Raus aus dem Alltag, sich keine Gedanken um irgendwelche Banalitäten machen zu müssen und sich ganz dem kreativen Schaffensprozess widmen zu können – das ist für alle Beteiligten das wichtigste. 16 bildende Künstler, acht aus Tschechien, eine aus Polen und sieben aus Deutschland sind dort noch bis Sonntag zugange, arbeiten mit Steinen, Farben, Leinwänden und Metall, ehe die Ergebnisse ab Sonntag vier Wochen lang in einer Sonderausstellung im Töpfermuseum zu sehen sein werden.
Künstler schätzen die besondere Atmosphäre in Thurnau
„Alle, die sich angemeldet haben, sind dabei“, sagt Manfred Gareis, der als Vorsitzender an der Spitze des Fördervereines Europa-Symposium Thurnau e.V. steht. Auch er hebt die ganz besondere Atmosphäre hervor, die an den beiden Wirkungsstätten der Künstler, dem Skulpturengarten von Michael Sauer am Oberen Markt und den Räumen des Instituts für Fränkische Landesgeschichte im Unteren Schlosshof, herrscht.
Gerade sind wieder zwei Spaziergänger auf die Bildhauer aufmerksam geworden, neugierig blicken sie ihnen über die Schulter und kommen schnell ins Gespräch. „Das ist es, was das Besondere an unserem Symposium ausmacht“, so Manfred Gareis.
Der Berliner Michael Sauer lebt seit 40 Jahren auch in Thurnau
Er arbeite hier aus purer Freude, „aus Lust und Liebe“, sagt Michael Sauer, um den finanziellen Erlös gehe es ihm nicht. Er gehört zu den Gründervätern des Symposiums, kommt eigentlich aus Berlin, hat aber seit mittlerweile 40 Jahren auch einen Wohnsitz in Thurnau.
Sein Skulpturengarten am Oberen Markt ist während des gesamten Jahres ein echter Blickfang. Ihm geht es darum, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und mit dem Material Stein gestalterisch zu arbeiten.
Florian Tully hat Marmor aus Serbien mitgebracht
Der Stein hat es allen angetan. Florian Tully aus Gerolzhofen hat einen 250 Millionen Jahre alten Marmor aus Serbien mitgebracht, aus dem er eine weibliche Form herausarbeitet. „Ich bin Halbprofi“, sagt er bescheiden. Er ist Inhaber eines Steinmetzbetriebes und auch als Sachverständiger für Naturstein tätig.
Besonders schätzt er den Austausch mit den Künstlerkollegen: „Da kommst du auf Dinge, die du allein gar nicht entwickeln könntest.“
Kunstwerk soll Zusammenleben darstellen
Zum ersten Mal dabei ist Holger Ritzhaupt aus Röthlein ganz im Gegensatz zu Rudolf Schneidmadel aus Ebelsbach, der schon seit Jahren alljährlich zum Arbeiten nach Thurnau kommt. Holger Ritzhaupt hat einen ganz besonderen Sandstein aus der Region Gerolzhofen/Volkach mitgebracht und möchte aus dem Rohling ein Kunstwerk machen, in dem er das Zusammenleben der verschiedensten Menschen darstellt.
Rudolf Schneimadel ist schon bei seinem zweiten Werk, einem Kepler-Stern, den er in seiner Heimat auf eine Granitstele aufsetzen möchte. Er hat eigentlich das Handwerk des Feinmechanikers gelernt und verbindet in seinen Kunstwerken immer wieder gerne Metall mit Sandstein.
Martin Auer hat seinen Hund dabei
Seinen Hund Moreno hat Martin Auer aus Würzburg mitgebracht. Der Lärm und der Staub machen ihm nichts aus. Sonst arbeitet er mit fränkischem Muschelkalk, diesmal hat er aber ebenfalls einen Sandstein dabei, aus dem er einen stilisierten Torso herausarbeiten möchte. „Stein muss man mit den Händen greifen, Stein muss man berühren“, sagt er, ansonsten bekomme man kein Gefühl dafür.
Ein ganz eigenartiges Material hat sich schließlich Tomas Dolejs aus Karlsbad ausgesucht. Er ist mit seinen Stahlarbeiten schon zum sechsten Mal in Thurnau dabei und arbeitet gerade an einer sitzenden Frauenfigur auf einem gläsernen Wehr. Sein ganzes Atelier habe er mit seinem Pick-Up mitgebracht, und wenn man ihm so zusieht, wird klar, welche körperliche Schwerstarbeit er da gerade verrichtet.
Doris Bocka aus Kasendorf ist die Lokalmatadorin
Mit Lokalmatadorin Doris Bocka aus Kasendorf, die mittlerweile im Nachbarlandkreis Bayreuth zu Hause ist, Anna Vančátová aus Karlsbad und Jan Tichy aus Prag haben am Oberen Markt auch drei Maler ihr temporäres Atelier aufgeschlagen. Anna freut sich über das perfekte Licht und die wunderbare Arbeitsatmosphäre. „Das alte Gemäuer hier hat schon einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Arbeit“, sagt Doris Bocka. Sie hat alte Kinderfotos aus ihrem Familienalbum dabei und setzt sie auf ihren Leinwänden fantasievoll um.
Auch das Schloss, in dem die restlichen Maler arbeiten, ist ein altes Gemäuer, doch die Räume im Institut für fränkische Landesgeschichte sind top-saniert. Hier arbeitet beispielsweise Volker Wunderlich aus Goldkronach. Er ist als Zweiter Vorsitzender des Fördervereins Europa-Symposium Thurnau e.V. Mitorganisator und als solcher gerade am Telefonieren. Trotzdem ist auch er kreativ tätig. „Ich mach gerade ´verschiedene abstrakte Sachen, ohne konkretes Ziel“, sagt er. Ein Blick auf den Tisch vor ihm zeigt, dass er aber schon recht kreativ war.
Sozialaktion für traumatisierte Kinder
Volker Wunderlich ist es auch, der zusammen mit Iwa Kruczkowska aus Krakau fast einen ganzen Tag lang eine Sozialaktion für traumatisierte Kinder, die mit ihren Müttern in der Fachklinik in Hutschdorf untergebracht sind, veranstaltet. Beide möchten mit den rund zehn angemeldeten Kindern kreativ tätig werden und vor allem viel Spaß haben. Gefördert wird diese Aktion von der Adalbert-Raps-Stiftung.
Ins Leben gerufen haben das Symposium vor 14 Jahren die beiden Bildhauer Albrecht Volk und Michael Sauer. Einen Großteil der Ausgaben stemmt der Förderverein neben dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und Sponsoren wie der Sparkasse Kulmbach-Kronach, dem Landkreis Kulmbach und mehrere privaten Geldgebern.
Ergebnisse werden ausgestellt
Die Ergebnisse des 14. Europa-Symposiums Thurnau sind ab 27. August vier Wochen lang in einer Sonderausstellung im Töpfermuseum zu sehen. Die Vernissage findet am 27. August um 11 Uhr statt.
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