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Altes Rätsel
Eine KI übersetzt in Marktleugast 300 Jahre alte Handschrift
Kirchenführer Oswald Purucker zeigt ein Echtheitszertifikat aus dem Jahre 1791, dessen Geheimnis er nach vielen Jahren mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf seinem Handy aufklärte. Dahinter ist die Grabsteininschrift (Epitaph) der Bayreuther H...
Kirchenführer Oswald Purucker zeigt ein Echtheitszertifikat aus dem Jahre 1791, dessen Geheimnis er nach vielen Jahren mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf seinem Handy aufklärte. Dahinter ist die Grabsteininschrift (Epitaph) der Bayreuther Hohenzollern-Prinzessin zu sehen, die 1716 in Marienweiher bestattet wurde. Oswald Purucker // 
Signet des Fränkischen Tags von Oswald Purucker
Marktleugast – Wie der Marktleugaster Kirchenführer Oswal Purucker ein Rätsel nach 40 Jahren gelöst bekommen hat. Jetzt ist auch klar, wie wichtig das Dokument ist.

Was haben der Grabstein, das Epitaph (Grabsteininschrift) einer Hohenzollern-Prinzessin in der Basilika Marienweiher aus dem Jahre 1716, mit einem römischen Echtheitszertifikat für eine Reliquie aus dem Jahre 1791 gemeinsam? Beide stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind in lateinischer Sprache verfasst. Der Grabstein trug nun letztlich dazu bei, ein jahrzehntelang schlummerndes Geheimnis zu lüften.

Besucher übersetzt per KI

Bei einer Kirchenführung in der Basilika bemerkte Kirchenführer Oswald Purucker, dass ein Teilnehmer während seiner Erklärung – was es mit diesem Grabstein auf sich hat – sein Handy zückte. Nach seinen Ausführungen, dass hier die „hochlöbliche Marie Sophia Wilhelmina Margarita Johanne Josepha Prinzessin von Hohenzollern“ begraben liege, antwortete der Zuhörer: „Sie werde sein wie ein Engel Gottes im Himmel“.

Dabei zeigte er auf die Erste Zeile der Inschrift, die aus dem Matthäus-Evangelium 22, Vers 30 stammte. Mit einem schmunzeln auf den Lippen, zeigte der Teilnehmer sein Handy und meinte: „KI macht’s möglich!“

Auf der Heimfahrt erinnerte sich Purucker an eine Urkunde, die er seit über 40 Jahren in seinen historischen Unterlagen aufbewahrt. Während der gedruckte lateinische Text übersetzbar war, konnte bisher niemand die handschriftliche Ergänzung wiedergeben. Und gerade dieser handschriftliche Zusatz in der Mitte des Blattes, war am Wichtigsten und gab die Lösung der Inschrift preis.

Gleich am nächsten Tag suchte Purucker die Urkunde heraus, nahm das Handy und erhielt tatsächlich den gesamten Text innerhalb weniger Minuten komplett übersetzt. „Eine ungeheure Leistung, die hier mit KI möglich wurde“, sagt Purucker.

Darin ist zu lesen: Bruder Franz Xaver Cristiani, vom Augustinerorden, Bischof von Porphyreon und Präfekt der Apostolischen Sakristei, Hausprälat und Assistent des päpstlichen Throns, bezeugt und versicherte mit diesem Schreiben, dass es sich bei der mitgelieferten Reliquie um ein kleines Knochenteilchen aus den Gebeinen des Heiligen Apostel Andreas handelt. Die Reliquie, so ist zu lesen, wurde an einem authentischen Ort entnommen. Gleichzeitig, versehen mit einem Siegel, wird die Erlaubnis erteilt, sie bei sich zu behalten, anderen zu schenken und in jeder beliebigen Kirche oder Kapelle zur öffentlichen Verehrung durch die Gläubigen ausstellen zu dürfen.

Am 16. März 1791 wurde mit diesem Beglaubigungsschreiben dieses Zeugnis abgegeben, eigenhändig unterschrieben und mit dem Siegel versehen. Tatsächlich wurde dieser Bischof Francesco Saveriao Cristiani am 9. Januar 1729 in Monte Granaro geboren und verstarb am 3. Januar 1800. Während Papst Pius VI. auf einer Reise nach Wien 1782 in Bologna Halt machte, wurde Francesco als Präfekt der Apostolischen Präfektur und für das Bischofsamt vorgeschlagen. Daraufhin ernannte ihn Papst Pius VI. am 23. September 1782 zum Titularbischof von Porphyreon.

Der Bischofssitz war der Kirchenprovinz Tyrus im heutigen Libanon zugeordnet. Anschließend ernannte ihn der Papst noch zum Sakristan des Apostolischen Palastes, zum Päpstlichen Hausprälaten und Thronassistenten.

Für Purucker stand nach Einsicht des Lebenslaufes damit fest, dass die Ausstellung dieses vorliegenden Reliquien-Echtheitszertifikates tatsächlich in die Amtszeit des auf dem Schreiben aufgeführten Bischofs Cristiani fällt. Im März 1791 wurde es dann wohl nach Gößweinstein versandt, von wo aus es dann am 16. September 1791 zusammen mit der Reliquie nach Marienweiher gebracht wurde.

In welcher Kirche, Kapelle oder in welchen Altar diese Reliquie verbracht wurde, gilt es nun noch zu klären. In Marienweiher, wie auch in den einzelnen Filialkirchen komme der Heilige Andreas so nicht vor.

Bereits seit dem achten Jahrhundert, so Purucker, wurden Teile von Gebeinen der Heiligen auch an andere Orte gebracht, wo Kirchen zu ihrer Verehrung gebaut wurden. Da die Heiligen im Himmel Gott besonders nahe sind, bedeutete die Nähe zu ihnen auch eine besondere Nähe zu Gott.

Schon kleine Teile ihres Körpers, wie eben Knochen oder auch Gegenstände mit denen sie in Berührung gekommen sind, drückten dies in abgestufter Weise aus. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Reliquien „Zurückgelassenes“.

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