Update vom 13. Juni, 15.15 Uhr:
Wanderbursche in Rödental: Der Kopf ist wieder da!
Der Kopf des Wanderburschen ist wieder da! 48 Stunden lang hatten sich viele Menschen in Rödental um ihr inoffizielles Wahrzeichen gesorgt. Doch nun aht sich alles aufgeklärt.
Lesen Sie hier alle Hintergründe zu der Geschichte:
Hier der ursprüngliche Text vom 12. Juni:
Aufregung in Rödental: Wo ist der Kopf vom Wanderburschen?
Die Coburger habe ihre Veste und die Bratwurst – die Rödentaler haben Schloss Rosenau und ihren „Wanderburschen“. Die überdimensionale Hummelfigur, die seit vielen Jahrzehnten am Ortseingang in der Coburger Straße steht, darf ohne Übertreibung als so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen von Rödental bezeichnet werden.
Wo ist der Kopf des Wanderburschen?
Umso größer jetzt der Schock: Der Wanderbursche hat plötzlich keinen Kopf mehr! Was ist da los?
Zunächst einmal muss erklärt werden: Es gibt noch einen weiteren Wanderburschen, der – deutlich später – im Kreisverkehr bei Oberwohlsbach aufgestellt worden ist. Dieser Wanderbursche wurde schon mehrmals Opfer von Vandalismus. Vielleicht auch deshalb, weil Randalierer dort relativ ungestört ihr Unwesen treiben können.
Aber der Wanderbursche am Ortseingang hatte bislang immer ein sehr friedliches Leben führen können. Klar, an der wichtigsten Zufahrt nach Rödental ist immer viel los. Wer dort im größeren Stil randalieren oder gar den Kopf einer überdimensionalen Hummelfigur abschlagen und mitgehen lassen würde, könnte leicht beobachtet werden.
Eine Nachfrage bei der Hummel Manufaktur GmbH klärt allerdings alles auf:
Ja, der Kopf des Wanderburschen sei locker gewesen. Deshalb sei er aus Sicherheitsgründen entfernt worden.
Der Kopf soll aber schon bald wieder montiert werden – und dann ganz fest.
Das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Coburg soll also schon bald wieder in voller Größe am Ortseingang von Rödental stehen.
Bürgermeister zeigt sich erleichtert
Allen voran der Rödentaler Bürgermeister Marco Steiner (FW) zeigt sich sehr erleichtert über diese Aufklärung. „Ich hatte wirklich schon Angst, dass der ganze Kopf gestohlen wurde.“ Denn auch er hatte am Mittwoch mitbekommen, dass in den sozialen Medien ein Foto vom kopflosen Wanderburschen gepostet worden ist – verbunden mit der besorgten Frage: Was ist da los?
Als Wahrzeichen der Stadt würde Marco Steiner die große Hummelfigur zwar nicht bezeichnen. Dann schon eher als „Wahrzeichen für die Historie des Goebel-Geländes“. Außerdem sei der Wanderbursche natürlich „der erste Blickfang“ für alle, die von der Autobahn oder von Dörfles-Esbach aus nach Rödental kommen.
Die Geschichte der Hummelfiguren
Dass Rödental als „Stadt der Hummelfiguren“ gilt, hat sie dem Porzellanfabrikanten Franz Goebel zu verdanken. Dieser hatte sich 1934 die Lizenz gesichert, kleine Figuren anzufertigen, bei denen als Vorlage die Zeichnungen einer gewissen Berta Maria Innocentia Hummel dienten.
Vor allem in den USA erfreuten sich die nach ihrer Schöpferin benannten „Hummelfiguren“ einer sehr großen Beliebtheit.
Goebel jetzt in Bad Staffelstein
Die Firma Goebel allerdings geriet gegen Ende des 20. Jahrhunderts immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Es folgten diverse Insolvenzen und Neuanfänge. Heute gibt es zwar noch eine Firma Goebel Porzellan, die aber ihren Sitz nach Bad Staffelstein verlegt hat und nichts mehr mit Hummelfiguren zu tun hat.
Die Geschichte und Tradition der Hummelfiguren wird stattdessen von der in Rödental noch ansässigen Hummel Manufaktur GmbH fortgeführt.
Zeichnerin ging ins Kloster
Auf der Internetseite der Hummel Manufaktur GmbH ist auch ausführlich die Geschichte von Berta Maria Innocentia Hummel nachzulesen. So heißt es dort unter anderem:
„Sie wurde 1909 in Bayern geboren, und schon im Kindesalter zeigte sich ihr ausgeprägtes schöpferisches Talent. Im Jahre 1927, mit 18 Jahren, schrieb sie sich als Studentin an der Akademie für Angewandte Kunst in München ein. Hier begegneten ihr zwei Franziskanerinnen aus dem Kloster Sießen in Württemberg. Ihre Freundschaft mit den beiden Ordensschwestern und der Gedanke, Kunst und Religion in ihrem künftigen Schaffen zu verbinden, führten Berta Hummel zu dem Entschluss, ihr Leben fortan im Kloster zu verbringen und sie trat im April 1931 ins Kloster ein.
Im August 1933 wurde sie eingekleidet und erhielt den Namen Schwester Maria Innocentia. Am 30. August 1934 legte sie ihr Ordensgelübde ab. Zu ihren vielfältigen Aufgaben gehörte auch der Zeichenunterricht an einer vom Kloster geführten Schule. Aus ihrer großen Liebe zu Kindern erwuchsen jene Zeichnungen von spielenden Kindern.“
Schwester Maria Innocentia starb an Tuberkulose
Und weiter heißt es: „Eine erste Ausstellung ihrer Werke erregte Aufsehen und so lernte Franz Goebel ihre Zeichnungen kennen. Er prüfte die Möglichkeiten, diesen Zeichnungen in Form von Figuren neues Leben zu verleihen. Als Goebel 1935 die ersten Figuren vorstellte, begann die aufregende Geschichte eines großen internationalen Erfolges.
Im November 1946 fiel Maria Innocentia Hummel, erst 37-jährig, einer Tuberkulose zum Opfer. Ihr begnadetes Künstlertum lebt jedoch in wunderbarer Weise in den Hummelfiguren fort und sie sind somit zu Sinnbildern unbeschwerter Kindertage geworden – Millionen Menschen zur Freude.“
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