Im Juli 2018 kauften Tatjana und Christian Büchs ihr denkmalgeschütztes Haus mit kleinem Hinterhof und Nebengebäude in der Hammelburger Bahnhofstraße. Auf viel Arbeit bei der Restaurierung hatte sich das Ehepaar eingestellt. Verhandlungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege waren unvermeidbar. Dass sie sich allerdings jahrelang auch noch mit der Stadt rumärgern müssen, kam für sie völlig unerwartet.
Das Streitthema: Feuchtigkeit im historischen Kellergewölbe, welches direkt unter dem Gehweg der Straße liegt. "Wir haben das Gefühl, unser Problem wird komplett ignoriert", erzählt Tatjana Büchs.
Die Stadt weist Zuständigkeit von sich
Da bei jedem Regen Wasser in das Kellerstück unter der Straße eindringt, wandten sich die neuen Eigentümer bereits vor Jahren an die Stadt. Zu Beginn wies diese jedoch jede Zuständigkeit von sich. "Am Anfang hat es immer geheißen, die Rohre unter der Straße seien in Ordnung", sagt die 56-Jährige. Die Verwaltung gehe dieses Thema also nichts an.
Nachdem die alten Steinrohre unter der Bahnhofstraße dann im Vorfeld des Ausbaus 2020 mit einer Kamera befahren wurden, stellte sich allerdings heraus, dass die beiden Regenwasseranschlüsse des Anwesens auf öffentlichem Grund Bruchstellen und klaffende Übergänge hatten.
Bei Regen habe sich das Wasser vermutlich in den Ableitungen gestaut und sei durch die Fehlstellen ausgetreten. "Uns war eigentlich schon vorher klar, dass es nicht an unseren Fallrohren links und rechts der Fassade liegen kann. Die haben wir erst austauschen lassen."
Hat die Stadt Hammelburg geschummelt?
Mittlerweile habe die Stadt vor der Familie zugegeben, bei diesem Thema nicht ganz die Wahrheit gesagt zu haben, so das Ehepaar. Es hieß: Die Straße vor dem Ausbau extra deshalb aufreißen zu lassen, wäre zu kostenintensiv gewesen. "Wir haben das die ganze Zeit schon geahnt, konnten es nur nicht bestätigen."
Um allen Beteiligten entgegenzukommen, habe das Ehepaar schließlich vorgeschlagen, das kleine Gewölbe direkt unter der Straße während der Sanierung zuzuschütten. "Da hatte das Denkmalamt allerdings etwas dagegen", verdeutlicht Büchs. Die vorgeschlagene Lösung des Amtes: Eine Betonkuppel über dem Kellerteil soll das Eindringen von Wasser verhindern und gleichzeitig das historische Gewölbe schützen.
Keller weiterhin voller Wasser
"Nach der Sanierung der Straße ist es schon viel besser geworden, aber weg ist es immer noch nicht ganz", sagt die Hammelburgerin. Sobald es regne, fließe ein Tag später in ihrem Keller wieder das Wasser von der Decke. Nutzen kann die Familie diesen Teil des Hauses also weiterhin nicht.
"Wir haben teilweise über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit", erzählt Christian Büchs. Gerne würde das Ehepaar Möbel, aber auch Lebensmittel und andere Dinge in ihrem Keller lagern. "Das können wir aber vergessen, das geht alles kaputt." Auch vom Traum, das historische Gewölbe herzurichten und für Familienfeiern zu nutzen, seien die beiden mittlerweile weit entfernt.
Kontaktversuche mit der Stadt gehen ins leere
Über Aussagen wie "Sie müssen einfach mehr querlüften" oder "Dichten Sie ihren Keller doch selbst ab" ärgern sich die beiden Hammelburger mittlerweile nur noch. "Wir haben durchgehend die Fenster offen. Außerdem kann ich nicht einfach anfangen, auf öffentlichem Grund zu graben. In unserem Keller ist es nirgendwo feucht, nur in dem Teil unter der Straße", sagt Christian Büchs. Dafür zuständig sei seiner Meinung nach die Stadt, denn "das ist ja eigentlich nicht mehr unser Grund".
Trotz etlicher Kontaktversuche mit der Verwaltung habe das Ehepaar - ähnlich wie vor dem Ausbau der Straße - keine wirkliche Rückmeldung auf ihre Anfragen erhalten. "Herr Mohr und sein Kollege waren schon ein paar Mal hier und haben sich ein Bild von der Lage gemacht, das letzte Mal war am 7. August. Passiert ist trotzdem nichts."
Wasser im Keller: ein Kompromiss finden
Mails und Anrufe beim Bürgermeister, den Stadträten, dem Bürgermeisteramt und dem Bauamt gehen laut Christian Büchs häufig ins Leere. "Diese Ignoranz ärgert uns am meisten, wir möchten doch einfach nur, dass unser Keller trocken ist", äußert der 56-Jährige.
Schließlich sei dem Ehepaar bewusst, dass man in diesem Fall einen Kompromiss werde finden müssen. "Wir haben kein Problem damit, wenn mal etwas schiefläuft. Dann wird es repariert und die Sache ist erledigt", zeigt Büchs Verständnis. Trotzdem seien sie über den Umgang seitens der Verwaltung verärgert.
Das sagt Stadtbaumeister Detlef Mohr
Stadtbaumeister Detlef Mohr schildert das Problem folgendermaßen: Da der eigentliche Hausanschluss auf der Rückseite des Gebäudes liegt, sei strittig, ob die Stadt auch für die Leitungen auf der Vorderseite verantwortlich ist, denn: Jedem Gebäudeeigentümer steht laut Satzung ein Anschluss zu.
"Wir haben die Leitungen ausgetauscht, als die Kanalbauarbeiten in der Bahnhofstraße in Angriff genommen wurden, obwohl nicht klar war, wer für die Reparatur zuständig ist", verdeutlicht er.
Problem bereits seit 2009 bekannt
Bereits nach einer Befahrung im Jahr 2009 habe ein Mitarbeiter der Stadt festgestellt, dass das Wasser im Keller der Familie auch von undichten Wasserableitungen stammen könnte. Da sich der betroffene Kellerteil unter dem Gehweg in der Mitte des Hauses befinde, könnte er somit von den undichten Leitungen tangiert worden sein.
“Uns verwundert, dass an einer Stelle immer noch Wasser eindringt, aber wir gehen dem nach.
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"Eine weitere Befahrung fand unmittelbar vor den Straßenbauarbeiten statt. Wieder war erkennbar, dass die horizontalen Ableitungen auf beiden Seiten stark beschädigt waren", bestätigt Mohr. Den Vorwurf, nicht immer ganz die Wahrheit gesagt zu haben, weist er allerdings von sich. "Das stimmt so nicht, da die Stadt den alten Eigentümern die Problematik selbst mitgeteilt hat."
Zuständigkeit müsse geklärt werden
Beim Ausbau der Bahnhofstraße sei sehr viel Geld in die Absicherung des Kellers investiert und ein dichter Betondeckel über den Keller gebaut worden, der das Gewölbe auch statisch schütze. "Uns verwundert, dass an einer Stelle immer noch Wasser eindringt, aber wir gehen dem nach", berichtet der Stadtbaumeister. Erst müsse geklärt werden, wo das Wasser herkommt und in wessen Zuständigkeit das Problem liegt. Erst dann könne man handeln.
Beim letzten Ortstermin vor ungefähr sieben Wochen seien der Familie weitere Untersuchungen in Aussicht gestellt worden. "Diese konnten noch nicht organisiert werden, erfolgen aber zeitnah", so Mohr. Zudem habe das Bauamt aktuell viele parallel laufenden Maßnahmen, die ebenfalls begleitet werden müssen. "Es ist durchaus möglich, dass wir nicht immer gleich aktiv werden können, weil es im Moment zeitlich nicht möglich ist", ergänzt Mohr abschließend.














