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Letzter Tag in Bad Kissingen
Buchhandlung Seitenweise schließt nach 152 Jahren
Ein paar Bücher und leere Regale: Die Buchhandlung „seitenweise“ ist seit Samstag geschlossen.
Ein paar Bücher und leere Regale: Die Buchhandlung „seitenweise“ ist seit Samstag geschlossen. // Sigismund von Dobschütz
Bad Kissingen – Nach anderthalb Jahrhunderten schließt die älteste Buchhandlung Bad Kissingens. Ein Ort voller Geschichten verabschiedet sich. So war der letzte Tag.

Am Samstag, 21. Februar 2026, hatte die Bad Kissinger Buchhandlung Seitenweise in der Ludwigstraße ihren letzten Verkaufstag. Damit endete nach 152 Jahren eine Ära, die im Jahr 1874 in der Kurstadt ihren Anfang nahm. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.

Damals eröffnete die in Meiningen (Thüringen) ansässige Verlagsbuchhandlung Brückner & Renner zunächst eine Filiale, die zehn Jahre später von Filialleiter Otto Levin (1849 bis 1906) in Eigenregie als unabhängiges Buchfachgeschäft fortgeführt wurde.

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Dessen Sohn Rudolf übernahm die „Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung mit Antiquariat“. Ihm folgte schließlich Karl Reinisch als Inhaber, bis dessen Tochter Isolde Wojahn-Reinisch (1923 bis 2014) das Fachgeschäft als Buchhandlung Reinisch zu einer bei Einwohnern und Kurgästen bis heute bekannten Institution machte.

Diese Tradition eines unabhängigen Buchfachgeschäfts setzte schließlich Buchhändlerin Claudia Bollenbacher ab 2018 gegen die wachsende Konkurrenz von Online-Handel und großen Buchhandelsketten fort. Doch seit Samstag bleiben die Türen dieser ältesten Buchhandlung Bad Kissingens für immer geschlossen.

Unter den vielen Gästen, die zur Abschiedsfeier ein letztes Mal in die Buchhandlung kamen, waren langjährige Geschäfts- und Veranstaltungspartner, regionale Autorinnen und Autoren sowie treue Stammkunden wie Hilla Schütze und Hans Freiherr von Bibra, deren Familien anhand archivierter Rechnungen aus den Jahren 1910 und 1911 als älteste Kunden nachweisbar sind.

Großer Dank für die Unterstützung

Schütze war es auch, die sich für den unermüdlichen Einsatz Bollenbachers für die Literatur bedankte. Literaturkritiker Sigismund von Dobschütz hob in seinen Dankesworten das Engagement Bollenbachers hervor, mit einer Vielfalt literarischer Veranstaltungen das kulturelle Angebot der Kurstadt um einen Sektor bereichert zu haben, den es zuvor nicht gegeben hatte. Im Namen ihrer Autorenkolleginnen Natascha Kippes (Hammelburg) und Josie Pinkman (Bad Kissingen) bedankte sich Schriftstellerin Phillippa Penn aus Sulzthal für die in dieser Branche seltene Förderung: „Als Selfpublisher, die wir das gesamte finanzielle Risiko zur Veröffentlichung unserer Bücher allein tragen, hatten wir in Frau Bollenbacher immer eine wertvolle Stütze.“

Der Bad Kissinger Autor Matthias Soeder (links) stellte seinen historischen Roman „Tinte und Schwert“ vor.
Der Bad Kissinger Autor Matthias Soeder (links) stellte seinen historischen Roman „Tinte und Schwert“ vor. // Sigismund von Dobschütz

Als letztes Zeichen dieser Unterstützung hatte der Bad Kissinger Schriftsteller Matthias Soeder noch einmal Gelegenheit, im Kreis der Abschiedsgäste seinen neuen historischen Roman „Tinte und Schwert“ vorzustellen.

Zum Abschied gab es Blumen und kleine Geschenke.
Zum Abschied gab es Blumen und kleine Geschenke. // Sigismund von Dobschütz

Hinweis: Gültige Gutscheine der Bad Kissinger Buchhandlung „seitenweise“ können noch im Bücher-Pavillon von Martin Eisenmann im Staatsbad Bad Bocklet (An der Promenade 1) eingelöst werden.

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