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Wildtiere im Coburger Land
Die Rückkehr der Räuber
Wildtiere
Die Rückkehr der Prädatoren: Immer mehr so genannte Beutegreifer werden auch bei uns im Coburger Land gesichtet. // Fotos: stock.adobe.com/ Collage: Sahar Nezhadbahram
Coburg – Ein seltenes Video zeigt: Der Luchs zieht durchs Coburger Land. Artenschutzprojekte versprechen Hoffnung für bedrohte Arten. Jäger Peter Stegner hat einige schon bei uns gesichtet.

Wenn ein Wolf in der Stadt auftaucht, wird’s turbulent. Die Meinungen reichen von Schutz bis Abschuss. Wilde Tiere, Beutegreifer, auch Prädatoren genannt, faszinieren uns Menschen, ängstigen uns in der Nähe.

Vor Jahren vom Aussterben bedroht, greifen mittlerweile strenge Schutzmaßnahmen und Auswilderungsprogramme – nicht nur beim Wolf.

Peter Stegner
Peter Stegner ist nicht nur Jäger, sondern hat auch die Ausbildung zum Falkner gemacht. // Foto: Stegner
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Wanderfalken, Wiesenweihe, Kolkrabe, Biber, Fischotter – bei uns gibt es alles wieder. Ist das nicht wunderbar.

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Peter Stegner Jäger

Peter Stegner, Jäger und Falkner im Coburger Land, hält sein Handy in die Runde, die munter über den Rödentaler Wolf diskutiert. Er zeigt ein Video von seinem Jagdfreund. Zu sehen ist ein Luchs, der übers Feld schleicht. „Jagdkamerad Benny kontrollierte die Maisfelder auf Wildschäden als ihm plötzlich der Luchs vors Objektiv lief“, erzählt Peter Stegner. Ihm selbst sei noch nie ein Luchs begegnet, aber dass es auch im Coburger Land welchen gibt, beweist das Video.

Vorstellbar ist das durchaus. 

In Thüringen ausgewildert

Im Rahmen des Artenschutzprojekts „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ wurden zwei weitere Luchse erfolgreich im mittleren Thüringer Wald ausgewildert. Die jungen Luchse Vreni und Kilian folgen damit den Spuren von Frieda und Viorel, die bereits im Mai 2024 in dieser Region angesiedelt wurden.

Luchs

Luchs schleicht übers Feld im Coburger Land.

„Im südlichen Thüringer Wald wurde zudem kürzlich eine Luchsin mit Jungtieren von einer Wildkamera aufgenommen. Der unerwartete Luchsnachwuchs ist die erste nachgewiesene Luchs-Reproduktion im Thüringer Wald seit über 150 Jahren und eine freudige Überraschung für das gesamte Projektteam“, heißt es auf der Gemeindeseite von Eisfeld. 

Die im Mai 2024 ausgewilderten Luchse Frieda und Viorel haben sich in ihrer neuen Umgebung gut eingelebt. Die GPS-Daten ihrer Halsbandsender zeigen, dass Frieda hauptsächlich in der Nähe von Oberhof unterwegs ist, während Viorel bereits größere Wanderungen unternommen hat und dabei sogar bis in den Frankenwald vorgedrungen ist. 

Ob der Luchs auf dem Video von Jagdfreund Benny mit den Thüringer Luchsen verbandelt ist, kann nicht gesagt werden.

Der Uhu brütete im Felsen

Peter Stegner kommt ins Schwärmen. Wölfe und Luchse sind auch für den passionierten Jäger etwas Besonderes. Obwohl er in den vergangenen Jahren viele Beobachtungen von seltenen Wildtieren gemacht hat.

Uhu
Der Uhu wird immer häufiger auch bei uns in der Gegend gesichtet. // Foto: AdobeStock

„Vor zwei Jahren hat bei mir im Revier Weidhausen ein Uhu in den Felsen gebrütet“, erzählt er. Nachdem die Küken geschlüpft und flügge waren, konnte Peter Stegner die Jungvögel bei der Jagd beobachten. „Ich saß auf meinen Hochsitz als die beiden Uhu-Jungtiere Hasen ins Visier nahmen.“ Die Hasen ließen sich allerdings kaum aus der Ruhe bringen.  „Wahrscheinlich erkannten sie, dass die beiden kleinen Uhus keine Gefahr darstellen", lacht Stegner.

Der Uhu war in früheren Zeiten nicht sehr beliebt. Gern gesehen wurde die größte bei uns vorkommende Eule früher nicht. Wegen seiner nächtlichen Lebensweise galt der Uhu als Vogel der Unterwelt, als Trauer- und Totenvogel. Sein Erscheinen bedeutete Krieg, Hungersnot, Krankheit und Tod.

In Deutschland steht die Art aufgrund vieler Vogelschutzmaßnahmen nicht mehr auf der Roten Liste. Sie zählt aber zu den besonders und streng geschützten Arten.

Die Wildkatze auf Mäusejagd

Genau wie die Wildkatze. An eine Begegnung mit ihr erinnert sich Peter Stegner auch gleich. Nachts auf seinem Sommeransitz mit Blick auf die abgeerntete Wiese. Da schleicht sie an, die Wildkatze mit ihrem orangefarbenen, buschigen Bart und den typischen Püscheln am Schwanz. Auf Mäuse hat sie abgesehen – und schwupp krallt sie sich eine nach der anderen. Drei an der Zahl, die sie im Vergleich zu einer Hauskatze auch gleich mit Haut und Haar frisst.

Die Wildkatze
Ähnelt der Hauskatze - aber ist eine Wildkatze mit ausgeprägtem Jagdtrieb. // Foto: AdobeStock

Dass es sich dabei um eine echte Wildkatze gehandelt hat, ist bewiesen. Denn ein Jagdfreund von Peter Stegner stellte Baldrianstäbe auf – den Geruch mögen Wildkatzen ganz besonders. Die Haare, die vom Fell daran haften blieben, wurden eingeschickt und das Labor bestätigte die Wildkatze.

Auf leisen Pfoten schleicht die Europäische Wildkatze bereits seit mindestens 300.000 Jahren durch Bayern. Sie war hier heimisch, schon lange bevor die Hauskatze, die von der nubischen Falbkatze abstammt, mit den Römern nach Deutschland kam. Durch Lebensraumverlust und intensive Bejagung galt die Wildkatze in Bayern bis in die 80er Jahre hinein als ausgestorben. Dank einer Reihe von Maßnahmen zur Förderung dieser scheuen und seltenen Tierart, können heute in vielen Regionen Bayerns wieder Wildkatzen nachgewiesen werden.

Auswilderungsprogramme zeigen Wirkung

„Wanderfalken, Wiesenweihe, Kolkrabe, Biber, Fischotter – bei uns gibt es alles wieder. Ist das nicht wunderbar“, schwärmt Peter Stegner. Vor 20 Jahren wäre man all dem hier nicht begegnet. Aber Schutzmaßnahmen und Auswilderungsprogramme hätten ihre Wirkung gezeigt. Die Biotope seien dagegen nicht wirklich verbessert worden, meint der Jäger. 

Der Seeadler auf Durchzug

Da fällt ihm noch etwas ein: der Seeadler vor drei Jahren. Schon von weitem hörte er die Krähen schreien. Als er sie dann entdeckte, traute er seinen Augen nicht.

Seeadler
Peter Stegner erinnert sich noch an das Schauspiel mit dem Seeadler in der Luft. // Foto.Adobe Stock

Die Krähen wirken wie kleine Stare im Umfeld eines Bussards. Dabei handelte es sich um einen Seeadler mit einer Spannweite von über zwei Metern.  Er war wohl auf der Durchreise und flog Richtung Eichberg. „Herrlich“, kommentiert Peter Stegner, selbst auch Falkner. 

„Wir warten eigentlich nur noch auf den ersten Bären“, witzelt er. 

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