Als Monika Helms etwas Buntes wegflattern sieht, rutscht ihr fast das Herz in die Hose. Eine Woche lang sucht sie Sittichdame „Cookie“ in der ganzen Umgebung, versucht, den Vogel mit dem Gezwitscher der Geschwister anzulocken. Dann die gute Nachricht: „Die Postfrau hat mich angerufen: ,Moni, da ist ein Sittich in Kipfendorf einer Frau beim Wäscheaufhängen auf den Kopf geflogen.‘“ Schnell ist klar: Das ist sie! Vor Freude laufen die Tränen.
An den Wänden hängt ein Gemälde neben dem anderen – alle genauso farbenfroh, wie die Modelle, nach denen sie angefertigt wurden und die Besuch bereits neugierig erwarten. Denn wenn man Monika Helms´ Wintergarten betritt, wird man erst einmal lautstark begrüßt. Verantwortlich für die lautstarke Begrüßung ist Amazonenpapagei „Soi“. Sie ist ziemlich temperamentvoll, aber auch sehr verschmust, wie sich zeigt, als Monika Helms ihren Finger in den Käfig streckt und „Soi“ ihr Köpfchen daran reibt.
Aus Zweien werden viele
Über 25 Vögel leben bei der 60-Jährigen in Rödental. Bereits seit ihrer Kindheit sind Tiere in ihrem Leben präsent – egal ob Hund, Vogel oder Katze. Ihre Leidenschaft für Vögel fing mit einigen Wellensittichen an. Mit der Zeit kamen immer mehr dazu. „Als wir 2006 hier gebaut haben, sind die Vögel mit umgezogen. Irgendwann kam dann ein Nymphensittich dazu, der sich mit einem der Wellis anfreundete. Sie waren sichtlich verliebt ineinander. Nun wurde mir klar, er braucht einen Artgenossen, am besten ein Weibchen. Die Zucht war vorprogrammiert.“
Heute leben in der Voliere, die an das Haus angebaut ist, zwei Kanarienvögel, zwei Wellensittiche, 16 Nymphensittiche und zwei Rosellasittiche. „Vögel müssen irgendetwas Magisches an sich haben. Sie faszinieren mich immer wieder aufs Neue“, sagt sie. Und so bleibt es nicht bei den Sittichen.
Der erste Papagei
Monika Helms ist bereits seit vielen Jahren Mitglied im Papageien- und Sittichschutzverein Coburg als „Coco“ zu ihr kommt. Zwei Vorbesitzer hatte der Amazonenpapagei – beide sind verstorben. Also sollte er nach Meilschnitz in die Auffangstation des Vereins. Doch dort war keine Voliere frei. Monika Helms bot ihren Wintergarten an.
„Seine Augen haben geleuchtet. Man konnte richtig sehen, dass er sich wohlfühlt“, sagt sie. Der Vogel gehört dem Verein, aber die 60-Jährige zahlt die monatliche Patenschaft und leben darf er bei ihr. Inzwischen ist „Coco“ mit 48 Jahren schon etwas älter. Amazonenpapageien können bis zu 60 Jahre alt werden, sagt Helms. „Bei ihm merkt man, dass er abends gerne seine Ruhe haben will.“
Papagei Nummer zwei ist „Tom“ – der Gesprächige. „Wir hatten für etwa drei Wochen einen Graupapagei als Urlaubsvogel zu Besuch. Er plauderte wie ein Buch. Ich fing Feuer und mein Herz schlug“, erzählt sie. So entstand der Wunsch, dass „Coco“ sich über einen sprechenden Partner sicherlich freuen würde.
Wie es der Zufall will, war Monate später ein Mitglied des Papageienvereins auf der Suche nach einem neuen Zuhause für seinen Vogel. Der Graupapagei sollte eigentlich in Meilschnitz untergebracht werden, doch dort fühlte er sich unter seinen Artgenossen nicht wohl. „Er war sehr menschenbezogen und konnte mit seinesgleichen nichts anfangen. Ihm fehlte die Ansprache. Dem Umstand verdanke ich es, dass er zu mir kam“, sagt Helms.
Graupapageien sind sehr intelligent. Forscher vergleichen die Intelligenz der Tiere mit dem IQ eines fünfjährigen Kindes. „Sobald morgens die Rollos hochgehen, begrüßt er mich mit ,Guten Morgen‘. Nehme ich das Telefon zur Hand, sagt er Hallo?‘ Wenn ich ihn rufe, antwortet er mit seinem Namen. Am Abend zur richtigen Uhrzeit verabschiedet er sich mit ,gute Nacht‘und es gibt noch so einige deutliche Wörter mehr dazwischen“, erzählt Monika Helms. Doch Sandalen sollte man besser nicht herumliegen lassen, wenn „Tom“ durch die Wohnung spaziert, sind sie nachher nicht mehr wiederzuerkennen.
Die Runde komplett macht „Soi“. Die heute 15-jährige Amazonendame hat Monika Helms ihrem Besitzer vor zwei Jahren abgekauft, weil er keine Zeit mehr für den Vogel hatte. „In sie war ich sofort verliebt. Sie ist megawitzig und verschmust – absolut einzigartig“, sagt sie und krault, „Soi“ zwischen den gelben und grünen Federn. Kuscheln steht auf der Tagesordnung, dafür nimmt sich Monika Helms auch immer Zeit.
Nur Erdnüsse aus der Mikrowelle
Alle drei Papageien sind tagsüber meist in ihren Käfigen im Wintergarten, doch abends dürfen sie ins Haus und dort frei fliegen und klettern. Mit den zwei kleinen Hunden der Familie vertragen sich die Vögel gut – da wird auch schon mal gemeinsam darauf gewartet, dass ein Leckerbissen abfällt.
„Wenn der Kühlschrank aufgeht, ist Soi schneller als die Hunde. Dann stehen alle drei da und erwarten ein Leckerli. Ein Bild für Götter “, sagt Monika Helms. Gefüttert werden sie vor allem mit Pellets, Körnerfutter, Gemüse und Obst. Auch die ein oder andere Erdnuss gibt es. Wenn mit Schale, dann wandern sie aber vorher in die Mikrowelle, sagt Helms. Denn in der dünne braunen inneren Hülle der Nuss können Pilze sein, die den Tieren schaden.
Eltern füttern ihr Jungtier
Keine Zucht mehr
Viele Jahre hat Monika Helms auch Sittiche gezüchtet, doch jetzt möchte sie das nicht mehr. „Ich habe vor einer Weile aufgehört, die Tiere ihre Eier ausbrüten zu lassen und sie rausgenommen. Beide Elternteile fütterten jedes Mal aus dem Gelege nur die stärksten Jungtiere. Bei den Schwächeren wurde mit Handaufzucht nach geholfen, was bedeutet, alle zwei Stunden zu füttern – auch nachts. Es war jedes Jahr aufs neue ein Erlebnis, aber es werden einfach zu viele in der Voliere“ , erklärt sie.
Fütterung eines Jungtieres
Und, dass die Tiere gut versorgt sind, steht für sie an erster Stelle. Gerade, weil besonders Papageien so alt werden, hat sie vorgesorgt. „Aber ich hoffe natürlich, dass ich noch viel Zeit mit meinen Tieren habe und gesund bleibe“, sagt die 60-Jährige und schmunzelt.
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