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Krise in Bad Rodach
Jako-o: Der Absturz des einstigen Vorzeigekindes
Auf unserem Archivfoto weht auch noch die „Jako-o“-Fahne vor dem Firmensitz der Haba-Familygroup in Bad Rodach. Das wird sich bald ändern.
Auf unserem Archivfoto weht auch noch die „Jako-o“-Fahne vor dem Firmensitz der Haba-Familygroup in Bad Rodach. Das wird sich bald ändern. // Archiv / Jochen Berger
Bad Rodach – Die Haba-Familygroup will sich künftig auf die beiden Kernsegmente „Haba“ und „Haba Pro“ konzentrieren. Für die einstige Vorzeigemarke „Jako-o“ gibt es hingegen keine Zukunft. Unklar ist, was das für die Arbeitsplätze bedeutet.

Es ist noch gar nicht lange her, da war „Jako-o“ innerhalb der Haba-Firmenfamilie so etwas wie das absolute Vorzeigekind. „Jako-o“ wollte nämlich immer mehr bieten als lediglich Produkte und Anziehsachen für Kinder. Jeder Online-Bestellung wurde zum Beispiel das hochwertige Magazin „Wirbelwind“ beigelegt, das für Eltern sowohl Ratgeber als auch vergnügliche Lektüre sein sollte. Praktische Hilfe für Mütter und Väter gab es auch auf Kongressen, die von „Jako-o“ in ganz Deutschland veranstaltet wurden. „Jako-o“ ließ außerdem Bildungsstudien erstellen, um in politischen Debatten als eine Art Sprachrohr für Familien fungieren zu können. Doch jetzt das bittere Ende: Am Dienstag wurde aus Bad Rodach das Aus für „Jako-o“ mitgeteilt. Das einstige Vorzeigekind gehört künftig nicht mehr zur Haba-Firmenfamilie, die ja inzwischen Haba-Familygroup heißt.

Viele Arbeitsplätze in Gefahr

Rückblende: Im Juli war bekanntgeworden, dass die Haba-Familygroup in finanzielle Schieflage geraten ist. Ursache waren offenbar Probleme bei der Einführung einer neuen Software. Das Online-Geschäft, das für Haba (und vor allem auch für „Jako-o“!) von existenzieller Bedeutung ist, funktionierte dadurch lange Zeit nicht. Die Folge waren „starke Umsatzeinbrüche“, wie später eingeräumt wurde.

Um das Ruder wieder herumzureißen, hat die Haba-Familygroup einen „massiven Personalabbau“ angekündigt. Mit rund 1800 Beschäftigten ist die Haba-Familygroup der größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg. Befürchtet wird, dass am Standort Bad Rodach jeder dritte Arbeitsplatz in Gefahr sein könnte. Konkrete Zahlen gibt es aber noch nicht.

„Neue Kräfte freisetzen“

Stattdessen wurde aber nun mitgeteilt, dass der Geschäftsbereich „Jako-o“ eingestellt wird. In einer Pressemitteilung wird Haba-Geschäftsführer Mario Wilhelm wie folgt zitiert: „Um die großen Herausforderungen der kommenden Jahre zu bewältigen, stellt sich die Haba-Familygroup nicht nur personell, sondern auch inhaltlich neu auf.“ Konkret wolle man sich auf die beiden Kernsegmente „Haba“ und „Haba Pro“ (ehemals „Wehrfritz“) konzentrieren. Wilhelm weiter: „Mit dieser Konzentration setzen wir nicht nur neue Kräfte frei, um uns selbst zu stärken, neu auszurichten und wieder erfolgreich am Markt angreifen zu können, sondern besinnen uns auf die Ursprünge unseres Unternehmens.“Außerdem ist in der Pressemitteilung die Rede davon, dass sich das Familienunternehmen aktuell in der „größten Umstrukturierung der mehr als 85-jährigen Firmengeschichte“ befinde. Daher komme man laut Stefanie Frieß „nicht umhin, die bisherige Struktur mit den drei eigenständigen Geschäftsbereichen Haba, Haba Pro und Jako-o aufzubrechen“. Stefanie Frieß, die seit Juni 2023 in der Haba-Geschäftsführung für Vertrieb und Marketing verantwortlich ist, spricht im Zusammenhang mit „Jako-o“ von „langwierigen wirtschaftlichen Problemen“. Deshalb habe dieser Geschäftsbereich „keine Zukunft mehr“.

Den „Markenkern stärken“

Die Neuausrichtung der Geschäftsbereiche beziehungsweise die Aufgabe von „Jako-o“ wurde in einer ordentlichen Gesellschafterversammlung beschlossen, wie es in der Pressemitteilung heißt. Ziel sei es jetzt, sich „entsprechend gestärkt“ den aktuellen Herausforderungen zu stellen. Als eine dieser Herausforderungen wird genannt, den „Markenkern“ der Haba-Familygroup zu stärken. So solle im Bereich von „Haba Pro“ die Marktführerschaft in der Ausstattung von Kindertageseinrichtungen weiter ausgebaut werden. Angekündigt wird eine Stärkung des Vertriebs, eine verbesserte Kundenbetreuung, ein modulares Sortimentskonzept und der Ausbau des Onlinegeschäfts. Grundsätzlich soll in den beiden Unternehmensbereich Haba und Haba Pro zukünftig ein noch größerer Wert auf nachhaltig hergestellte Spielwaren und Möbel „mit höchstem Qualitätsanspruch“ gelegt werden.

Das Image von Haba

In der Pressemitteilung wird auch noch auf das Image von Haba eingegangen: „Kaum ein anderes Unternehmen hat sich derart der Entwicklungsförderung für Kinder verschrieben, wie das Traditionsunternehmen aus Bad Rodach.“ Ironie des Schicksals: An dieser Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kinder und Eltern war ganz maßgeblich auch die Marke „Jako-o“ beteiligt.

Die Haba-Familygroup wurde 1938 von Eugen Habermaas gegründet. Noch heute befindet sich das Unternehmen in Familienhand. Der dreiköpfigen Geschäftsführung gehört außer Mario Wilhelm und Stefanie Frieß auch noch Sabine Habermaass als geschäftsführende Gesellschafterin und Vertreterin der Inhaberfamilie an.

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