Hans-Ulrich Gruber kommt viel rum in der "Weltg'schicht". Und als Fan des E-Autos hat der Umweltbeauftragte des Dekanats Kulmbach immer ein offenes Auge dafür, im Ausland nach Stromern Ausschau zu halten.
Nach seiner jüngsten Tour in die Schweiz Lateinamerikas, nach Uruguay, konstatierte der Mainleuser: „Wahnsinn, was sich dort binnen zweier Jahre getan hat. Du stehst an der Straße und traust deinen Augen nicht: Überall sind Elektroautos unterwegs, in jeder Straße stehen die!“ Jetzt kommt aus hiesiger Industriesicht die Krux: fast nur chinesische Hersteller, ab und an ein Südkoreaner darunter. Deutsche Marken? Fehlanzeige.
98 Prozent aus regenerativen Energien
Aber Moment: ausgerechnet ein Land in Südamerika, einst Dritte Welt, als Vorzeigestaat? "Uruguay ist berühmt dafür, 98 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, vor allem Wasserkraft", sagt der 57-Jährige. Und er fügt – gerade mit Blick auf die aktuelle Preisdiskussion an deutschen Tankstellen infolge des Irankriegs – hinzu: „Sind das da unten alles Ökospinner? Nein, ganz und gar nicht.“
Franziska Gruber kann das bestätigen. Die Kulmbacherin, Tochter von Hans-Ulrich, lebt seit fünf Jahren in Uruguays Hauptstadt Montevideo. Sie hat dort die Projektleitung für eine deutsche Firma inne, die im Auftrag der Getränkeindustrie die Logistik für ein flächendeckendes Flaschenpfandsystem erarbeitet. "Hier funktioniert beileibe nicht alles nach westlichem Standard", weiß die 32-Jährige. „Mülltrennung etwa gibt es kaum, fast alles geht unsortiert in die Deponie. Das gibt es in Deutschland schon seit Jahrzehnten nicht mehr.“
Aber beim Ökostrom schlägt Uruguay die Deutschen offenbar um Längen. Der Grund für die besonders grüne lokale Stromproduktion liegt in sprunghaften Anstiegen der Rohölpreise auf dem Weltmarkt seit 2005. "Man braucht aber auch gar kein Auto in Montevideo, da genügen Fahrrad oder Uber-Taxi", sagt die ausgewanderte Mainleuserin. Im nächsten Schritt geht es in Uruguay um die Dekarbonisierung der kompletten Wirtschaft.
Auch Hans-Ulrich Gruber kann sich noch gut erinnern an die Zeiten, als beispielsweise 2011 in Italien der Liter Diesel zwei Euro kostete – und da war der Ukrainekrieg noch in weiter Ferne. "Wir Deutschen leben im Paradies, wissen es aber nicht", sagt er mit Blick auf vier Wochen in Südamerika. In Uruguay liegen die Lebenshaltungskosten zwar etwa auf BRD-Niveau, das normale Einkommen aber höchstens bei einem Drittel. "Das wird dann schnell bedrohlich, wenn man am Rohöl hängt."
So hat Uruguay massiv mittels Windenergie und Biomasse seine Stromerzeugung umgestellt. Von 2010 bis 2022 investierten Staat und private Unternehmen rund sechs Milliarden US-Dollar in den Ausbau erneuerbarer Energien, was rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes entspricht. Insgesamt wurden 50.000 neue Jobs laut Méndez Galain, Uruguays Energiedirektor, durch den Umstieg auf erneuerbare Energien geschaffen. "Der Staat förderte die Ausbildung von Fachkräften, viele Beschäftigte aus fossilen Energiebetrieben wurden umgeschult", sagt Hans-Ulrich Gruber.
Iran-Krieg: Wenn der Rohölpreis durch die Decke geht
Seit etwa zwei Jahren laufe der konsequente Umstieg auf Elektroautos – 28 Prozent an E-Neuzulassungen waren es demnach allein 2025. „Das Straßenbild verändert sich rasant in Montevideo mit lauter Laternenparkern. Einfach, weil es viel günstiger ist, elektrisch zu fahren, und man nicht fürchten muss, dass der Weltmarktpreis für Rohöl bei mir in der Strom- und Tankrechnung schwere Löcher reißt“, schwärmt der Mainleuser. "Man muss es sich leisten können, Benzin und Diesel zu tanken – und das sage ich mit Blick auf den Iran-Konflikt, von dem keiner weiß, wie lange er anhalten wird."












