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Staatsehrenpreis für Qualität
Vom Obstpflücker zum Brandexperten
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Herbert Schulz in der Brennerei beim Einfüllen der Maische. // Foto: Christiane Lehmann
Neuses an den Eichen – Ein Familienbetrieb aus Neuses an den Eichen verwandelt Obst in preisgekrönte Brände. Die Edelobstbrennerei Schulz setzt auf Naturbewusstsein und Zeit als Qualitätsmerkmale.

Sie stehen gemeinsam in der Brennerei, schauen in ihre Fässer, riechen, probieren – und warten. Vieles von dem, was hier entsteht, braucht Jahre. Geduld gehört für die Familie Schulz so selbstverständlich zum Handwerk wie das Feuer unter der Brennblase oder das Holz der Fässer.

Staatsehrenpreis für die Qualität

Es ist diese Haltung, die auch heuer wieder offiziell gewürdigt wurde: Die Edelobstbrennerei Schulz aus Neuses an den Eichen ist mit dem Staatsehrenpreis des Freistaates Bayern ausgezeichnet worden. Überreicht in Lindau am Bodensee von Staatsminister Eric Beißwenger, steht die Auszeichnung für das, was in dem Familienbetrieb seit Jahren im Stillen wächst – Qualität, die Zeit braucht. Urkunde an Urkunde ziert die Wände im kleinen Hofladen, aber noch viel beeindruckender rund um den ganzen Raum der Brennerei.

Brennerei seit 30 Jahren

Dass diese Qualität kein Zufallsprodukt ist, zeigt ein Blick zurück: Seit rund 30 Jahren gibt es die Brennerei in ihrer heutigen Form. Betrieben wird sie von Herbert Schulz (76) und Angela Schulz (73) gemeinsam mit ihrem Sohn Holger (55), der vor ein paar Jahren die Ausbildung zum Brenner absolviert hat.

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Angela und Herbert Schulz haben vor 30 Jahren kurzentschlossen eine eigene Brennerei gegründet. // Foto: Christiane Lehmann

Dabei waren die Anfänge ganz andere. Ursprünglich war der Betrieb ein klassischer landwirtschaftlicher Hof. Doch auf den Flächen wuchsen viele Obstbäume, deren Ertrag vollständig genutzt werden sollte. Der Entschluss fiel, dieses Potenzial besser auszuschöpfen – mit einer eigenen Brennerei. „Bei uns wurde schon immer alles verwertet. Obst wird aufgelesen und verarbeitet“, sagt Herbert Schulz bestimmt.

Der Einstieg verlief Schritt für Schritt: Zunächst durfte die Familie mit einer kleinen angekauften Brennerei drei Jahre lang als sogenannte Stoffbesitzer arbeiten – also eigenes Obst zu Maische verarbeiten und lediglich 50 Liter reinen Alkohol brennen. Erst danach erhielten sie das Brennrecht von der Stadt Bamberg und durften jährlich 300 Liter hochprozentigen Alkohol verarbeiten. 

Jeder Brand beginnt lange vorher

Bevor in der Brennerei überhaupt etwas destilliert wird, hat die Arbeit längst begonnen. Herbert Schulz läuft regelmäßig durch seine eigene kleine Obstbaumplantage – mit dem Blick auf die Früchte, mit der Entscheidung, wann geerntet wird – und mit dem Wissen, dass jedes Jahr anders ist. „Letztes Jahr gab es Unmengen an Äpfeln und Birnen. Heuer sieht es eher mau aus. Und die Kirschen fressen die Vögel", sagt er und ein Schwarm Stare fliegt aufgeschreckt aus dem Kirschbaum.

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Keiner will mehr Obst auflesen. Wir haben das schon immer gemacht und knien dafür auch heute noch am Boden.

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Angela Schulz

In den Anfangsjahren sammelte die Familie Schulz Obst, wo immer es verfügbar war: in benachbarten Gärten, von Streuobstwiesen, sogar von Straßenbäumen. Überall dort, wo Früchte ansonsten ungenutzt geblieben wären, waren sie unterwegs. „Keiner will mehr Obst auflesen. Wir haben es gemacht“, ergänzt Angela Schulz.

450 Buschbäume gepflanzt

Doch bald wurde klar: Das reicht nicht. Also nahmen die Schulz’ eigene, zuvor verpachtete Flächen wieder in die Hand, pflanzten zunächst rund 450 Buschbäume, die bereits nach wenigen Jahren Ertrag brachten. 2013 folgten weitere 35 Hochstammbäume – ein bewusster Schritt, um die Vielfalt auszubauen und langfristig zu sichern.

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450 Buschbäume hat Herbert Schulz vor 20 Jahren gepflanzt. Die Bäume gelten jetzt schon als alt, aber er sagt: „Uns reicht der Ertrag immer noch." // Foto: Christiane Lehmann

Bei Schulz verlässt man sich nicht auf Rezepte allein. Erfahrung bestimmt den richtigen Moment. „Man kann das nicht beschleunigen“, heißt es sinngemäß in der Familie. Und genau das spiegelt sich später im Glas wider.

Charakter aus dem Fass

Besonders die Reifung ist es, die die Handschrift der Brennerei prägt. Die ausgezeichneten Produkte zeigen, wie konsequent die Familie Schulz auf das Spiel von Zeit und Holz setzt.

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Ausgezeichnet: Apfelwein-Brand, Wiliams Brand, Roggenmalz-Whiskey, Gerstenmalz-Whiskey. // Foto: Christiane Lehmann

Da ist zum Beispiel der Apfelwein-Brand, der ganze 15 Jahre im Barrique-Fass lagern durfte. Eine außergewöhnlich lange Zeit, die ihm Tiefe und Komplexität verleiht: warme Holznoten, eine feine Oxidation, dahinter noch immer die Frucht – aber gereift, ruhiger, vielschichtiger.

Der Williams-Brand, im Akazienfass gereift, geht einen anderen Weg. Hier steht die Frucht stärker im Fokus, fein unterstützt von helleren, fast blumigen Holztönen. Das Akazienholz verleiht ihm eine elegante Leichtigkeit, ohne die Birnennote zu überdecken.

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Der Whiskey reift in Eichenfässern. // Foto: Christiane Lehmann

Und dann sind da die Whiskeys – eher ungewöhnlich für eine klassische Edelobstbrennerei und gerade deshalb so bemerkenswert:

  • Der Roggenmalz-Whiskey, fünf Jahre im Eichenfass, zeigt sich würzig, mit kräftigen Getreidenoten und einer markanten Struktur.
  • Der Gerstenmalz-Whiskey, sechs Jahre gereift, wirkt runder, weicher, mit sanfter Vanille und einer harmonischen Holznote.

Beide verbindet eine klare Linie: keine Übertreibung, keine Effekthascherei – sondern Balance.

Sortenvielfalt auf eigener Plantage

Dass das Sortiment heute so breit ist, liegt auch an der Leidenschaft von Herbert Schulz für alte und besondere Sorten. Auf den eigenen Flächen wachsen Apfel- und Birnensorten, Mirabellen, Aronia, Kirschen – und darunter auch Früchte, die zum Essen ungeeignet sind, die sich aber hervorragend zum Brennen eignen. Sorten wie Gelbmöstler, Bayerische Weinbirne oder Nägelesbirne entfalten gerade im Destillat ihr volles Aroma.

Unter dem Namen „Nova Sedes“ – ein Begriff, der einst von einem Pfarrer aus Neuses an den Eichen angeregt wurde und zur Marke wurde – entstehen daraus vielfältige Produkte: klassische Edelbrände ebenso wie Spezialitäten etwa aus der Champagnerbirne, dazu Gin und die inzwischen etablierten Whiskeys.

Handwerk statt Tempo

In der Brennerei selbst ist diese Philosophie spürbar. Kupferne Brennblasen, sauber gearbeitet, Fässer in unterschiedlichen Größen und Altersstufen – und immer wieder dieser prüfende Blick, diese kleinen Entscheidungen, die am Ende den Unterschied machen.

Gebrannt wird  bewusst. Jeder Durchgang zählt. Jeder Schnitt – Vorlauf, Mittellauf, Nachlauf – wird sorgfältig gesetzt. Es ist Handarbeit im eigentlichen Sinne: präzise, kontrolliert, und doch getragen von Erfahrung.

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In diesem Eichenfass befindet sich Emmer. // Foto: Christiane Lehmann

Eine Auszeichnung für einen Weg

Der Staatsehrenpreis ist deshalb mehr als die Summe einzelner Prämierungen. Er würdigt die konsequente Ausrichtung des Familienbetriebs: hochwertige Rohstoffe, traditionelle Herstellung und vor allem die Bereitschaft, Zeit als entscheidenden Faktor zu akzeptieren.

Dass die Brennerei Schulz dabei nicht nur mit Obstbränden, sondern auch mit gereiften Whiskeys und weiteren Spezialitäten überzeugt, zeigt die Bandbreite ihres Könnens – und den Mut, Tradition weiterzuentwickeln.

Ruhiger Stolz in Neuses an den Eichen

Zurück im Hof in Neuses an den Eichen wirkt der Preis fast unspektakulär. Kein großes Aufheben, keine lauten Worte. Eher ein stiller Stolz, der sich Flasche an Flasche in dem kleinen Verkaufsladen breitmacht. Öffnungszeiten gibt es nicht. „Unsere Kunden wissen: Ein Anruf genügt und wir sind da“, sagt Herbert Schulz.

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Am Eingang zu dem kleinen Hofladen in neuses an den Eichen hat Herbert Schulz Tafeln mit seinen besten Bränden angebrcht. // Foto: Christiane Lehmann

Vielleicht ist das der größte Unterschied zu vielen anderen: Hier geht es nicht darum, schnell zu glänzen. Sondern darum, etwas entstehen zu lassen, das bleibt. Ein Brand, ein Whiskey – und eine Geschichte, die man schmeckt.

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