Es ist gemütlich im „Grünen Salon“ des Sonneberger Rathauses. Man sitzt nah beieinander am Besprechungstisch im zweiten Obergeschoss. Es geht um die Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt Neustadt. „Der Ort des Treffens ist Zufall, das Datum nicht“, sagt Bürgermeister Heiko Voigt (parteilos) zur Begrüßung. Es ist der Jahrestag des Falls einer Grenze, die irgendwie immer noch spürbar ist, zu spürbar. Doch es wird gearbeitet – daran das Trennende zu überwinden und das Gemeinsame zu stärken, mit ILREK, dem Interkommunalen, Ländlichen, Regionalen Entwicklungskonzept. Zusammen mit Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) stellt Heiko Voigt Fortschritte vor.
Dass in den Grünen Salon eingeladen wurde, hat schon etwas mit Zusammenarbeit zu tun. Das Rathaus ist Veranstaltungsort von Konzerten der Sonneberger Jazztage – und die finden seit Jahren auch in Neustadt mit gut besuchten Auftritten ihr Publikum. Doch es gibt mehr.
Es geht voran
Es hat sich schon etwas bewegt, seit die Stadträte aus Sonneberg und Neustadt in ihrer ersten gemeinsamen Sitzung im Dezember 2019 beschlossen, das ILREK auf den Weg zu bringen, ein Entwicklungskonzept über Landesgrenzen hinweg. Damals wurde die CIMA Beratungs- und Management GmbH aus Forchheim beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten. Ein Jahr später konnten die Gremien der beiden Städte darüber entscheiden, welche der erarbeiteten 83 Projekte des Konzepts sie zu Schlüsselprojekten wählen wollten. Es wurden neun ausgesucht, und CIMA beauftragt, diese besonders ins Auge zu fassen. Es stellte sich schnell heraus: „Das Vorankommen ist ein mühseliges Geschäft“, sagt Frank Rebhan. „Wir sind noch lange nicht da wo wir sein wollen.“
Wichtige Ziele noch nicht erreicht
Noch immer ist die Zusammenarbeit beispielsweise für Polizei und Rettungskräfte schwierig, können Helfer nicht flexibel über die Grenze hinweg im anderen Bundesland eingesetzt werden, passen Funkfrequenzen nicht, ist die Rechtslage unklar, wenn der Einsatz doch erfolgt. Noch immer können Auszubildende nicht einfach auf eine Berufsschule im anderen Bundesland gehen, wenn diese viel näher wäre, als die zuständige im eigenen Freistaat.
„Wir haben beschlossen, zuerst die Dinge anzugehen, die wir selbst im Griff haben“, erklärt Frank Rebhan. Eines davon ist die gemeinsame Förderung des Themas Wasserstoff. Hier zu forschen und die Öffentlichkeit über Möglichkeiten aufzuklären, wird gefördert – aber nur ein den neuen Bundesländern. „Wir bauen einen Wasserstoff-Infopoint auf“, sagt Heiko Voigt. Dabei funktioniere die Zusammenarbeit bereits sehr gut. „Die wissenschaftlichen Inhalte liefert die Staatliche Berufsbildende Schule Sonneberg (SBBS) in Sonneberg und die multimediale Gestaltung übernimmt nec-TV, das am Arnold Gymnasium in Neustadt angesiedelt ist“, sagt Heiko Voigt.
Gemeinsam und interaktiv
Beide Homepages der Städte führen über einen Link zu einer gemeinsamen interaktiven Karte der beiden Stadtgebiete. „Das ist nicht statisch. Es tut sich ständig etwas auf den Seiten“, sagt Julia Zenglein, die das Projekt auf Neustadter Seite betreut. Für die Bürger beider Städte bietet sich auf diesen Seiten die Möglichkeit, sich über eine Vielfalt von Angeboten zu informieren. „Das kann auch einfach die Apotheke sein, die am Wochenende Dienst hat und in der Nachbarstadt näher ist, als wenn man etwa als Neustadter nach Coburg fahren müsste“, sagt Julia Zenglein.
Marktanalyse wörtlich genommen
Inzwischen beschäftigt sich CIMA mit dem Marktgeschehen in den beiden Städten. „Wir haben mit Anbietern auf den Wochenmärkten gesprochen, aber auch Kunden gefragt, was sie sich an Angeboten noch wünschen“, sagt Katharina Gogolin von CIMA.
Schon länger führen Buslinien über die Landesgrenze zu den Nachbarn und es gibt Zusammenarbeit bei der Telekommunikation und in anderen Bereichen. „Wir haben erreicht, dass Sonneberg angebunden bleibt, wenn der Landkreis Coburg in den Verkehrsverbund Nürnberg eingebunden wird“, sagt Frank Rebhan. Zur Metropolregion Nürnberg gehört Sonneberg schon länger. „Es ist eben unsere wichtigste Bewegungsrichtung“, sagt Heiko Voigt zur Bahnanbindung in Richtung Oberfranken. Auch wenn noch viel zu tun ist und das Vorankommen nicht so rasch vonstatten geht, wie sich das beide Stadtoberhäupter wünschen, ist Heiko Voigt schon jetzt überzeugt: „Die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Städten über die Grenze hinweg ist schon viel enger als zwischen vielen Nachbarstädten, die im selben Bundesland nebeneinander liegen.“ Immerhin wurde inzwischen erreicht, dass die beiden Freistaaten Bayern und Thüringen ihre Förderung für das Projekt vereinheitlicht haben. Das lässt Voigt und Rebhan hoffen, dass weitere Ziele ebenfalls noch erreicht werden können, die das ILREK gesetzt hat.









