Heimat
Die Historie hinter diesem Neustadter Denkmal
Am „Breiten Weg“ auf dem Muppberg erinnert die „Schulz’n Ruh“ an den „Neustadter Spaßmacher.
Am „Breiten Weg“ auf dem Muppberg erinnert die „Schulz’n Ruh“ an den „Neustadter Spaßmacher.
Foto: Dieter Seyfarth
Neustadt bei Coburg – Ein Neustadter Original ist der Maler Christian Schulz. Ihm wurde ein Denkmal gesetzt, das mittlerweile arg ramponiert war. Wer war der „Molo Schulz“?

Drei Jahre nach seinem 150. Geburtstag am 18. Februar 2019 wurde das „Neustadter Original“, der „Malo Schulz“, wieder so richtig herausgeputzt. Das am Rektoratsäckerlein (unterer Schützenplatz) stehende Denkmal befand sich seit Jahren in einem erbärmlichen Zustand. Die rechte Hand, die den Spazierstock hielt, war abgebrochen. Der Spazierstock selbst fehlte. Die Nase war demoliert und der gesamte Körper war mit Ablagerungen übersät. Es war kein schöner Anblick mehr!

Auf der Bodenplatte steht „Neustadter Original: Maler Christian Schulz. Gestiftet von der Glockenberger-Vereinigung anlässlich des 100jährigen Jubiläums 1987“.
Auf der Bodenplatte steht „Neustadter Original: Maler Christian Schulz. Gestiftet von der Glockenberger-Vereinigung anlässlich des 100jährigen Jubiläums 1987“.
Foto: Repro: Dieter Seyfahrt

Nun wurde das Denkmal auf Veranlassung der Stadt Neustadt wieder instandgesetzt und aufpoliert. Die vorhandenen Schäden wurden von der Steinbildhauerei Hartan fachmännisch ausgebessert. Der „Malo Schulz“ kann sich nun wirklich wieder sehen lassen. Auch die kleine Grünanlage wurde in Ordnung gebracht und zusätzlich durch bunte Blumenkübel verschönert. Zwei Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Ein Hinweisschild mit einigen Daten über den „Neustadter Humoristen“ wäre angebracht, da der Text auf der kleinen Steinplatte im Boden der Grünanlage kaum noch leserlich ist.

Wie kam es zum Maler-Schulz-Denkmal?

Überlegungen, dem Maler Schulz ein Denkmal zu setzen, tauchten bereits in den 1970er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Glockenberger Kreisen auf. Das war naheliegend; denn das „Neustadter Original“ war ja ein „Glockenberger“ und verkehrte regelmäßig im Stammlokal der Glockenberger, der Gaststätte „Zur Erholung“ (Merch’n Laura) am oberen Glockenberg. Als 1985 mit den ersten Vorbereitungen für das 100. Vereinsjubiläum begonnen wurde, griff Steinbildhauermeister Kurt Hartan diese Idee auf. Als begeisterter Glockenberger erklärte er sich bereit, den Maler Schulz in voller Lebensgröße als Denkmal zu schaffen. Ein Modell stellte er in der Mitgliederversammlung am 26. April 1986 vor, welches von den Glockenbergern gutgeheißen wurde. Schließlich wurde das Maler-Schulz-Denkmal anlässlich des 100. Jubiläums der Glockenberger-Vereinigung am 27. Juni 1987 bei einem großen Straßenfest feierlich eingeweiht. Damals ist es vom seinerzeitigen Vorsitzenden der Glockenberger-Vereinigung, Ernst Kiesewetter, an Oberbürgermeister Hellmut Grempel in die Obhut der Stadt Neustadt übergeben worden.

Wer war der „Malo Schulz“?

Jede Zeit und jeder Ort bringt seine „Originale“ heraus. Eines der beliebtesten Neustadter Originale der vergangenen 150 Jahre ist sicherlich der Malermeister Christian Schulz, der mehr unter dem Namen „Malo Schulz“ vor allem vielen älteren Neustadtern ein Begriff ist. Er ist wohl wie kein anderer für den sprichwörtlichen „Neustadter Humor“ bekannt. Geboren wurde er am 18. Februar 1869 in Neustadt. Hier lebte er in der Alfredstraße 6. Es war eine Zeit, in der die meisten Neustadter in ärmlichen und bescheidenen Verhältnissen aufwuchsen.

Kurt Hartan bearbeitet das Denkmal-Modell (November 1986).
Kurt Hartan bearbeitet das Denkmal-Modell (November 1986).
Foto: Repro: Dieter Seyfahrt

Nicht anders erging es dem Maler Schulz, der trotzdem sein nicht von materiellem Reichtum geprägtes Dasein meisterte. Die bitteren Nöte des täglichen Lebens ließen sich mit Humor und Frohsinn besser ertragen. Das war auch seine Lebensphilosophie! Die Kommunikation fand hauptsächlich in den Neustadter Wirtshäusern statt. Das Stammlokal des Maler Schulz war die „Gaststätte zur Erholung“ am oberen Glockenberg. Taglöhner, Rentner, Spielwarenhersteller, Heimarbeiter, Meister und Gesellen trafen sich fast täglich zur Unterhaltung auf ein Bier. Hier – und wie in vielen anderen Wirtshäusern auch – wurden viele lustige Streiche ausgeheckt, aber auch „Pfeile geschnitzt“.

Der Malermeister Christian Schulz, er war reich – an Humor

Viele Witze sorgten immer wieder für Heiterkeit. Die originellen Einfälle des Maler Schulz, seine humorvolle Schlagfertigkeit und sein Witz waren unübertrefflich und ließen ihn somit zum originellsten Neustadter werden. Damit erfreute er nicht nur die Neustadter, nein, auch in den umliegenden Dörfern war er als Symbolfigur des Humors bekannt und festigte den Ruf Neustadts, eine fröhliche Stadt zu sein.

In dem zu Weihnachten 1939 von dem Neustadter Heimatschriftsteller Emil Herold herausgegebenen Büchlein „Vom Maler Schulz und anderen Leuten – eine kleine Stadt und ihr Humor“ ist er wie folgt beschrieben: „Der Malo Schulz ist ein kleiner dicker Herr, klein, dick und rund. Kugelrund. Aber ein rühriger Geist steckt in ihm, ein offener Blick guckt aus ihm heraus und Humor hat er auch noch dazu. Rund heraus gesagt – um im Bilde bleiben zu können – dieser kleine, runde, kugelrunde Maler Schulz ist einer, der in die Welt passt, trotzdem er in dieser Welt mehr Platz braucht als jeder andere von uns.“

Der Maler Christian Schulz war ein beliebtes Neustadter Original.
Der Maler Christian Schulz war ein beliebtes Neustadter Original.
Foto: Repro: Dieter Seyfahrt

Der Neustadter Hans Schüler schreibt in seiner 1949 veröffentlichten Schriftenreihe „Alte Glockenberger Geschichten“: „Die größte Berühmtheit erlangte die Glockenberger-Vereinigung endlich, als der unsterbliche Humorist unserer Stadt, der Maler Christian Schulz, in ihrem Kreis auftauchte. Er ist schon von allen Seiten seines Wesens und doch immer unvollständig zu erfassen versucht worden, man hat ihn karikiert und von Kopf bis Fuß beschrieben. Den echten Neustadter ist er ein Begriff (…). Der kleine Mann mit seinem unbeschreiblichen Bauch, seinen viel zu kurzen Beinen, den abstehenden Ohren und den Schweinsäuglein war der verkörperte Humor selbst. Noch in hundert Jahren wird Neustadt von ihm zu erzählen wissen (…). Sein Witz ist eine Lebensphilosophie gewesen. Wer in traf, wurde gefoppt und belustigt.“

Dem Neustadter Heimatschriftsteller Emil Herold sind viele Geschichten über den Maler Schulz zu verdanken

Dass zahlreiche lustige Einfälle, Geschichten und Begebenheiten um den Maler Schulz festgehalten worden sind, die heute noch in verschiedenen Schriften nachgelesen werden können, ist dem Neustadter Heimatschriftsteller Emil Herold zu verdanken. In diesen erzählt Herold in seiner unnachahmlichen Weise die Geschichten wie zum Beispiel vom „Olboboch von Korboruoth“, in der sich der Maler Schulz an zwei Bekannten rächte, und von der „Birkiger Wundersau“, „die net zo teuo war, wenn sa Är lechn tät“ oder „Worüm a Ochs khee Bier trinkt“, „Weils a – Ochs is!“ Diese und andere Geschichten sind in dem von der früheren Buchdruckerei Patzschke herausgekommenen Büchlein „Vom Maler Schulz und anderen Leuten“ sowie in den mehrbändigen Heften „Lachende Heimat im Tornister“ enthalten.

Diese Hefte bereiteten während des Zweiten Weltkrieges vielen Neustadtern an der Front manch frohe Stunde, ebenso wie die Feldpostbriefe, in denen sich einige humorvolle Gedichte und Geschichten um den Maler Schulz wiederfanden.

 

Baumöl statt Wein, da hat er geschimpft

So sei zum Beispiel die lustige Begebenheit angeführt, als ihm in der Nachbarschaft bei seinem Freund Fritz, bei dem er am liebsten einkehrt, – versehentlich oder absichtlich sei dahin gestellt – aus einer Flasche Baumöl statt einer Flasche „gut’n alten Wei“ (Rebenblut) ein Glas eingeschenkt wird. Die Reaktion vom Maler Schulz darauf: „Pfui Teufel! Himmelsakrament! A Sort’n, wu khee Teufl khennt! Des Zeug, des schmeckt wie Lawotrraa. Dou gett es Schülzla nümmo naa!!“

Emil Herold schrieb nach dem Tod von Christian Schulz (9. Mai 1940), dass ihm, der in Neustadt für so viel Heiterkeit und Frohsinn sorgte, auch oftmals der Kummer geplagt habe. Er, Emil Herold, habe dann gesagt: „Lass sein, Freund Christian. … Du lebst immer noch unter uns, wenn du schon lange tot bist. Über deinen Humor werden sie noch nach fünfzig Jahren am Biertisch lachen. Da sitzt du dann als guter Geist unter uns.“ Und damit hat Emil Herold recht behalten. Noch heute, nach mehr als 60 Jahren nach seinem Tod, werden bei den verschiedensten Anlässen seine lustigen Geschichten vorgetragen.

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