„Wir sind auf einem guten Weg“ – dieser Satz von Mario Wilhelm sollte am Dienstag Zuversicht verbreiten. Ja, der Geschäftsführer der Haba-Familygroup ist „zuversichtlich“, wie er betonte, dass die Sanierung des Unternehmens gelingen wird. „Die Hausaufgaben sind gemacht, wir können einen Neustart wagen“, sagte er bei einer Pressekonferenz in der Firmenzentrale in Bad Rodach.
Etwa 450 Arbeitsplätze fallen in Bad Rodach weg
Bei diesem Neustart werden aber viele der jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr dabei sein. Die Rede ist von etwa 450 Arbeitsplätzen, die am Standort Bad Rodach wegfallen. Wilhelm formulierte das allerdings etwas anders: „Weit weniger als 500 Mitarbeiter sind betroffen.“
Aus für „Jako-o"
Die Belegschaft bei Haba umfasste vor einigen Monaten noch rund 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit Bekanntwerden der finanziellen Schieflage, in die das Unternehmen geraten ist, hat die Haba-Familygroup bereits mehrere Job-Messen veranstaltet. Bei diesen konnte etlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein neuer Arbeitsplatz bei anderen Firmen in der Region vermittelt werden. Weil das Sanierungskonzept außer einer Aufgabe der Marke „Jako-o“ auch die Trennung vom Produktionsstandort in Eisleben (Sachsen-Anhalt) beinhaltet, fallen alleine dort rund 100 Arbeitsplätze weg; allerdings konnte zwischenzeitlich ein Käufer für das Werk in Eisleben gefunden werden, der immerhin 70 Arbeitsplätze erhalten will.
Haba: „Knapp tausend bleiben an Bord"
Die genaue Angabe einer Zahl, wie viele Menschen bei Haba ihren Job verlieren, ist deshalb schwierig. Mario Wilhelm brachte es wie folgt auf den Punkt: „Knapp tausend Mitarbeiter bleiben in Bad Rodach an Bord.“
Dem Geschäftsführer war zugleich der Hinweis wichtig, dass diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht „an Bord“ bleiben können, keineswegs „ins Bodenlose fallen“ sollen. Deshalb sei diesen Personen der Wechsel in eine Transfergesellschaft angeboten worden. „Dort bekommen sie professionelle Unterstützung bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen.“
An der Pressekonferenz am Dienstag nahm auch Martin Mucha teil. Der Sanierungsexperte war vom Coburger Insolvenzgericht zum Generalbevollmächtigten der Haba-Familygroup bestellt worden. Ihm war es vor allem ein Bedürfnis, die Inhaberfamilie der Haba-Familygroup in Schutz zu nehmen. Diese hätte mit dem Antrag auf eine vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung eine „gute Entscheidung“ getroffen, die noch dazu rechtzeitig gekommen sei. Denn: „Das Unternehmen drohte gegen die Wand zu fahren.“
Große Probleme mit neuer Software
Bei der Frage nach den Gründen für die plötzlich so schwerwiegende Krise des einstigen Vorzeigeunternehmens blieb Martin Mucha zunächst recht allgemein: „Bei einer solchen Krise gibt es nie nur den einen Grund.“ Dann sagte er aber auch: „Die Einführung von SAP lief nicht optimal – um es freundlich auszudrücken…“ Wie mehrfach berichtet, hatte die Einführung einer neuen Software das komplette Online-Geschäft der Haba-Familygroup zwischenzeitlich lahm gelegt. Massive Umsatzeinbrüche waren die Folge. Auch an dieser Stelle erklärte der Generalbevollmächtigte: „Der Inhaberfamilie kann man keinen Vorwurf machen!“ Im Gegenteil: „Die Inhaberfamilie hat das Unternehmen immer stark unterstützt – und es unterstützt es auch jetzt, um aus der Krise herauszukommen.“
„Unsere Kunden sind verunsichert"
Erklärtes Ziel von Martin Mucha ist es, das zum 1. Dezember 2023 offiziell eröffnete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bis Februar 2024 abzuschließen. Ein derart zügiges Vorgehen wäre ganz im Sinne von Mario Wilhelm: „Unsere Kunden sind verunsichert. Wir wollen aber wieder für Zuverlässigkeit stehen. Deshalb ist es wichtig, das Verfahren so schnell wie möglich zu beenden.“
„Das Unternehmen ist ein Unikum"
Bei der Pressekonferenz am Dienstag wurde bekannt, dass in den vergangenen Monaten sogar ein Verkauf der gesamten Haba-Familygroup durchaus eine Option war. „Wir haben den Markt sondiert“, sagte Martin Mucha, „aber es gab keinen Interessenten.“ Dies wollte er aber keineswegs als schlechtes Zeichen werten: „Das Unternehmen ist eben ein Unikum!“
Findet sich ein Käufer für Jako-o?
Dass sich dieses „Unikum“ künftig auf nur noch zwei Marken konzentrieren möchte, wurde ebenfalls noch einmal betont: auf „Haba“ und auf „Haba Pro“ (ehemals Wehrfritz). Für die Marke „Jako-o“ werde derzeit ein möglicher Käufer gesucht. „Ja, es laufen nach wie vor Gespräche“, bestätigte Mario Wilhelm.
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