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Haba in Not
Entlassungen beim größten Arbeitgeber im Kreis Coburg
Blick auf die Firmenzentrale in Bad Rodach: Die Haba-Familygroup (bis Anfang 2021 „Haba-Firmenfamilie“) ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg.
Blick auf die Firmenzentrale in Bad Rodach: Die Haba-Familygroup (bis Anfang 2021 „Haba-Firmenfamilie“) ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Coburg. // Archiv / Jochen Berger
Bad Rodach – Die finanzielle Schieflage des Spielwarenherstellers ist noch dramatischer als bislang gedacht. Jetzt wurde die Belegschaft über einen „massiven Stellenabbau“ informiert. Es kursieren bereits horrende Zahlen.

Rund 1800 Menschen arbeiten derzeit am Standort Bad Rodach für die Haba-Familygroup. Doch eine Mail der Geschäftsführung, die jetzt an die Belegschaft verschickt wurde, lässt Schlimmes befürchten: Beim derzeit noch größten Arbeitgeber im Landkreis Coburg droht offenbar ein personeller Kahlschlag.

Jeder dritte Arbeitsplatz betroffen?

In der besagten Mail ist von „schweren Zeiten“ die Rede. Als Gründe werden vor allem Umsatzeinbrüche im Endkundengeschäft genannt. Deshalb sei eine „Restrukturierung“ des Unternehmens leider unumgänglich. „Restrukturierung“ ist in diesem Zusammenhang die vornehme Umschreibung für das schmerzliche Wort „Stellenabbau“.

Wie viele Stellen genau bei Haba abgebaut werden, steht offiziell noch nicht fest. Auf Nachfrage des Coburger Tageblatts bestätigte die Haba-Pressestelle jedoch am Dienstag, dass es sich um einen „massiven Personalabbau“ handeln werde. Dieser Schritt sei „notwendig, um das Familienunternehmen zu stabilisieren und langfristig Arbeitsplätze zu erhalten“. Derzeit würden Gespräche mit dem Betriebsrat stattfinden, „um die nächsten Schritte zu konkretisieren“.

Details bei Betriebsversammlung?

Zu hören ist außerdem, dass der Restrukturierungsplan zunächst der Gesellschafterversammlung vorgestellt werden soll, voraussichtlich im August könnte  bei einer Betriebsversammlung auch die Belegschaft über alle Details informiert werden. Unabhängig davon kursiert bereits die Zahl von angeblich 650 Stellen, die betroffen sein könnten. Das würde bedeuten, dass jeder dritte Arbeitsplatz bedroht ist.

Die Firmenzentrale der Haba-Familygroup befindet sich in Bad Rodach (Landkreis Coburg).
Die Firmenzentrale der Haba-Familygroup befindet sich in Bad Rodach (Landkreis Coburg). // Archiv / Jochen Berger

Dafür, dass es der Haba-Familygroup nicht gut geht, gab es zuletzt immer mehr Hinweise. So wurde im April 2023 die Trennung vom zu dieser Zeit alleinigen Geschäftsführer Tim Steffens bekanntgegeben und eine „neue Struktur“ an der Unternehmensspitze angekündigt.

Timm Steffens war im Juni 2019 zu Haba gewechselt und hatte in der Folgezeit einiges umorganisiert. Im April 2021 kündigte er gar eine neue Strategie an. Damit einhergehend war auch die Umbenennung der bisherigen Haba-Firmenfamilie in Haba-Familygroup. Der aus Norddeutschland stammende Tim Steffens erklärte seinerzeit dazu: „Wir wollen den Anker lichten und stärker die internationalen Märkte in Angriff nehmen.“ Im Januar 2022 wurde außerdem die traditionsreiche Haba-Marke „Wehrfritz“ umbenannt in „Haba Pro“.

Zuversicht bei Spielwarenmesse

Einen seiner letzten größeren öffentlichen Auftritte hatte Tim Steffens im Februar 2023 bei der Spielwarenmesse in Nürnberg. Dem Coburger Tageblatt berichtete er da von einem wahren Boom, den während der Corona-Pandemie speziell die (Brett-)Spiele erlebt hätten.

Für die Zukunft kündigte Steffens bei der Spielwarenmesse noch an, dass die Haba-Familygroup unter anderem verstärkt auf neuartige Spielkonzepte wie „Legacy Games“ setzen werde. Bislang richteten sich „Legacy“-Spiele an Erwachsene. Haba wolle das Konzept auf „Kinderebene“ umsetzen, so Steffens.

Ebenfalls noch im April 2023 teilte die Haba-Familygroup mit, dass alle Standorte der Digitalen Werkstatt geschlossen werden. In einer Pressemitteilung war damals die Rede davon, dass diese Entscheidung für alle Beteiligten „schmerzhaft“ sei.

Folgen auch für die Stadt Bad Rodach

Die finanzielle Schieflage von Haba hat derweil auch schon massive Auswirkungen auf die Stadt Bad Rodach. Denn während Haba in der Vergangenheit der größte Gewerbesteuerzahler gewesen sein dürfte, sind der Stadtkasse diese Einnahmen nun plötzlich weggebrochen. Außerdem musste Haba eine geplante Investition absagen, in deren Zusammenhang eigentlich der Stadt Bad Rodach ein Grundstück hätte abgekauft werden sollen. Ohne diesen Grundstücksverkauf fehlten der Stadt Bad Rodach dann weitere Einnahmen, die eigentlich fest eingeplant waren.

Dies alles hatte zur Folge, dass die Stadt Bad Rodach lediglich einen „Krisenhaushalt“ aufstellen und beschließen konnte. Als Reaktion auf die massiv gesunkenen Einnahmen muss die Stadt bis auf weiteres auch die Ausgaben drastisch senken. Als erste Maßnahmen wurden sowohl das Marktfest als auch der „Tag der Europäer“ abgesagt.

Hintergrund Die Haba-Familygroup wurde 1938 von Eugen Habermaass gegründet. Marken unter dem Haba-Dach sind auch Jako-o und Fit-z.

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