Das Glück ist mit dem Tüchtigen, sagt ein uraltes Sprichwort und die außergewöhnliche Bewerbung der Stadt Münnerstadt beim Modellprojekt „Landstadt Bayern“ hat sich wirklich gelohnt. Die Umgestaltung des früheren Gärtnereigeländes zu einem innovativen Wohnpark gehört zu den fünf Projekten in Bayern, die weiterhin durch das bayerische Bauministerium unterstützt werden. Bürgermeister Michael Kastl sagte nun bei einem Gespräch mit dieser Zeitung, wie es konkret mit dem innovativen Bauprojekt weitergehen soll.
„Wichtig ist, dass wir auch weiterhin die Begleitung der Fachleute bekommen“, sagt Michael Kastl. Er sieht momentan drei Handlungsfelder. Man müsse die beiden Sieger-Entwürfe aus dem Architektenwettbewerb zusammenführen und daraus einen Rahmenplan und danach einen Bebauungsplan entwickeln.
Suche nach Investoren
Außerdem müssen Investoren gefunden werden. „Die Ampel steht auf grün“, meint er. Jetzt wird das Projekt vom modellhaften Charakter in die Umsetzungsphase geführt. Investoren können dabei auch Bürgerinnen und Bürger sein, die sich in einer so genannten Bürgergruppe zusammenschließen. Auch Genossenschaften, Stiftungen oder Arbeitgeber vor Ort kommen als Investoren in Frage.
Das dritte Handlungsfeld: „Wir müssen auch weiterhin die Bevölkerung mitnehmen“, so der Bürgermeister. Denn das Projekt sei ja prägend für die Zukunft der Stadt.
Diese drei Handlungsfelder sollen nicht nacheinander, sondern gleichzeitig stattfinden und in einem weiteren Schritt zusammengeführt werden. Dafür sind mehrere Veranstaltungen geplant. „Sinn ist, die Meinung potenzieller Investoren schon jetzt mit einfließen zu lassen.“ Interessenten und Bürger sollen mitgenommen werden, wenn aus den vorliegenden Entwürfen umsetzbare Lösungen entwickelt werden, „die damit vom Modellhaften zum Realisierbaren übergehen“.
Areal schon jetzt beleben
Auch wenn Münnerstadt jetzt einen weiteren wichtigen Schritt geschafft hat – bis dort Wohnungen entstehen und der Randbereich renaturiert ist, wird noch einige Zeit vergehen. „Wir wollen das Areal aber schon jetzt beleben“, erläutert der Bürgermeister.
Eine Idee dabei ist, so genanntes Urban Gardening, also das gemeinschaftliche Gärtnern in Stadtgärten anzubieten und so das Projekt in den Köpfen zu erhalten und die Menschen mit einzubinden. „Rahmenplan und Bebauungsplan sind eigentlich knochentrockene Vorgänge, aber wir müssen die Bürger und Investoren mit ins Boot holen“, betont Michael Kastl.
Es soll eine für die Zielgruppe attraktive Planung geschaffen werden, die dann von den Fachleuten vom Experimentellen ins Umsetzbare transportiert wird und auf die Bedürfnisse der künftigen Nutzer optimiert ist. Es gehe hier nicht um irgendein Baugebiet, sondern um ein wichtiges Zukunftsprojekt.
Die Bürger beraten
Bei einer der anstehenden Veranstaltungen könnte es beispielsweise auch um die Beratung von Bürgern gehen, die sich in einer Baugruppe zusammenschließen wollen, um dann vielleicht eines der Gebäude gemeinsam zu errichten. „Wir wollen auf alle Fälle auch den sozialen Wohnungsbau mit einfließen lassen“, sagt Michael Kastl.
Es komme hier alles zusammen. Das Areal liegt unmittelbar neben den Quellen der Münnerstädter Trinkwasserversorgung, die gerade optimiert wird, um sie dauerhaft zu sichern. Für die Belebung der Altstadt sei es ein Schlüsselprojekt mit der Möglichkeit, an vielen Stellschrauben zu drehen. Die Umsetzung dauere zwar noch etwas, aber es sei das wichtigste Projekt für die Zukunft der Kernstadt.
Michael Kastl ist fest davon überzeugt, dass das innovative Wohnprojekt mit teilweiser Renaturierung der Flächen wie geplant umgesetzt wird. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung aus München“, betont er. „Ohne diese fachliche Unterstützung wäre ein Projekt dieser Größe und mit diesen Herausforderungen für eine Stadt wie Münnerstadt nahezu unvorstellbar.“ Der Rückenwind aus dem Bauministerium trage die Stadt durch die verschiedenen komplizierten Verfahren.
Die richtige Strategie
Die Entscheidung in München, das Treibhaus-Projekt auch weiterhin zu unterstützen, sei aber auch eine Bestätigung, weil das, was sich die Verantwortlichen in Münnerstadt überlegt haben, auf ministerialer Ebene und bei den Fachleuten so wertgeschätzt wird. „Unsere Strategie ,innen statt außen’ ist die richtige“, ist Michael Kastl fest überzeugt.
Die Stadt erhält dank der Auswahl des Bauministeriums fachliche Beratung durch ein Expertengremium und Fördermittel in Höhe von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten für die Erarbeitung weiterer Planungen.
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