Im Mittelpunkt standen die Tiere selbst: Bei den Hundevorstellungen lernten die Besucher einige Vierbeiner kennen, die auf ein neues Zuhause hoffen. Tierheimleiterin Angelika Enzmann berichtete zudem über den Umgang mit der aktuellen Hitzewelle, die Situation im Tierheim und darüber, wo derzeit Unterstützung besonders gebraucht wird.
Hitze als große Herausforderung
Daneben gab es Musik und Kulinarisches, Spielstationen für Kinder, Informations- und Verkaufsstände sowie die beliebte Tombola. Insgesamt also ein abwechslungsreiches Programm.
Die Hitzewelle stellt auch das Tierheim vor besondere Herausforderungen. Im Erdgeschoss seien die Temperaturen unproblematisch, berichtet Tierheimleiterin Angelika Enzmann. Unter dem Dach wurden dagegen Fenster abgehängt und in den Katzenzimmern Rollos angebracht.
Bei Bedarf sorgen Ventilatoren für zusätzliche Luftbewegung. „Nachts bleibt alles offen“, erklärt Enzmann. Immerhin kühle es dann etwas ab. Besonders wichtig sei natürlich, dass die Tiere jederzeit ausreichend Wasser zur Verfügung haben.
Auch der Tagesablauf der Hunde wird an die Temperaturen angepasst. Sie dürfen bereits früh am Morgen in die Freiläufe, spätestens mittags ist damit jedoch Schluss. Die regulären Gassirunden finden ohnehin am Abend statt.
In den Freiläufen stehen zudem mit Wasser gefüllte Sandmuscheln bereit, in denen sich die Hunde nach Lust und Laune abkühlen können. Während der größten Hitze des Tages herrscht dagegen bewusst Ruhe. So werden die Tiere nicht zusätzlich belastet.
Einen generellen Aufnahmestopp gibt es im Kulmbacher Tierheim derzeit nicht. „Wir vermitteln gut“, freut sich Enzmann. Sorgen bereiten allerdings immer wieder größere Fälle von Animal Hoarding, auch illegale Welpentransporte bleiben ein Thema.
Eine Entwicklung fällt dem Tierheim in diesem Jahr besonders auf: Erstmals seit vielen Jahren gebe es wieder deutlich mehr Meldungen über verwilderte Katzenmütter mit ihren Jungen. Enzmann vermutet einen Zusammenhang mit den gestiegenen Tierarztkosten, möglicherweise würden deshalb weniger Katzen kastriert.
Wird dem Tierheim eine Katzenfamilie gemeldet, werden Lebendfallen aufgestellt. Dabei ist man auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, die Bescheid geben soll, sobald ein Tier in die Falle gegangen ist. Katzenmutter und Nachwuchs kommen anschließend ins Tierheim. Sind die Kitten alt genug und vermittelt, wird die Mutter kastriert.
Erfreulich: Entwicklung der Futterspenden
Sehr erfreulich entwickelt sich dagegen die Unterstützung mit Futterspenden. „An dieser Stelle ein riesiger Dank an alle Spender“, betont Enzmann. Die Hilfsbereitschaft sei so groß, dass derzeit überhaupt kein Futter zugekauft werden müsse. Doch Futter ist längst nicht der einzige Kostenfaktor.
Die Tierarztkosten sind gestiegen, die Elektrik im Tierheim musste erneuert werden und auch vermeintlich kleinere Anschaffungen müssen finanziert werden. Deshalb wünscht sich der Verein vor allem eines: neue Mitglieder. Eine Mitgliedschaft ist bereits ab 30 Euro im Jahr möglich. Gerade diese regelmäßigen Beiträge seien wichtig, weil das Tierheim mit ihnen fest kalkulieren könne.
Sorgenkind heißt Lotta
Wie dringend manche Tiere auf die richtigen Menschen warten, zeigte sich bei den Hundevorstellungen. Das derzeitige Sorgenkind heißt Lotta. Die Amerikanische Bulldogge lebt seit Februar 2025 im Tierheim und ist damit aktuell dessen längste Bewohnerin. Bei der Vorstellung trägt sie einen Maulkorb.
Das dürfe jedoch nicht den falschen Eindruck erwecken, betont Enzmann. „Lotta ist lieb, und sie trägt den Maulkorb nur, weil sie sich auch gegen andere Hunde wehrt.“ Menschen gegenüber sei sie verspielt und suche den Kontakt. Allerdings bringt Lotta ordentlich Kraft mit und braucht deshalb eine erfahrene Hand.
Hinzu kommt eine schwere Diagnose: Bei Lotta wurde ein Mastzellentumor festgestellt und entfernt. Momentan gehe es ihr gut, doch wie lange das so bleibt, könne niemand sagen. Umso größer ist der Wunsch im Tierheim, dass sie ihre verbleibende Zeit nicht dort verbringen muss, sondern noch ein liebevolles Zuhause findet.
Auch andere Hunde hoffen auf ihre Chance. Bobby, ein junger Bobtail-Mischling aus Rumänien, macht sich gerne lautstark bemerkbar und ist ausgesprochen verspielt. Noch muss er einiges lernen – doch gerade weil er jung ist, lässt sich mit ihm viel erarbeiten.
Tinka dagegen weiß bereits ziemlich genau, was sie vom Tierheimleben hält: wenig. Die etwa sechs bis sieben Jahre alte Mischlingshündin musste aus gesundheitlichen Gründen ihres bisherigen Besitzers abgegeben werden. Das Leben im Zwinger setzt ihr enorm zu, weshalb für sie besonders dringend ein neues Zuhause gesucht wird.
Die Tierheimleiterin hat noch einen dringenden Appell. Immer wieder erreichten das Tierheim Anfragen zu Hunden, die über Auslandsvereine vermittelt wurden und mit denen es Probleme gibt. „Kauft kein Tier aus dem Internet“, lautet deshalb Enzmanns Plädoyer.
Warum man Tiere vor Ort suchen sollte
Wer einen Hund lediglich über Bilder und Beschreibungen auswähle, könne ihn vorher nicht wirklich kennenlernen. Wer einem Tier aus dem Ausland ein Zuhause geben möchte, sollte sich deshalb für eines entscheiden, das sich bereits auf einer Pflegestelle in Deutschland befindet.














