verstößen gegen die Ruhezeiten, verursacht zumeist durch junge Menschen, die mit ihren Fahrzeugen vorfahren und sich teilweise in Gruppen vor dem Supermarkt versammeln, um dort Alkohol zu kaufen „und auch recht häufig direkt vor Ort konsumieren“, so der Anwohner. „Diese Aktivitäten sind nicht nur störend, sondern beeinträchtigen die Lebensqualität der Anwohner erheblich.“

Höflich, aber bestimmt, bittet Marius Halboth die Verantwortlichen bei der Stadt, etwas zu unternehmen, damit die Nachtruhe respektiert wird. Sein Vorschlag lautet, den Supermarkt zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu schließen, um die Belästigungen während der Ruhezeiten zu minimieren.

Einen Kompromiss finden

„Ich bin zuversichtlich, dass durch eine kooperative Zusammenarbeit zwischen dem Supermarkt und den zuständigen Behörden eine Lösung gefunden werden kann, die sowohl die Interessen der Geschäftsinhaber als auch die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt“, schrieb Marius Halboth an die Stadt.

Von anderen Anwohnern war zu erfahren, dass sie gelegentlich auch mitbekommen, wenn vor dem Enso gefeiert wird. Sie hören es zwar, es stört sie aber weniger.

Unverständnis wegen später Antwort der Stadt

Marius Halboth äußerte gegenüber unserer Zeitung Unverständnis darüber, dass er über mehrere Wochen keine Antwort auf seinen Brief von der Stadt bekommen hat.

Das lag daran, weil gerade Bewegung in der Angelegenheit ist, erläutert Bürgermeister Michael Kastl auf Nachfrage dieser Zeitung. Denn Bayern will ein eigenes Ladenschlussgesetz erarbeiten. Die Stadt wartet die Entscheidung aus München ab und das haben die Verantwortlichen inzwischen auch an Marius Halboth geschrieben, der wenig Verständnis dafür zeigt.

Kein besonderer Brennpunkt

Die Stadt hat sich bei der Polizei informiert und erfahren, dass der Tante Enso in Münnerstadt kein besonderer Brennpunkt sei. Auch beim Landratsamt sei nichts bekannt. „Die Lage ist absolut entspannt“, meint der Bürgermeister, der nun auf die Entscheidung aus München wartet. Er hat aber einen klaren Standpunkt dazu: „Ich persönlich hoffe, dass es eine Regelung geben wird, die den Betrieb solcher Läden außerhalb der momentan geltenden Öffnungszeiten zukünftig zulässt, mit Blick auf junge Leute und die Menschen, die an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen“, sagt er.

Und der Enso werde ja auch gut angenommen. So habe er erst kürzlich ein Gespräch mit einem Mann geführt, der inzwischen auf den Wocheneinkauf verzichtet und sich jeden Tag die Dinge in dem Supermarkt holt, die er gerade braucht. Michael Kastl findet die durchgehenden Öffnungszeiten gut. „So lange keine Mitarbeiter am Wochenende arbeiten müssen, sehe ich das als völlig unproblematisch an“, betont er. Und das hatte ja erst kürzlich die Firmenleitung gegenüber dieser Zeitung bestätigt.

Warum das Problem weniger mit Tante Enso zu tun hat

Thorsten Bausch, Gründer und Geschäftsführer von Tante Enso zeigte sich überrascht, als er durch diese Zeitung von der Beschwerde erfuhr. Es sei das erste Mal überhaupt, dass er so etwas höre. Jugendliche könnten es aber nicht sein, denn unter 18 Jahren bekommt man keine Enso-Karte. „Dann müssten sie die von ihren Eltern nehmen.“ Wenn allerdings nachts das Autoradio aufgedreht wird, sei das eine Frechheit. So etwas gehe prinzipiell nicht, habe aber weniger mit dem Tante Enso zu tun.

Natürlich sei es so, dass auch nachts Umsatz erwirtschaftet wird. „Deshalb machen wir es ja“, betont Thorsten Bausch. Und daran will das Unternehmen natürlich auch festhalten. Ganz spontan sagte er zu, dass am Münnerstädter Tante Enso ein Schild angebracht wird, auf dem auf die Einhaltung der Nachtruhe verwiesen wird.

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