Tömning Vattentank? Belysning? Huvudbrytare? Ganz ehrlich: Da versteht man doch nur Bahnhof! Aber zum Glück ist das Team der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg (Wifög) gerne bereit, alles genau zu erklären.
Zu erklären, was in den vergangenen Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entstanden ist. Klar, das Hauptaugenmerk gilt derzeit dem Globe. Die Interimsspielstätte des Landestheaters soll im Oktober fertig sein. Etliche weitere Gebäude, die sich auf dem Gelände befinden, können hingegen bereits genutzt werden. Und wie! Wifög-Chef Stephan Horn berichtet, dass vor allem die Alte Pakethalle schon eifrig nachgefragt und gebucht werde. Die Bandbreite der Veranstaltungen, die es dort schon gab und in diesem Jahr noch geben wird, ist enorm: vom Jazz-Festival über die Party nach der Christopher-Street-Day-Parade bis zur Jahrestagung des Deutschen Feuerwehrverbands.
„Fjäll Räven“ auf den Tischen
Während die Alte Pakethalle Platz für bis zu 800 Menschen bietet, geht es im historischen Panoramawagen deutlich kuscheliger zu. Er ist ausgelegt für etwas mehr als 20 Personen, die sich dort zum Beispiel für Lesungen, Tastings oder auch Workshops und Besprechungen treffen können. Was ausdrücklich nicht gewünscht ist, wie das Team der Wifög erklärt, sind Partys oder gar Junggesellenabschiede. Grundsätzlich soll der Panoramawagen auch die Rolle als „Quartierstreffpunkt“ übernehmen. Und die als „markanten Blickfang“ sowieso.
Es lohnt sich übrigens, bei diesem 1963 in Betrieb gegangenen Waggon auf die vielen Details zu achten. Zum Beispiel, dass beim Montieren der Inneneinrichtung ausschließlich Messingschrauben verwendet wurden, die noch dazu offen sichtbar geblieben sind. Oder, dass auf den Holztischen die Schriftzüge der schwedischen Outdoormarke „Fjäll Räven“ eingebrannt sind. Der Hintergrund dazu ist einfach erklärt: Bevor der Panoramawagen seine vermeintliche Endstation in einem Museumsdepot der Deutschen Bahn erreicht hatte, war er für besagte Firma in Schweden unterwegs. Entsprechend ist noch heute die Beschilderung im Inneren. Schließlich musste das schwedische Personal ja wissen, welcher Knopf zu drücken ist, um den Wassertank zu entleeren (Tömning Vattentank!), die Beleuchtung (Belysning!) anzuknipsen oder mit dem Hauptschalter (Huvudbrytare) alles auszuknipsen.
Wagen gehört der Deutschen Bahn
Der Panoramawagen gehört zwar noch immer der Deutschen Bahn, aber für zunächst einmal 25 Jahre kam er als „Dauerleihgabe“ im Mai 2017 nach Coburg. Die Sanierung hätte eigentlich deutlich schneller erfolgen sollen, doch vor allem die Corona-Pandemie war schuld an ein paar Verzögerungen. Was die Wiederbelebung des gesamten Areals betrifft, gelten die Designtage im Jahr 2014 als inoffizieller Startschuss. Kurz vorher hatte die Stadt Coburg das Gelände kaufen können – nach Verhandlungen, die „nicht einfach“ waren, wie sich Stephan Horn erinnert. Ebenso sagt der Wifög-Chef, dass es von Anfang an die Idee gewesen sei, hier nicht ein herkömmliches Gewerbegebiet zu entwickeln, sondern ein besonderes Quartier für Kreative. Dem Coburger Designforum Oberfranken (CDO) um Professor Auwi Stübbe ist er bis heute für die Unterstützung sehr dankbar. Das CDO orientiert sich zwar inzwischen neu und sieht seine Zukunft auf dem ehemaligen Griesbach-Gelände in Cortendorf.
„Gelände wird nie richtig fertig sein“
Doch dann werden eben andere Nutzer in die Büroflächen einziehen, die rund um die Alte Pakethalle zur Verfügung stehen. So ein Wandel gehört bei einem Kreativquartier eben auch dazu. Ebenso ist es völlig normal, dass ein solches Gelände „eigentlich nie richtig fertig“ ist, wie Stephan Horn sagt. Selbst, wenn jetzt offiziell die Eröffnung gefeiert wurde: Es wird sich immer wieder etwas verändern, es wird immer wieder Bewegung sein. Einen „Push“ erwartet man sich seitens der Wifög auch, wenn die Außenanlagen – wohl 2025 – fertig sind.
Doch auch ohne diesen „Push“ ist man bei der Wifög mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden. So werden unter anderem sieben Büroeinheiten im sogenannten „Nebengebäude 3“ beim Globe vermietet. Zwei junge Firmen sind bereits eingezogen, weitere Verhandlungen laufen, so dass Stephan Horn bereits vom „Pioniergeist“ schwärmt, der auf dem Gelände zu spüren ist. Pioniergeist heißt auf Schwedisch übrigens „pionjäranda“.
HINTERGRUND: Der Panoramawagen hat sogar eine eigene Internetseite
Kontakt Wer sich dafür interessiert, eine der vielen Räumlichkeiten am Güterbahnhof zu nutzen – sei es für eine Veranstaltung oder zur Ansiedlung eines Unternehmens -, wendet sich an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg. Ansprechpartner Eric Rösner ist zu erreichen unter Telefon 09561/892304. Zahlreiche Infos speziell zum Panoramawagen gibt es außerdem auf der Internetseite pano-coburg.de
Lesen Sie auch:

















