0
Bayerische Demenzwoche
Wie Rettungshunde bei der Vermisstensuche helfen
Bayerische Demenzwoche: Rettungshunde bei  Vermisstensuche
Daniel Lorz wird beim Informationsnachmittag anlässlich der Bayerischen Demenzwoche die Arbeit der Coburger BRK-Rettungshundestaffel vorstellen. // Privat
Signet des Fränkischen Tags von Redaktion
Coburg – Wenn Menschen vermisst werden, sind das oftmals Personen mit Demenz. Bei der Suche kommt häufig auch die Rettungshundestaffel zum Einsatz. Ein Interview im Vorfeld der bayerischen Demenzwoche.
Artikel anhören

Seit mehr als 20 Jahren gehört die Rettungshundestaffel zum Leistungsangebot der BRK-Bereitschaft Coburg. Die derzeit 16 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bilden mit ihren Hunden Rettungshundeteams aus, die bei der Suche nach vermissten Menschen eingesetzt werden. Das Einsatzgebiet umfasst die Landkreise Coburg, Kronach, Lichtenfels, Bamberg, Bayreuth und Südthüringen. Bei Bedarf kommen die Teams auch deutschlandweit zum Einsatz.

Seit vielen Jahren engagiert sich Daniel Lorz ehrenamtlich in der BRK-Rettungshundestaffel Coburg und bildet gemeinsam mit seinem Hund ein Team, das bei der Suche nach vermissten Menschen zum Einsatz kommt. Er wird beim Informationsnachmittag anlässlich der Bayerischen Demenzwoche am Dienstag, 22. September, im Coburger Landratsamt über die Arbeit der BRK-Rettungshundestaffel Coburg berichten.

Wann wird die BRK-Rettungshundestaffel alarmiert oder zu Einsätzen hinzugezogen?

Grundsätzlich ist bei einer Vermisstensuche die Polizei für die Koordination verantwortlich. Sie beurteilt die Situation und entscheidet, welche Einsatzmittel benötigt werden. Kommt sie zu dem Schluss, dass die Unterstützung durch eine Rettungshundestaffel erforderlich ist, werden wir alarmiert. Je nach Lage kommen Mantrailer zum Einsatz, die einer individuellen Geruchsspur folgen, oder Flächensuchhunde, die größere Gebiete nach menschlicher Witterung absuchen.

Wie eng ist dabei die Zusammenarbeit mit der Polizei?

Für uns ist die enge Zusammenarbeit mit der Polizei und den weiteren Einsatzkräften entscheidend. Die Polizei gibt den Suchauftrag und die Rahmenbedingungen vor. Wir bringen unsere speziell ausgebildeten Rettungshundeteams dort zum Einsatz, wo sie die Suche bestmöglich unterstützen können.

Wie viele Einsätze hat die Coburger BRK-Rettungshundestaffel im Jahr?

Die Zahl unserer Einsätze ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich und hängt davon ab, wie viele Vermisstenfälle auftreten und wie häufig wir angefordert werden. Im Durchschnitt kommen wir auf rund 30 Einsätze pro Jahr.

Wie viele Menschen mit Demenz sind unter den Vermissten?

Etwa 50 Prozent der Personen, nach denen wir suchen, sind demenziell erkrankt. Das zeigt, wie wichtig unsere Arbeit gerade in diesem Bereich ist. Menschen mit Demenz verlassen oft ihre gewohnte Umgebung, verirren sich und finden nicht mehr selbstständig zurück.

Was raten Sie grundsätzlich Angehörigen, wenn sie eine Person mit Demenz vermissen?

Für Angehörige ist eine solche Situation sehr belastend. Wichtig ist, nicht abzuwarten, sondern möglichst schnell die Polizei zu verständigen und alle wichtigen Informationen weiterzugeben. Je früher die Suche beginnt, desto größer sind die Chancen, die vermisste Person schnell zu finden.

Warum sind Zeit und der richtige Umgang mit persönlichen Gegenständen bei einer Vermisstensuche so wichtig?

Bei der Suche mit unseren Mantrailern ist eine individuelle Geruchsprobe der vermissten Person entscheidend. Der Hund benötigt einen möglichst eindeutigen Geruchsträger. In der ersten Aufregung räumen Angehörige jedoch häufig die Wohnung auf oder ordnen Kleidung und persönliche Gegenstände. Dadurch können wichtige Geruchsspuren verloren gehen oder verfälscht werden. Deshalb unser dringender Hinweis: Ruhe bewahren, möglichst nichts verändern und sofort die Polizei verständigen. Kleidung, Bettwäsche, Schuhe oder andere persönliche Gegenstände der vermissten Person sollten nicht angefasst oder gewaschen werden. Eigene Suchaktionen sollten vermieden werden, weil dabei ebenfalls wichtige Spuren verändert werden können. Je früher die Vermisstensuche professionell beginnt und je eindeutiger die Geruchsprobe ist, desto größer sind die Chancen, die Person schnell zu finden.


Zur Veranstaltung

Der Informationsnachmittag anlässlich der Bayerischen Demenzwoche findet am Dienstag, 22. September, im großen Sitzungssaal (Raum E.30, Erdgeschoss) des Landratsamtes Coburg statt. Ab 13 Uhr gibt es Informationsmaterialien sowie die Möglichkeit, den GERT-Altersimulationsanzug auszuprobieren. Der Vortrag von Erich Schützendorf beginnt um 13.30 Uhr. Zum Abschluss (15.15 Uhr) stellt die Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes Coburg ihre Arbeit vor.

 

Inhalt teilen
  • kopiert!