Am Ufer der Itz, nahe Rödental, glänzt das Wasser ruhig in der Morgensonne. Doch unter der Oberfläche brodelt es – nicht im wörtlichen, sondern im gesellschaftlichen Sinne. Denn der Biber ist zurück. Und mit ihm eine Debatte, die das Coburger Land spaltet. Da sind die Naturfreunde auf der einen Seite und die Landwirte auf der anderen. Die einen, die sich am Biber und an seinen außerordentlichen Baufähigkeiten erfreuen, und die anderen, die Schaden davon tragen.
- So schlau kann der Biber sein
- So nützlich kann der Biber sein
- So viel Ärger macht der Biber
- So geschützt ist der Biber
- So funktioniert Bibermanagement
Vier ehrenamtliche Biberberater gibt es im Landkreis Coburg, die für die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt im Einsatz sind. Einer davon ist Rainer Lutz, dessen Revier sich von Bad Rodach, Meeder bis Lautertal erstreckt. Mehrmals im Monat fährt er brisante Stellen an, wo der Biber sich ausbreitet – und nicht immer auf Freunde in der Nachbarschaft stößt. Der Biberberater vermittelt und macht sich für den Biber stark, versucht jedoch auch Lösungen zu finden, damit Mensch und Tier miteinander leben können.
Ein Beispiel dafür findet sich in Öttinghausen. Der Biber hat dort den Bach derart aufgestaut, dass das Wasser über die Ufer tritt und die Wiesen überschwemmt. „Gut, dass die Besitzerin der Wiese eine Biberfreundin ist“, sagt Rainer Lutz. So konnte er seine Idee zum Erhalt des Bibers umsetzen. In Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Stadt Bad Rodach, ließ Rainer Lutz ein Drainagerohr auf maximaler Bachhöhe in den Damm einbauen. So kann der Wasserstand gesenkt werden, die Wiese wird nicht mehr überflutet und der Biber darf bleiben. Einfach und günstig.
Doch die Rechnung hatte Rainer Lutz ohne den Biber gemacht. Denn der verstopft immer wieder den Eingang vom Rohr mit Lehm und Ästen, sodass das Wasser nicht durchkommt. „Wir ringen miteinander“, sagt Rainer Lutz lachend, während er in die Fischerhose schlüpft. Mit Spaten und Hacke ausgestattet, watet er zum Ufer, um das Rohr – mal wieder – freizuschaufeln. Eine mühevolle Arbeit ist das, auch wenn der Wasserstand gerade wegen der Trockenheit niedrig ist. „Die kleinen Löcher im Drainagerohr hat er übrigens auch zugeschmiert, sodass kein Wasser eindringen kann“, erzählt der Biberberater und nennt „seinen Freund“ ein schlaues Kerlchen.
Die Rückkehr des Landschaftsarchitekten
„Der Biber ist ein Schlüsselakteur für die ökologische Vielfalt unserer Region“, erklärt der Biberbeauftragter. „Durch seine Bautätigkeit entstehen wertvolle Feuchtlebensräume, die vielen bedrohten Arten, Insekten und Vögeln zugutekommen.“ Auch sorgen Biber dafür, dass Hochwasser zurückgehalten wird. Zur Renaturierung von Flüssen werden Biber in Griechenland ganz bewusst eingesetzt. Bayern hat dafür 100 Tiere exportiert.
Tatsächlich hat sich die Population in den letzten Jahren in Bayern stabilisiert. Über 40 Reviere mit mehr als 200 Bibern sind im Coburger Land bekannt. Die Tiere bauen Dämme, stauen Bäche und gestalten so aktiv ihre Umwelt – mit teils beeindruckenden Resultaten.
“Durch seine Bautätigkeit entstehen wertvolle Feuchtlebensräume, die vielen bedrohten Arten, Insekten und Vögeln zugutekommen.
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Hin und wieder sieht man entlang der Bäche, in denen Biber bauen, dass Bäume absterben. „Was für die einen ein großes Ärgernis ist, ist für andere ein Segen“, sagt der 63-Jährige. Denn in dem abgestorbenen Holz nisten Insekten, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. So zeigt sich beispielsweise der Eisvogel viel häufiger als noch vor Jahren.
Wenn der Damm zur Belastung wird
Doch der Unmut wächst. Landwirte berichten von überfluteten Wiesen, beschädigten Drainagen und Ernteausfällen. Rainer Lutz kennt die Sorgen: „Wir nehmen die Anliegen der Landwirte sehr ernst. Unser Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden – bevor wirtschaftliche Schäden entstehen.“
Werner Halboth hat sich bei ihm gemeldet. Der Landwirt aus Kösfeld ärgert sich schon lange über den Biber, der an der Sulz anfängt Dämme zu bauen und immer wieder die als Weihnachtsbäumchen gepflanzten Nadelbäume beschädigt. Neulich ist er mit seinem Trecker auf der Wiese eingebrochen, weil ein Biber vom Bach her eine Fluchtröhre angelegt hatte. Solche Röhren dienen ihm als Versteck, wenn er sich bedroht fühlt. Bemerkt werden sie erst, wenn ein Fahrzeug einbricht. Dabei können schwere Schäden entstehen.
Rainer Lutz rät dem Landwirt, das Loch mit großen Steinen und Erde aufzufüllen. In den Büschen am Ufer zeigen sich die Anfänge einer Biberburg. Sie ist, wie alle Dämme, streng geschützt. Nur mit Genehmigung dürfen einzelne Dämme entfernt oder verändert werden. Doch: „Ist erstmal eine Burg da, muss sichergestellt bleiben, dass der Eingang unter Wasser bleibt. Der nötige Damm ist dann heilig“, erklärt der Experte.
“Der Biber ist ein Schlüsselakteur für die ökologische Vielfalt unserer Region.
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Halboth hat aber noch ein zweites Anliegen. Am Überlauf des Baches, der im Notfall Löschwasser bereithält, nagt der Biber am Holz und baut einen Damm. „Das könnte ein Problem werden“, mutmaßt auch Lutz und nimmt den Fall zur Prüfung auf. Aber: „Dass dort der Biber entnommen werden kann, sehe ich so noch nicht. Wir werden da schon noch ein paar andere Lösungen versuchen. Es muss klar sein, dass die Entnahme - einer der größten Streitpunkte überhaupt - die absolut letzte Lösung ist, wenn es Probleme mit dem Biber gibt.“ Der Landwirt fragt sich, weshalb es beim Biber nicht wie bei anderem Wild Abschussquoten gibt.
Unter höchstem EU-Schutz
Laut EU-Recht genießt der Biber höchsten Schutz. Er darf nicht gejagt oder gefangen werden. Beim Bau ihrer Dämme und Burgen dürfen sie nicht gestört werden. Auch darf man sie nicht töten, verkaufen oder kaufen – auch nicht ausgestopft oder in Teilen.
Dafür gibt es bei uns die Untere Naturschutzbehörde und die Biberberater. Die erlauben, dass Biber erlegt werden dürfen, wenn sie großen Schaden anrichten. Einen Fall gab es in der Nähe der Kläranlage. Da hatte ein Biber das Klärbecken angestaut. „Sowas geht natürlich nicht“, sagt Lutz. Wenn Biber beispielsweise den Abfluss einer Kläranlage überstauen oder Anlagen gefährden, die dem Hochwasserschutz dienen, kann auch die Entnahme der Tiere genehmigt werden.
Doch Lutz bleibt zuversichtlich: „Der Biber besiedelt nur einen kleinen Teil der Landschaft. Wenn wir ihn als Teil unseres Naturraums akzeptieren, profitieren am Ende alle – auch wir Menschen.“
Zwischen Schutz und Schadensbegrenzung
Das Bibermanagement im Coburger Land setzt auf Prävention und Dialog. Die ehrenamtlichen Berater wie Rainer Lutz arbeiten eng mit den Naturschutzbehörden zusammen. Sie dokumentieren Schäden, beraten vor Ort und entwickeln Maßnahmen – von Elektrozäunen bis hin zu Wasserstands-Reglern.
„In vielen Fällen lassen sich Konflikte entschärfen, wenn man frühzeitig handelt“, sagt Lutz. „Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation.“
Wer Probleme mit dem Biber hat, kann sich an die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt wenden – oder eben an einen Biberberater. Welcher der vier zuständig ist, kann man auf der Homepage des Landratsamtes nachlesen.






















