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Demo in Coburg
Soziologe erklärt: Darum sind viele für den Bauernprotest
Bauerndemo auf dem Anger in Coburg
Bauerndemo auf dem Anger in Coburg // Christoph Winter
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Coburg – Für die Bauern ist klar: Die Regierung muss alle Sparmaßnahmen kippen. Aber: Die Meinungen allgemein, zum Beispiel in sozialen Netzwerken, gehen auseinander.

Für die Landwirte auch im Landkreis Coburg ist die Lage klar: Wenn die Regierung die geplanten Einsparungen nicht zurücknimmt, seien die Landwirte nicht mehr konkurrenzfähig. Deshalb müssten sie protestieren. Aber: Haben alle Verständnis für die Trecker-Kolonnen?

Bauerndemo auf dem Anger in Coburg
Erneut protestierten Landwirte in Coburg. // Christoph Winter

Auf unserem Abstimmungs-Tool zumindest eine große Mehrheit auf Seite der Landwirte. Rund eine halbe Stunde nach Schluss der Demo auf dem Anger in Coburg sind rund 70 Prozent für die Proteste, nur rund 20 dagegen.(Hier können Sie selbst voten.)

Voting des Coburger Tageblatts zu den Bauertnprotesten
Voting des Coburger Tageblatts zu den Bauernprotesten // 

Auch andere Votings im Netz tendieren zu den Bauern: Mal sind es 63 Prozent Zustimmung (Hessen), mal sind es gar 95 Prozent (Sachsen). Insgesamt gibt es bundesweit mehr Zustimmung als Ablehnung für die Bauern, auch wenn die den Verkehr blockieren - so wie die Klimakleber, die weniger Verständnis erwarten können. 

Debatten in sozialen Medien

In sozialen Medien allerdings wird mitunter Kritik laut. Zum einen wegen der Verkehrsprobleme ganz konkret.

"Traktoren lassen niemand vorbei, Bildung von Rettungsgassen kaum möglich." 

"Gerade eine völlig verzweifelte, weinende Frau im Radio gehört, die feststeckt und die voller Angst ist, dass sie nicht auf die Beerdigung ihres verstorbenen Gatten kommt." 

Andere stellen den Sinn der Proteste und die Subventionen allgemein in Frage.

"Ich persönlich finde es nicht richtig, dass Unternehmen - und da gehören auch unsere landwirtschaftlichen Betriebe dazu - mit steuerlichen Mitteln subventioniert werden."

Auch der Vergleich mit den Klimaklebern wird regelmäßig gesucht.

"Die erste Gruppe weist drauf hin, dass wir alle in einigen Jahren dauerhaft teure, irreversible Umweltprobleme haben werden. Und alle so pfuiiii, buuuuh, sperrt die weg! Die zweite Gruppe weist drauf hin, dass sich ihr beachtlicher Gewinn in den nächsten paar Jahren schmälert. Und alle so "Jaaa, richtig so, macht alle mit!"

Mit entsprechenden Antworten...

"Es geht bei vielen kleinen Bauern nicht um Gewinne, sondern um Betriebsschließungen, also um Existenzgefährdung.
Bauern sind für unsere Nahrungsmittel zuständig, da geht es auch um Erpressbarkeit im Krisenfall und ein gepflegtes Landschaftsbild.
Geld ist beim Bund vorhanden, nur werden aktuell sämtliche Sozialtransfers für wichtiger erachtet."

Bauern gut, Klimakleber schlecht?

Insgesamt aber scheint eine Mehrheit Verständnis für die Bauern und ihre Demos aufzubringen. Aber warum können wir Verkehrsbehinderungen, die von Landwirten verursacht werden, besser akzeptieren als Aktionen von Klimaklebern?

Letzte Generation
Ein Aktivist der Gruppe «Letzte Generation» blockiert eine Kreuzung. // Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Der aus Coburg stammende Soziologe Stefan Liebig, Professor an der Freien Universität Berlin sagt: „Wir können uns wohl mit den Bauern einfacher identifizieren, weil wir sehen: Da ist eine Gruppe, der etwas weggenommen werden soll. Verlustangst ist für Menschen ein starkes Motiv. Wenn uns etwas weggenommen soll, reagieren wir massiv, Verluste wiegen für uns schwerer als Gewinne. Und dabei ist es auch ein Stück weit irrelevant, ob das gerechtfertigt ist oder nicht. Hinzu kommt die aktuelle politische Situation: Wie geht es mit dem Haushalt weiter, was für Folgen können auf andere Gruppen zukommen, welche Einsparungen drohen noch?“

Aber: Auch die Klimakleber haben doch gute Ziele - sie wollen alle darauf aufmerksam machen, dass wir die Welt zerstören, in der wir leben. Liebig: „Die Ziele der Klimakleber sind abstrakter als die Vorstellung, dass uns Geld weggenommen wird. Dabei ist auch zu beachten, dass es hier um Dinge geht, die die Landwirte seit Jahrzehnten gewohnt sind. Ihnen soll etwas weggenommen werden, was sie als selbstverständliches Privileg erachten. Das zu betrachten ist etwas anderes, als sich vorzustellen, wie die Welt in 30 oder 40 Jahren aussehen mag. Und: Für die ältere Generation kommt dann auch die Frage dazu, ob sie das alles überhaupt noch erleben würde.“

Allerdings - wenn auch die Bauern Wochen oder gar Monate protestieren würden, wäre das Verständnis endlich, sagt der Soziologe. "Wenn die Bauernproteste andauern, denke ich schon, dass die Zustimmung kippen könnte. Man sieht das an den Lokführern. Irgendwann kommt der Punkt, an dem empfunden wird, dass der Schaden durch die Proteste zu groß wird.“

 

 

 

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