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Biogas, Abwärme, Wärmenetz
So könnte in Münnerstadt zukünftig geheizt werden
Eine Frau im Heizungskeller
Wie sieht der Heizungskeller der Zukunft aus? // Benjamin Nolte/dpa-tmn
Münnerstadt – Womit können die Bürgerinnen und Bürger ökologisch, bezahlbar und sicher heizen? Wo wären Wärmenetze sinnvoll, wo nicht möglich? Das kam bei der kommunalen Wärmeplanung heraus.

Welche Möglichkeiten gibt es in Münnerstadt und den Stadtteilen in Hinblick auf nicht-fossile Heizträger? Einige, hat Fritz Schöberlein vom Institut für Energietechnik (IfE) an der OTH  Amberg-Weiden herausgefunden. Er hat rund ein Jahr lang die kommunale Wärmeplanung für die Stadt erarbeitet und nun die Ergebnisse vorgestellt.

Ziel ist ein Überblick, wie die Wärmeversorgung der Zukunft klimafreundlich, sicher und bezahlbar gestaltet werden kann. Die Ergebnisse geben jedoch keine Garantien auf einen Wärmenetzanschluss oder Kosten.

Einteilung in Quartiere

Die kommunale Wärmeplanung beginnt damit, dass das Stadtgebiet in Quartiere eingeteilt wird. „Man teilt beispielsweise Neubaugebiete und Altstadt, weil hier ganz unterschiedliche Heizstrukturen herrschen.“

Ein Beispiel, wie die Quartiere in der Kernstadt eingeteilt wurden.
Ein Beispiel, wie die Quartiere in der Kernstadt eingeteilt wurden. // Institut für Energietechnik Amberg-Weiden

Bestandsanalyse: 100 Gigawattstunden für Wärme

Dann folgt die Bestandsanalyse, aus der ein Kataster folgt, das zeigt, welchen Wärmebedarf die jeweiligen Gebäude haben. „So wissen wir für jedes Quartier, wie viel Wärme dort gebraucht wird“, erklärt Fritz Schöberlein.

In ganz Münnerstadt werden derzeit 100 Gigawattstunden (GWh) – das entspricht 100 Millionen Kilowattstunden – zum Heizen gebraucht. Die Hälfte heizt mit Heizöl, ein Viertel mit Erdgas und 17 Prozent mit Holz.

Grundlegendes Interesse an Wärmenetz

Teil der Bestandsanalyse ist eine Umfrage, in der unter anderem abgefragt wurde, ob die Befragten Interesse an einem Wärmenetzanschluss hätten. Bei der Umfrage nahmen 12 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner teil. Von denen gaben 60 Prozent an, grundsätzliches Interesse an einem Wärmenetzanschluss zu haben, zwei Drittel davon bereits in den kommenden Jahren.

Potenzialanalyse: Welche Energieträger sind sinnvoll?

Im nächsten Schritt, der Potenzialanalyse, wird geprüft, wie Heizenergie gespart und mehr erneuerbare Wärme genutzt werden kann.

Ein Blick auf verschiedene Energieträger zeigt:

  • Durch Holz allein aus dem Stadtgebiet könnte die Stadt 35 GWh (von 100 benötigten GWh) im Jahr an Wärme produzieren. Und das nachhaltig, also ohne Kahlschlag im Wald oder Konkurrenz zu Bauholz. Hierfür bräuchte es nicht zwingend ein Wärmenetz – es sind auch private Hackschnitzel- oder Pelletanlagen möglich.
  • Mit Biogas könnten 22 GWh im Jahr gewonnen werden. Die Biogasanlage würde mit Reststoffen aus der Landwirtschaft laufen.
  • Geothermie in Form von Erdwärmekollektoren und Grundwasserwärme wäre theoretisch möglich, praktisch müssten dies im Einzelfall Fachbehörden prüfen. Im Wasserschutzgebiet ist es nicht möglich.
  • Aus grünem Strom durch Freiflächen-PV entlang der Autobahn (120 GWh im Jahr), PV-Anlagen auf Dächern (60 GWh) und Windkraft aus dem Bildhäuser Forst (107 GWh) könnten insgesamt 287 GWh im Jahr in die Wärmeproduktion fließen.
  • Wärme durch Wasserstoff: Ein Elektrolyseur (stellt grünen Wasserstoff her) mit industriellen Abnehmern ist am Schindberg geplant, die Abwärme könnte zum Heizen von Privathaushalten genutzt werden.
  • Auch Abwärme von Industriebetrieben böte Potenzial: Allein bei der Firma Nipro wären drei bis vier Gigawattstunden im Jahr planbar, der geplante Elektrolyseur brächte zusätzliche zehn. Zum Vergleich: Das Quartier Münnerstadt West (Michelsgrund und Schindberg ohne Gewerbegebiet) benötigt 8,8 GWh zum Heizen. Hier sei eine Studie sinnvoll, ob in diesem Gebiet genügend Anschlussinteresse an einem Nahwärmenetz besteht.
  • Kein Potenzial zeigt die Wärmeplanung bei Flusswasser, Abwasserwärme oder der Kläranlage. 

Zielszenario: So geht es weiter

Im nächsten Schritt unterteilte das Institut die Quartiere in Versorgungsgebiete.

Das Institut teilte die Quartiere in Versorgungsgebiete ein.
Das Institut teilte die Quartiere in Versorgungsgebiete ein. // Institut für Energietechnik Amberg-Weiden

Nicht sinnvoll ist ein Wärmenetz in Teilen Reichenbachs, Wermerichs- und Seubrigshausens sowie in Windheim, Burghausen, Althausen, Brünn und Fridritt. „Hier müssen die Bürger selbst überlegen, wie sie heizen wollen. Beispielsweise über Wärmepumpe, Pellets oder Hackschnitzel“, sagt Fritz Schöberlein.

Ein Wärmenetz mit nicht weiter benanntem Energieträger schlägt das Institut für den Karlsberg vor, wo bereits eine ausführlichere Studie lief (s.u.). Ein Wasserstoffnetz wäre am Gewerbegebiet Schindberg sinnvoll, was mit den Planungen für den Wasserstoff-Elektrolyseur Hand in Hand geht.

Ein Wärmenetzverdichtungsgebiet ist für Maria Bildhausen geplant, das heißt: Alle Gebäude sollen an das dort vorhandene Wärmenetz angeschlossen werden.

Als Prüfgebiete sind Teile Reichenbachs, Münnerstadts, Wermerichs- und Seubrigshausens sowie ganz Klein- und Großwenkheim markiert. „Bei diesen Gebieten muss man noch mal genauer draufschauen“, erklärt Fritz Schöberlein. Der nächste Schritt ist, hierfür weiterführende Studien zu beantragen. Ob das in allen Quartieren sein wird, entscheidet der Stadtrat.

Ergebnis aus der Karlsbergstudie

Möglicher Leitungsverlauf eines Wärmenetzes am Karlsberg
Möglicher Leitungsverlauf eines Wärmenetzes am Karlsberg // Institut für Energietechnik Amberg-Weiden

Das Institut machte auch eine Studie zu einem Wärmenetz am Karlsberg, innerhalb der Jahn-, Schweden- und Schützenstraße, mit rund 120 potenziellen Anschlussnehmern. Davon wären 33 an einem Wärmenetzanschluss interessiert. Die Wärmebelegungsdichte läge hier bei 1090 Kilowattstunden pro Meter. Ab einem Wert von 800 sei ein Netz kommerziell betreibbar, ordnet Fritz Schöberlein ein.

Klimamanager Stefan Richter hält es für realistisch, dass schon vor 2030 ein erstes Wärmenetz am Karlsberg entstehen kann. „Doch dazu braucht es einen politischen Willen und einen Willen aus der Bürgerschaft.“

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