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Bau beginnt
SuedLink: Wie das Mammutprojekt in der Region abläuft
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Riesenbaustelle SuedLink: Wie hier im Main-Tauber-Kreis wird sich bald auch im Landkreis Schweinfurt eine Schneise durch die Landschaft ziehen. In dem Graben werden in Kunststoff-Leerrohren die Stromkabel verlegt. // Benjamin Brückner
Signet des Fränkischen Tags von Silvia Eidel
Kreis Schweinfurt
Kreis Schweinfurt – Der Planfeststellungsbeschluss wird am Freitag erlassen. Beim Infomarkt von TransnetBW wurden die riesigen Dimensionen der Stromleitungs-Baustelle erläutert.

Jetzt startet auch im Landkreis Schweinfurt der Bau der SuedLink-Stromtrasse. An diesem Freitag, 27. Juni, wird die Bundesnetzagentur den Planfeststellungsbeschluss erlassen. Das ist die Erlaubnis zum Baustart im bayerischen Abschnitt zwischen der Landesgrenze zu Thüringen bei Mellrichstadt und dem Konverter bei Bergrheinfeld. Schon ab Montag wird für das unterirdische Mammut-Stromprojekt das zentrale Baulager bei Oerlenbach eingerichtet.

Beim sogenannten Bauinfomarkt in der Grafenrheinfelder Kulturhalle, einer von vier Veranstaltungen des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW in diesem SuedLink-Abschnitt, gab dessen Bürgerreferent Chris Göpfert die Termine auf Nachfrage der Redaktion bekannt. „Wir haben bereits einen Vorbescheid der Bundesnetzagentur, mit genau der Linienführung, die wir vorgeschlagen haben.“

Baulager benötigt zwei Hektar Fläche

Für das Baulager bei Oerlenbach, noch auf Gemarkung von Poppenhausen, werden bis zu zwei Hektar Fläche benötigt. Ein Containerdorf mit Büros und Materiallager wird dort errichtet. Dafür wird der Oberboden abgetragen, die Fläche aufgeschottert und die Zufahrt asphaltiert werden, so Göpfert. Das Gelände wird eingezäunt und bewacht.

Vor der Kulturhalle Schweinfurt protestierten Mitglieder der Bürgerinitiative A7 Stromtrasse NEIN und der Bürgerinitiative Bergrheinfeld erneut gegen das SuedLink-Projekt.
Vor der Kulturhalle Schweinfurt protestierten Mitglieder der Bürgerinitiative A7 Stromtrasse NEIN und der Bürgerinitiative Bergrheinfeld erneut gegen das SuedLink-Projekt. // Silvia Eidel

Ab Montag wird dann auch die Strecke zwischen Mellrichstadt und Bergrheinfeld, bisher Planabschnitt D 2, als „Baulos 7“ geführt. Dafür übernimmt nach der europaweiten Ausschreibung das Bauunternehmen Leonhard Weiss die Tiefbauleistungen. Massive Eingriffe in die Landschaft sind für die Herstellung von Kabelgräben und geschlossenen Bohrungen, von Kabelabspulplätzen sowie von Zufahrts- und Schwertransportstraßen erforderlich. „Das sind keine Baustellchen“, wusste auch der Transnet-Bürgerreferent. Nach Erledigung der Arbeiten werden sie wieder zurückgebaut.

Offizieller Baubeginn auf der etwa 18 Kilometer langen Strecke im Landkreis Schweinfurt wird ab Mitte Juli zwischen Euerbach und Bergrheinfeld sein, erklärte Göpfert. Denn hier gilt es, die vielen archäologischen Vorkommen zu sichern, weshalb der Oberboden auf der etwa 35 Meter breiten Trasse abgeschoben wird. Über mögliche Rettungsgrabungen entscheiden die Archäologen in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege. „Das Ganze wird etwa ein Jahr dauern“, so der Transnet-Bürgerreferent.

Bundesstraße 26 wird mit Spülbohrung unterquert

Erste „echte“ Baustelle wird dann zwischen Ettleben und Bergrheinfeld sein, wo die Bundesstraße 26 mit einer Spülbohrung unterquert wird. Die große Fläche bis zum südlich gelegenen Konverterstandort, die als Ausgleichsfläche von Tennet dient, muss ebenfalls unterbohrt wird.

Wie überhaupt für die Leerrohre der Gleichstromkabel zuerst die 20 geschlossenen Unterquerungen von Straßen, Schienen, Fernmeldeleitungen, Gewässern, archäologischen Bereichen oder arten- und naturschutzfachlichen Flächen erledigt werden. Danach wird der offene Grabenbau für die Kabelverlegung erfolgen.

Mit unterschiedlichen Maßnahmen werden die Durchbohrungen abgewickelt: Mit Horizontalspülbohrungen (HDD-Verfahren), mit Pressungen oder Microtunnelverfahren. Für die Bohrungen hat sich Generalunternehmer Weiss die spanische Firma Catalana gesichert, ein Spezialist im Bohr- und Untertagebau. „Für ein Großbohrgerät wird ein Tieflader benötigt“, so Göpfert. Entsprechend groß sind die benötigten Arbeitsflächen auf beiden Seiten einer Unterquerung.

Was man an der SuedLink-Strecke entlang der A 71 bald sehen wird, so Göpfert, sind vom Naturschutz vorgeschriebene Zäune: Niedrige Schutzzäune für Feldhamster, Biber oder Reptilien, aber auch zwei Meter hohe, mit Planen versehene Bauzäune für Feldbrüter.

45 Meter langes Fahrzeug mit Kabelspulen

Für den Einzug der Stromkabel in die Leerrohre werden Kabelabspulplätze benötigt. Die Größe eines halben Fußballfelds wird gebraucht für das 45 Meter lange Fahrzeug mit den Kabelspulen, bestückt mit je etwa 1,8 Kilometer Kabel. Sechs solche Plätze sind im „Baulos 7“ vorgesehen: bei Pfersdorf östlich der A71, am A71-Parkplatz Maibacher Höhe, bei Kronungen, bei Euerbach an der B 303, westlich von Geldersheim und südlich der A 70.

Für das „Baulos 8“, den knapp 70 Kilometer langen Abschnitt von der Landkreisgrenze Schweinfurt/Bad Kissingen bis zur Grenze zu Baden-Württemberg, besteht bereits Baurecht. Die Firma Strabag leistet hier schon Tiefbauarbeiten. Durchquert wird dabei im Kreis Schweinfurt die Gemarkung der Gemeinde Wasserlosen. Abspulplätze sind südlich von Greßthal und südlich von Wülfershausen sowie bei Oerlenbach geplant.

Vor der Kulturhalle Grafenrheinfeld hatten beim Transnet-Infomarkt die Bürgerinitiative A7 Stromtrasse NEIN und die Bürgerinitiative Bergrheinfeld eine Mahnwache platziert. Die Teilnehmer äußerten ihre grundsätzliche Kritik an SuedLink: überdimensioniert, nicht dezentral, technisch nicht umsetzbar, bereits erfolgte fehlerhafte Ausführungen mit massiver Schädigung der Umwelt, zu unsicher, explosive Kosten. Daneben wurde auch der Umgang mit den Grundstückseigentümern kritisiert. Eine Teilnehmerin sagte, sie lasse für den Bau von SuedLink keine Dienstbarkeit auf ihr Grundstück eintragen. TransnetBW betreibe deshalb bei ihr Telefonterror und drohe mit Enteignung, sprich Zwangseintragung.

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