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Naturschutz contra Landwirte
Biber im Coburger Land: Was tun bei Schäden?
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Der Biber ist im Coburger Land weit verbreitet. Es gibt 40 Reviere und etwa 200 Tiere. Vier Biberberater kümmern sich darum, dass Mensch und Tier miteinander auskommen. // Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Der Umgang mit dem Biber sorgt schon lange für Streit - nun wird sich erneut die Justiz mit der Frage befassen müssen, ob die streng geschützten Tiere entlang von Straßen abgeschossen werden dürfen. (Archivbild) // Patrick Pleul/dpa
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Ein Biber sitzt im Wasser. Die Polizei ist bei Ermittlungen zu einer Sachbeschädigung auf einen Biber als Tatverdächtigen gestoßen. // Felix Heyder/dpa
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Rödental – Wie der Biber das Coburger Land verändert – unterwegs mit dem Biberbeauftragten Rainer Lutz, der mit schlauen Bibern ringt und mit den Bauern den Dialog sucht.

Am Ufer der Itz, nahe Rödental, glänzt das Wasser ruhig in der Morgensonne. Doch unter der Oberfläche brodelt es – nicht im wörtlichen, sondern im gesellschaftlichen Sinne. Denn der Biber ist zurück. Und mit ihm eine Debatte, die das Coburger Land spaltet. Da sind die Naturfreunde auf der einen Seite und die Landwirte auf der anderen. Die einen, die sich am Biber und an seinen außerordentlichen Baufähigkeiten erfreuen, und die anderen, die Schaden davon tragen.

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Rainer Lutz dokumentiert mit seiner Kamera die Dämme der Biber. // Foto: Christiane Lehmann

Vier ehrenamtliche Biberberater gibt es im Landkreis Coburg, die für die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt im Einsatz sind. Einer davon ist Rainer Lutz, dessen Revier sich von Bad Rodach, Meeder bis Lautertal erstreckt. Mehrmals im Monat fährt er brisante Stellen an, wo der Biber sich ausbreitet – und nicht immer auf Freunde in der Nachbarschaft stößt. Der Biberberater vermittelt und macht sich für den Biber stark, versucht jedoch auch Lösungen zu finden, damit Mensch und Tier miteinander leben können.

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Da waren die Biber fleißig: ein enormer Damm bei Heldritt. // Foto: Rainer Lutz

Ein Beispiel dafür findet sich in Öttinghausen. Der Biber hat dort den Bach derart aufgestaut, dass das Wasser über die Ufer tritt und die Wiesen überschwemmt. „Gut, dass die Besitzerin der Wiese eine Biberfreundin ist“, sagt Rainer Lutz. So konnte er seine Idee zum Erhalt des Bibers umsetzen. In Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Stadt Bad Rodach, ließ Rainer Lutz ein Drainagerohr auf maximaler Bachhöhe in den Damm einbauen. So kann der Wasserstand gesenkt werden, die Wiese wird nicht mehr überflutet und der Biber darf bleiben. Einfach und günstig.

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Das Drainagerohr muss Rainer Lutz regelmäßig vom Lehm befreien. // Foto: Christiane Lehmann

Doch die Rechnung hatte Rainer Lutz ohne den Biber gemacht. Denn der verstopft immer wieder den Eingang vom Rohr mit Lehm und Ästen, sodass das Wasser nicht durchkommt. „Wir ringen miteinander“, sagt Rainer Lutz lachend, während er in die Fischerhose schlüpft. Mit Spaten und Hacke ausgestattet, watet er zum Ufer, um das Rohr – mal wieder – freizuschaufeln. Eine mühevolle Arbeit ist das, auch wenn der Wasserstand gerade wegen der Trockenheit niedrig ist. „Die kleinen Löcher im Drainagerohr hat er übrigens auch zugeschmiert, sodass kein Wasser eindringen kann“, erzählt der Biberberater und nennt „seinen Freund“ ein schlaues Kerlchen.

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Die Biber verstopfen gerne und ganz bewusst die Öffnung des Drainagerohres, damit das Wasser nicht abfließen kann. Rainer Lutz muss alle paar Wochen Hand anlegen. // Foto: Christiane Lehmann

Die Rückkehr des Landschaftsarchitekten

„Der Biber ist ein Schlüsselakteur für die ökologische Vielfalt unserer Region“, erklärt der Biberbeauftragter. „Durch seine Bautätigkeit entstehen wertvolle Feuchtlebensräume, die vielen bedrohten Arten, Insekten und Vögeln zugutekommen.“ Auch sorgen Biber dafür, dass Hochwasser zurückgehalten wird. Zur Renaturierung von Flüssen werden Biber in Griechenland ganz bewusst eingesetzt. Bayern hat dafür 100 Tiere exportiert.

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Rund 22.000 Biber leben laut Umweltministerium in Bayern. (Archivbild) // Felix Heyder/dpa

Tatsächlich hat sich die Population in den letzten Jahren in Bayern stabilisiert. Über 40 Reviere mit mehr als 200 Bibern sind im Coburger Land bekannt. Die Tiere bauen Dämme, stauen Bäche und gestalten so aktiv ihre Umwelt – mit teils beeindruckenden Resultaten.

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Durch seine Bautätigkeit entstehen wertvolle Feuchtlebensräume, die vielen bedrohten Arten, Insekten und Vögeln zugutekommen.

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Rainer Lutz Biberbeauftragter

Hin und wieder sieht man entlang der Bäche, in denen Biber bauen, dass Bäume absterben. „Was für die einen ein großes Ärgernis ist, ist für andere ein Segen“, sagt der 63-Jährige. Denn in dem abgestorbenen Holz nisten Insekten, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. So zeigt sich beispielsweise der Eisvogel viel häufiger als noch vor Jahren. 

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Totes Holz ist für Biber ein guter Baustoff, aber vor allem für Insekten, Pilze und Vögel ein guter Lebensraum. // Foto: Christiane Lehmann

 Wenn der Damm zur Belastung wird

Doch der Unmut wächst. Landwirte berichten von überfluteten Wiesen, beschädigten Drainagen und Ernteausfällen. Rainer Lutz kennt die Sorgen: „Wir nehmen die Anliegen der Landwirte sehr ernst. Unser Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden – bevor wirtschaftliche Schäden entstehen.“

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In dieses Loch ist Werner Halboth mit seinem Trecker eingebrochen. Die Biber haben angefangen, eine Burg zu bauen. Der Biberbeauftragte Rainer Lutz rät dazu, das Loch mit Steinen zu verschließen. // Foto: Christiane Lehmann

Werner Halboth hat sich bei ihm gemeldet. Der Landwirt aus Kösfeld ärgert sich schon lange über den Biber, der an der Sulz anfängt Dämme zu bauen und immer wieder die als Weihnachtsbäumchen gepflanzten Nadelbäume beschädigt. Neulich ist er mit seinem Trecker auf der Wiese eingebrochen, weil ein Biber vom Bach her eine Fluchtröhre angelegt hatte. Solche Röhren dienen ihm als Versteck, wenn er sich bedroht fühlt. Bemerkt werden sie erst, wenn ein Fahrzeug einbricht. Dabei können schwere Schäden entstehen.

Rainer Lutz rät dem Landwirt, das Loch mit großen Steinen und Erde aufzufüllen. In den Büschen am Ufer zeigen sich die Anfänge einer Biberburg. Sie ist, wie alle Dämme, streng geschützt. Nur mit Genehmigung dürfen einzelne Dämme entfernt oder verändert werden. Doch: „Ist erstmal eine Burg da, muss sichergestellt bleiben, dass der Eingang unter Wasser bleibt. Der nötige Damm ist dann heilig“, erklärt der Experte.

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Der Biber ist ein Schlüsselakteur für die ökologische Vielfalt unserer Region.

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Rainer Lutz Biberbeauftragter

Halboth hat aber noch ein zweites Anliegen. Am Überlauf des Baches, der im Notfall Löschwasser bereithält, nagt der Biber am Holz und baut einen Damm. „Das könnte ein Problem werden“, mutmaßt auch Lutz und nimmt den Fall zur Prüfung auf. Aber: „Dass dort der Biber entnommen werden kann, sehe ich so noch nicht. Wir werden da schon noch ein paar andere Lösungen versuchen. Es muss klar sein, dass die Entnahme  - einer der größten Streitpunkte überhaupt - die absolut letzte Lösung ist, wenn es Probleme mit dem Biber gibt.“ Der Landwirt fragt sich, weshalb es beim Biber nicht wie bei anderem Wild Abschussquoten gibt.

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Werner Halboth zeigt Rainer Lutz das Wehr, an dem die Biber bereits angefangen haben, einen Damm zu bauen. // Foto: Christiane Lehmann

Unter höchstem EU-Schutz

Laut EU-Recht genießt der Biber höchsten Schutz. Er darf nicht gejagt oder gefangen werden. Beim Bau ihrer Dämme und Burgen dürfen sie nicht gestört werden. Auch darf man sie nicht töten, verkaufen oder kaufen – auch nicht ausgestopft oder in Teilen.

Dafür gibt es bei uns die Untere Naturschutzbehörde und die Biberberater.  Die erlauben, dass Biber erlegt werden dürfen, wenn sie großen Schaden anrichten. Einen Fall gab es in der Nähe der Kläranlage. Da hatte ein Biber das Klärbecken angestaut. „Sowas geht natürlich nicht“, sagt Lutz. Wenn Biber beispielsweise den Abfluss einer Kläranlage überstauen oder Anlagen gefährden, die dem Hochwasserschutz dienen, kann auch die Entnahme der Tiere genehmigt werden.

Doch Lutz bleibt zuversichtlich: „Der Biber besiedelt nur einen kleinen Teil der Landschaft. Wenn wir ihn als Teil unseres Naturraums akzeptieren, profitieren am Ende alle – auch wir Menschen.“

 Zwischen Schutz und Schadensbegrenzung

Das Bibermanagement im Coburger Land setzt auf Prävention und Dialog. Die ehrenamtlichen Berater wie Rainer Lutz arbeiten eng mit den Naturschutzbehörden zusammen. Sie dokumentieren Schäden, beraten vor Ort und entwickeln Maßnahmen – von Elektrozäunen bis hin zu Wasserstands-Reglern.

„In vielen Fällen lassen sich Konflikte entschärfen, wenn man frühzeitig handelt“, sagt Lutz. „Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation.“

Wer Probleme mit dem Biber hat, kann sich an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt wenden – oder eben an einen Biberberater. Welcher der vier zuständig ist, kann man auf der Homepage des Landratsamtes nachlesen.

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