Steffen Kahnt kennt sich in der Spielwarenbranche sehr gut aus. Doch auch er war überrascht, als er in der vergangenen Woche von den massiven Problemen der Haba-Familygroup gehört hat. Die sehr hohe Zahl an Entlassungen, die bei dem Bad Rodacher Familienunternehmen drohen, habe ihn sogar „irritiert“, wie er im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt sagt. Doch der Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwareneinzelhandels (BVS) erklärt auch, warum er an eine gute Zukunft bei Haba glaubt. Allen voran macht er das an der Qualität der Haba-Produkte fest.
Zunächst ein Rückblick: In der vergangenen Woche hatte die Haba-Familygroup bestätigt, dass ein „massiver Personalabbau“ bevorsteht. Konkrete Zahlen wurden noch nicht genannt, doch hinter vorgehaltener Hand wird über 600 bis 650 Stellen spekuliert. Das wäre jeder dritte Arbeitsplatz. Mit derzeit rund 1800 Menschen, die am Standort Bad Rodach beschäftigt sind, ist die Haba-Familygroup der größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg.
Als Grund für die schwierige Lage wurden „Umsatzeinbrüche im Endkundengeschäft“ genannt. Dass es zu diesem Einbruch kommen konnte, lag nach Tageblatt-Informationen vor allem an einer neuen Software. Deren Einführung hatte zu erheblichen Problemen geführt und das Onlinegeschäft, das für Haba sehr wichtig ist, immer wieder lahm gelegt. In Folge dessen wurden offenbar viele Kunden verärgert und letztlich auch verloren. Im April erfolgte dann die Trennung vom alleinigen Geschäftsführer Tim Steffens. Der war 2019 zu Haba gekommen und hatte, wie zu hören ist, auch sehr viele personelle Veränderungen in der mittleren Managementebene vorgenommen.
Das bestätigt indirekt auch Steffen Kahnt: „In den vergangenen Jahren war bei Haba sehr viel in Bewegung – personell und auch beim Marketing.“ Zu weiteren Details kann und will sich der Geschäftsführer des BVS aber nicht äußern. „Dafür bin ich zu weit weg.“ Zu den Haba-Produkten erlaubt er sich jedoch sehr wohl einige Anmerkungen – zumal die durchweg positiv sind. So finde er es gut, dass Haba sehr viel Wert auf eine hohe Qualität seiner Produkte legt. Während andere Firmen oft preiswert in Fernost produzieren lassen, setzt Haba nach wie vor auf ,Made in Germany‘.“
Selbst wenn diese Qualität dann auch – im wahrsten Sinne des Wortes – ihren Preis hat: „Es gibt einen Markt für Haba-Produkte“, sagt Steffen Kahnt.
Situation in der Spielwarenbranche
Grundsätzlich beobachtet der BVS-Geschäftsführer eine zunehmende „Spreizung der Gesellschaft“, die sich eben auch in der Spielwarenbranche zeige: „Die einen kaufen billig im Discounter; oft auch deshalb, weil sie über weniger Geld verfügen. Die anderen aber, die es sich leisten können, schätzen Markenprodukte und geben auch mehr Geld dafür aus.“
Gut durch die Corona-Krise gekommen
Doch egal, ob es um Billig- oder Markenprodukte geht: Die Lage in der Spielwarenbranche bezeichnet Kahnt als „relativ stabil“. Das liege auch daran, dass die Menschen als Allerletztes an ihren Kindern sparen würden. Auch durch die Corona-Krise sei man gut durchgekommen. „Der stationäre Einzelhandel hatte zwar aufgrund der Lockdowns große Probleme – doch insgesamt gab es während Corona sogar einen echten Boom, was den Kauf von Spielwaren betrifft.“ Klar, während der Lockdowns saßen die Menschen zu Hause und suchten nach Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Dementsprechend sei der Branchenumsatz dann im Jahr 2022 wieder leicht zurückgegangen, wie Kahnt berichtet: „Die Leute konnten wieder raus und waren weniger zuhause.“ Hinzu komme aktuell auch noch die Inflation.
Doch Steffen Kahnt bleibt zuversichtlich – und zwar explizit auch mit Blick auf die Haba-Familygroup. „Die Produkte von Haba haben Potenzial“, sagt er und wagt eine Prognose: „Wenn es dem Unternehmen gelingt, sich neu zu strukturieren, dann sehe ich gute Chancen!“
Stellenabbau bei „My Toys“
Deutlich schlechter sieht es zumindest bei einem Branchenkollegen von Haba aus. Die Spielwarenkette „My Toys“, die zur Otto-Gruppe gehört, schließt alle 19 Filialen, die es zuletzt noch im stationären Einzelhandel gab. Das Onlinegeschäft wird dahingehend umgestellt, dass es nicht mehr über die separate „My Toys“-Plattform läuft, sondern in den Internetauftritt von Otto integriert wird. Im Zuge dieser Neuausrichtung werden bei „My Toys“ rund 800 Stellen abgebaut.
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