Es war das erste aus einer Reihe der geplanten "Treibhaus-Menus", die Ines-Ulrike Rudolph als Umsetzungsbegleitung des Treibhausareals auf die Beine stellte. Die grundlegende Idee ist, dass es einen Vortrag gibt, das Publikum anschließend Fragen stellt und es dann schrittweise ins Schnippeln, gemeinsame Essen und anschließende gesellige Zusammensitzen übergeht.
Neben Bürgerinnen und Bürgern, die einfach das Projekt spannend finden oder sogar schon eine mögliche Baugruppe sind, waren auch Stadtratsmitglieder, Elke Barthel aus der Regionalentwicklung des Landratsamtes oder Nes-Allianz-Managerin Dina Walter gekommen. Bürgermeister Michael Kastl (CSU) versicherte trotz Haushaltsloch: "Münnerstadt wird die Planung weiter unterstützen". Doch es brauche noch Investoren – da seien die Bürgerinnen und Bürger gefragt.
Das Steingauquartier in Kirchheim unter Teck
Gernot Pohl, Abteilungsleiter Städtebau und Baurecht in Kirchheim unter Teck erklärte zu Beginn, dass es sich bei dem Ort um eine Stadt mit 42.000 Einwohnern im Landkreis Esslingen handelt. Sie schufen das Steingauquartier. Es liegt zwischen Bahnhof und Altstadt und ist ein ehemaliges Textilfabrikgelände mit 3,5 Hektar. Das Treibhausareal ist rund drei Hektar groß.
Das "Kirchheimer Modell"
Das Quartier sollte durchmischt sein, was Nutzung, Bau und Wohnformen angeht. Dafür entwickelte die Kommune das "Kirchheimer Modell".
1. Offene Konzeptvergabe
Zu diesem gehört erstens die offene Konzeptvergabe: Dafür hatte die Stadt Ziele des Quartiers festgelegt und setzte bei der Vergabe von Grundstücken Wert auf die Qualität des eingereichten Konzepts und nicht wie normalerweise auf den Preis. Ein Gremium aus Stadtverwaltung, Ratsmitgliedern und Externen bewertete nach folgenden Kriterien: Qualität des Bauprojekts und des Projektteams sowie Nutzen für die Quartiers- und Stadtgesellschaft. Wessen Projekt gut war, aber noch nicht ausgereift, hatte die Möglichkeit zu Motivationsgesprächen und musste sich erneut bewerben.
2. Gestaltungshandbuch
Zudem gehörte zu dem Modell wegen der niederschwelligen Bewertungskriterien, die keine Vorschriften der Architektur vorsahen, zweitens: ein Gestaltungshandbuch und ein Gestaltungsbeirat. "Wie Brüder und Schwestern" standen die Gebäude am Ende da – alle individuell, aber dennoch zusammengehörend.
3. Öffentlichkeitsarbeit
Außerdem setzte die Stadt auf drittens: viel Öffentlichkeitsarbeit. Neben der Presse auch via Newsletter, wie es ihn in Münnerstadt auch gibt.
Auch das Drumherum musste stimmen: So gab es Schulungen für Architektinnen und Architekten, wie sie mit Baugruppen zusammenarbeiten. Und die Stadt ging auf die Banken zu, um Finanzierungspläne für Baugruppen zu erarbeiten.
Ankerprojekte auch in Münnerstadt denkbar
Das Konzept der Ankerprojekte (rot) fanden die Gäste in Münnerstadt interessant: Pro Baufeld, bestehend aus zwei bis drei Gebäuden, brauchte es jemanden, der eine Tiefgarage baut. Dazugehörend: ein Eingang in diese Garage und ein Wohnhaus. Die Stellplätze mussten die Anwohnerinnen und Anwohner im Baufeld erwerben. Zwar hat Münnerstadt in dem Gebiet keine Möglichkeit einer Tiefgarage, doch Ankerprojekte wären auch für Wärme, Energie oder den Rohbau möglich.
Ergebnis: durchmischtes Wohnen und Gewerbe
Am Ende heraus kamen insgesamt 45 Gebäude, davon sechs Einfamilienhäuser und 16 Gebäude von Baugruppen. Von den 375 Wohnungen waren ein Drittel Mietwohnungen, von denen die Hälfte Sozialwohnungen waren oder als "günstig" galten. Für den Bau solcher Wohnungen gibt es in Bayern Förderungen. Die Nutzungsvielfalt war groß, von Veranstaltungsräumen über Einzelhandel, Gastronomie bis hin zu Werkstätten. Ob Münnerstadt diese Nutzungen braucht oder ob das Treibhausareal später nicht sogar zur Konkurrenz für die Altstadt würde, diskutierten die Teilnehmenden später am Tisch.
Wie die Baugruppen zueinander fanden
Auch eine Frage war, wie sich die Baugruppen denn fanden. Zum einen gab es einen Ordner mit Suche-/ Biete-Formularen, der im Rathaus auslag. Und: "Wir haben Stadthausbörsen gemacht, bei denen man sich kostenlos einen Stand mieten konnte, um Verbündete zu suchen", so Pohl. Bauträger haben ihre Projekte beworben, Interessierte eine Baugruppe gesucht, ein Zimmerer suchte sich Architekturbüro und helfende Hände.
"Meine Baugruppe habe ich mir in einem zentralen Café der Stadt zusammengesucht", berichtet Pohl, der selbst mitmachte. Die Gruppe suchte sich zudem eine Projektsteuerung und ein Architekturbüro.
Eine Gruppe hatte zwar Interesse an dem Projekt, aber kein Geld zum Investieren. Also ging sie auf einen Bauträger zu, mit dem sie später das Projekt planten, es bauen ließen, dann einen Verein gründeten und das gesamte Gebäude vom Bauträger mieteten und verwalten. "Die sind erstmal zusammen in den Urlaub gefahren, um zu wissen, ob sie miteinander auskommen", berichtet Pohl.
Keine Genossenschaft, aber Bürgeraktiengesellschaft
Weil die Stadt sich kleinteilige Wohneinheiten wünschte, musste sie damit Genossenschaften ausschließen, weil diese erst ab einer bestimmten Größe bauen, so Pohl. Was hingegen funktionierte, war das Projekt der Bürgeraktiengesellschaft Nestbau mit einem Wohnprojekt mit Hotelzimmern im unteren Bereich, sechs günstigen Wohnungen darüber und einer Senioren-WG.
Treibhaus Menu II:
"Menu II" findet am Dienstag, 26. November, von 17 bis 21 Uhr statt. Referentin Natalie Schaller von der "Stattbau München" spricht genauer über das Konzeptverfahren, das in Kirchheim bereits eine Rolle spielte.
Mehr zum Treibhausprojekt:













