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Macht & Medien
Nahost-Korrespondent: Glaubt nicht jedem Video auf TikTok!
ARD-Korrespondent Israel
Der Coburger Christian Limpert ist für die ARD als Korrespondent in Tel Aviv tätig. Am Montag sprach er mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Ebersdorf bei Coburg über seine Arbeit und den Nahostkonflikt. // Foto: Oliver Schmidt
Ebersdorf bei Coburg – Christian Limpert, der für die ARD aus Tel Aviv berichtet, sprach an der Mittelschule in Ebersdorf bei Coburg über den Nahostkonflikt. Er konnte auch wichtige Hinweise für den Alltag jedes Jugendlichen in Deutschland geben.

Der Nahostkonflikt ist kompliziert. Doch wenn sich jemand sehr gut mit ihm auskennt, dann Christian Limpert, der seit zwei Jahren als Leiter des ARD-Korrespondentenstudios in Tel Aviv arbeitet. Dem gebürtigen Coburger ist eine objektive Berichterstattung wichtig. Doch häufig wird er mit Vorwürfen konfrontiert, er würde falsch berichten oder bestimmte Dinge verschweigen.

Videos auf TikTok und Instagram

Diejenigen, die ihm das vorwerfen, verweisen oft auf irgendein Video, das sie in einem sozialen Medium wie TikTok oder Instagram gesehen haben. Das macht Christian Limpert fassungslos: „Jemand misstraut mir, der selbst ständig in Israel ist, mehr als irgendeinem Video.“

ARD-Korrespondent Israel
Der Coburger Christian Limpert ist für die ARD als Korrespondent in Tel Aviv tätig. Am Montag sprach er mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Ebersdorf bei Coburg über seine Arbeit und den Nahostkonflikt. Hier mit im Bild: Schulleiter Max Lachner (links). // Foto: Oliver Schmidt

So gesehen waren die zwei Unterrichtsstunden, die Christian Limpert am Montag an der Mittelschule in Ebersdorf bei Coburg zu Gast war, in zweifacher Hinsicht sehr hilfreich: Er versuchte den Neunt- und Zehntklässlern den Nahostkonflikt zu erklären – und er warnte davor, zu leichtgläubig gegenüber Videos und vermeintlichen Nachrichten zu sein, deren Quellen überhaupt nicht bekannt sind.  

90 Sekunden für die Tagesschau

Der Journalist sprach aber auch sehr offen über bestimmte Zwänge. So seien die Beiträge, die er für die „Tagesschau“ oder für die „Tagesthemen“ produziert, oft nur 90 Sekunden lang. 90 Sekunden, in denen zwar über das aktuelle Geschehen berichtet wird, in denen aber nicht noch einmal ausführlich der komplizierte Konflikt erklärt werden kann. Das macht die Arbeit des ARD-Korrespondenten und seinem Team sehr herausfordernd. Erst recht in einer Zeit, in der sich vor allem junge Menschen ihre Informationen bevorzugt aus dem Internet holen. Limpert weiß: „Da sind oft die ersten fünf Sekunden entscheidend, ob sich jemand ein Video weiter anschaut oder nicht.“

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Der Coburger Christian Limpert ist für die ARD als Korrespondent in Tel Aviv tätig. Am Montag sprach er mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Ebersdorf bei Coburg über seine Arbeit und den Nahostkonflikt. // Foto: Oliver Schmidt

Wichtig war Christian Limpert gleich zu Beginn seines Vortrags der Hinweis, dass er niemanden von etwas überzeugen oder gar zu etwas überreden wolle. Die Parallelen zwischen der Arbeitsweise der ARD im Nahen Osten und der wünschenswerten Nutzung sozialer Medien in Deutschland liegen auf der Hand: „Es ist wichtig, immer mehrere Seiten zu hören und sich dann erst eine Meinung zu bilden.“

Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023

Aber: Spätestens seit dem 7. Oktober 2023, als die Hamas einen Überfall auf Israel verübten, ist die Lage noch komplizierter geworden – und erst recht, seit Israel als Reaktion darauf einen Krieg gegen die Hamas im Gaza-Streifen führt.

Bei Raketenangriff in den Schutzraum

Christian Limpert berichtet von seinem Alltag in Tel Aviv. „Wenn die Sirene losgeht, die uns vor einem Raketenangriff warnt, haben wir genau 60 Sekunden Zeit, um in einen Schutzraum zu gehen.“ Noch sehr viel dramatischer sei die Lage in Orten, die näher zum Gaza-Streifen und zum Libanon liegen: „Dann haben die Menschen nur ein paar Sekunden Zeit…“

Gefährliche Splitter

Das Gefährliche bei einem Raketenangriff seien aber gar nicht die Raketen an sich. Die würden nämlich – im Idealfall – fast immer von einem Abwehrsystem abgefangen. Bei diesem „Abfangen“ werden die Raketen zerstört, woraufhin aber viele Splitter durch die Gegend fliegen. Sprich: Die Schutzräume, die in jedem Gebäude in Israel vorgeschrieben sind, sollen vor allem vor diesen Splittern schützen.

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Der Coburger Christian Limpert ist für die ARD als Korrespondent in Tel Aviv tätig. Am Montag sprach er mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Ebersdorf bei Coburg über seine Arbeit und den Nahostkonflikt. // Foto: Oliver Schmidt

Als Christian Limpert mit seinen Erzählungen fertig war, hatten die Schülerinnen und Schüler sowie auch einige Lehrer rund um Schulleiter Max Lachner noch jede Menge Fragen. Zum Beispiel: „Haben Sie nachts manchmal Alpträume?“ Der Korrespondent antwortete sehr ehrlich: „Ja, das nimmt einen schon mit, und manchmal träume ich auch davon.“ Aber der Bayerische Rundfunk als sein Arbeitgeber biete viel Unterstützung an. Außerdem helfe es, sich jeden Abend mit den Kolleginnen und Kollegen im Team auszutauschen und über das Erlebte und Gesehene zu sprechen.

„Kein Kriegsreporter!“

Ein Schüler wollte wissen: „Haben Sie eine Waffe dabei?“ Antwort: Nein. Außerdem stellte Christian Limpert klar: „Ich bin kein Kriegsreporter!“ Was allerdings fast schon zu seiner Standardausrüstung gehöre, sei eine Schutzweste, die ihn vor einem Maschinengewehr-Beschuss beschützen kann. „Manchmal trage ich auch einen Helm.“

Bayerischer Rundfunk unterstützt Schulprojekte

Dass diese zwei spannenden Unterrichtsstunden an der Mittelschule in Ebersdorf bei Coburg möglich waren, kamen zum einen durch einen persönlichen Kontakt zwischen Christian Limpert und dem Lehrer Simon Schiller zustande. Doch grundsätzlich hat der Bayerische Rundfunk eine eigene Abteilung „Medienkompetenz“, die solche und ähnliche Veranstaltungen organisiert. Kontakt: br.de/medienkompetenzprojekte/index.html 

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