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Bürgerschaft einbeziehen
Warum Ines Rudolph für Münnerstadts Treibhaus so wichtig ist
Das Treibhausareal liegt zwischen Altstadt und Karlsberrg.
Das Treibhausareal liegt zwischen Altstadt und Karlsberrg. // Ellen Mützel
Münnerstadt – Die Architektin und Beraterin ist Vertretung von interessierter Bürgerschaft und Firmen in Münnerstadt. Wie das funktioniert, wie ihre künftigen Monate in der Kleinstadt aussehen werden und was sie hier genau macht.

Mit dem positiven Stadtratsbeschluss und der Zusage zur Förderung aus München Anfang Juli war klar: Ines-Ulrike Rudolph wird die Stadt Münnerstadt in ihrem Prozess unterstützen, das Treibhaus-Areal zu entwickeln. Genauer gesagt kümmert sie sich um die sogenannten Umsetzungspartner.

Ines Rudolph kümmert sich um Umsetzungspartner

Das kann ein Zusammenschluss von Privatpersonen sein, die sich dort Eigentumswohnungen finanzieren wollen, ortsansässige Firmen, die für ihre Mitarbeiter Wohnungen bauen wollen, Sozialträger, die Platz für Betreutes Wohnen brauchen. Oder private Großinvestoren oder Firmen, die auf dem Areal ein Bauprojekt planen.

"Ich werde beispielsweise auch mit den Älteren sprechen, denen ihr Haus zu groß wird, die aber in der Stadt bleiben wollen. Sie würden im Treibhaus-Areal Platz finden", erklärt sie. 

Verschiedene Nutzungsansprüche möglich machen

Um all das zu koordinieren, was gebraucht wird, ist Ines Rudolph da. Sie findet es spannend, wenn verschiedene Nutzungsansprüche aufkommen, wie etwa in ihrem ersten Projekt: Der Supermarkt, der auf einer Fläche bauen möchte und die Schule, die dort gerne ein Sportfeld gesehen hätte – so wurde es ein Supermarkt, auf dessen Dach ein Sportfeld war. 

Zwar soll sie sich um alle interessierten Gruppen kümmern, doch Bürgerinnen und Bürger werden wohl am meisten von ihr profitieren. Klimamanager Stefan Richter erklärt: "Man stelle sich ein Projekt vor, bei dem bis auf eine Person alle Profis sind, ihre Interessen durchzusetzen. Wer hat wohl die schlechtesten Karten?" Es brauche daher jemanden, der die Interessen der Bürgerschaft wahrnimmt und kommuniziert.

Büro inmitten von Münnerstadt

Eine Fotomontage, wie das Büro von Ines-Ulrike Rudolph von außen aussehen könnte. Noch ist an den Scheiben der ehemaligen Redaktion nichts zu sehen.
Eine Fotomontage, wie das Büro von Ines-Ulrike Rudolph von außen aussehen könnte. Noch ist an den Scheiben der ehemaligen Redaktion nichts zu sehen. // Fotomontage: Christine Schikora

Bis zum 31. Mai 2025 ist ihre Stelle vorerst gefördert. Am 20. August zieht sie in ihr neues Büro in Münnerstadt ein: in der ehemaligen Redaktion bzw. dem ehemaligen Waschsalon. Dort wird sie zu geraden Kalenderwochen von Dienstag bis Donnerstag sein. 

Der Zeitplan steht bereits

Ines Rudolph stellt im M17/ Blauer Laden  ihre Pläne für die kommende Zeit vor.
Ines Rudolph stellt im M17/ Blauer Laden ihre Pläne für die kommende Zeit vor. // Ellen Mützel

Vergangene Woche stellte Rudolph sich im M17/Blauer Laden vor. Für ihre Zeit bis Mai hat sie bereits einen Zeitplan ausgearbeitet. "Ich bin gerade dabei, eine Grundlagenermittlung zu machen und Auftaktworkshops zu erstellen." Nun startete zudem die "Stakeholder-Analyse", die bis September gehen soll: Welche Gruppen haben ein Interesse an dem Projekt? Firmen, Vereine, die Bürgerschaft – sie nimmt zu allen Kontakt auf. 

September bis Oktober laufen Gespräche mit potenziellen Investoren und Multiplikatoren. Im Herbst sowie Frühling finden „Treibhaus Menüs“ statt: Workshops, in denen jeweils Private, Bauinvestoren und Sozialträger sich genauer mit ihren Plänen auseinandersetzen. Dazwischen: immer wieder Gespräche mit jeglichen beteiligten Gruppen. Ab Jahresbeginn wird die Abstimmung mit dem ausgewählten Architektenbüro intensiver. 

Begleitung bei der Erstellung des Rahmenplans

Ines Rudolph wird eine Schnittstelle zwischen der Bürgerschaft und dem laufenden ISEK-Verfahren sowie der Rahmenplanung für das Areal sein. Die Rahmenplanung startet, wenn der Stadtrat am 9. September eines der beiden erstplatzierten Architekturbüros für das Areal auswählt. Dieses erstellt den Rahmenplan (bis etwa Mitte 2025) und später den Bebauungsplan. 

♦ Was ist ein Rahmenplan? 

Ein Rahmenplan ist bei der Entwicklung eines Areals die Vorstufe zum Bebauungsplan. Es ist ein informelles Planungsinstrument, das die Entwicklungsmöglichkeiten von Gebieten untersucht, ohne konkrete Bebauungsvorschläge zu machen. 

"Der Rahmenplan ist eine fachliche Klärung: Wie schaut es mit Landschaftsplanung, Verkehrsplanung, Umweltaspekten aus? Man versucht das alles zu klären, damit man es dann im Bebauungsplan festsetzen kann", erklärt Kilian Düring von der Stadt. 

♦ Was ist ein Bebauungsplan?

Der Bebauungsplan regle "Abstände, wie viele Bäume muss ich auf meinem Grundstück haben, er regelt die Dachneigung, wie hoch eine Mauer oder Häuser sein dürfen. Er sagt: An diese Form musst du dich halten", so Düring. Diesen beschließt am Ende der Stadtrat.

Weitere Bürgerbeteiligung beim Treibhaus-Projekt

Das Treibhaus-Projekt lebt von Anfang an von Bürgerbeteiligung: Zur Machbarkeitsstudie gab es einen Workshop im Treibhaus selbst, wo Interessierte Bauklötze setzen und Zettelchen schrieben. Dazu gab es die Möglichkeit, online seine Meinung zu äußern. Diese Ideen flossen ein in den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb. 

Nachdem eine Jury im Herbst 2023 die zwei ersten Preise auswählte und alle Entwürfe im Rathaus ausgestellt wurden, gab es im Dezember eine Bürgerwerkstatt, bei der die Teilnehmenden ihre Meinung abgeben konnten. 

Noch immer sind die Entwürfe der beiden Gewinner auf der Website der Stadt zu finden. Alle sind aufgefordert, ihre Meinung zu den beiden Entwürfen abgeben. 

Bürgermeister ist überzeugt

Michael Kastl (CSU) unterstreicht: "Es ist für Kommunen unserer Größe nicht üblich, sich solcher Mittel zu bedienen." Das Ministerium habe die Stadt überzeugt, sich für die Investorenansprache Hilfe zu holen. "Wir wollen ja eben nicht einen Betonklotz bauen und dann fragen, wer ihn haben möchte", sagt er. "Wir wollen ein Projekt entwickeln, das modellhaft ist und idealerweise Investoren finden, die dieses modellhafte auch mittragen. Die Frage ist, wie? Hier endet unser Latein." Er sei zu 100 Prozent überzeugt, dass es richtig war, Ines Rudolph einzustellen. 

 

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