Nicht ohne Hürden, aber mit einem Happy End ging die Jahreshauptversammlung der „Tafel Bad Kissingen“ zu Ende. Nach einer emotionalen Auseinandersetzung mit Vorwürfen gegen Vorsitzenden Nico Eckert und einem präzisen Bericht von Kassenprüferin Astrid Obermann, in dem sie eine Entlastung mit Auflagen empfahl, wählten die 47 anwesenden Mitglieder mit überwältigender Mehrheit eine neue Führung rund um Dagmar Ziegler und Angela Kahle.
An der Belastungsgrenze
Die Jahre 2021 und 2022 standen im Fokus der Jahreshauptversammlung und es war die Zeit, in der Nico Eckert die Kissinger Tafel als Vorsitzender geleitet hatte. In dieser Zeit, geprägt durch Corona und dem Ukrainekrieg, waren es einerseits eingeschränkte Aktivitäten und andererseits große Herausforderungen, die das ganze Tafel-Team an die Belastungsgrenzen führte.
Weniger Tafelspenden und ein erhöhter Aufwand für die Ausgabe der Lebensmittel waren ebenso die Folge wie ein „Aufnahmestopp, um die bisherigen Kunden versorgen zu können“, so Sarah Hübner als Schriftführerin des Vereins. Hinzu kam ein Schadensfall an einer Gefrierzelle, weshalb 700 Kilogramm Lebensmittel entsorgt werden mussten.
Schulungen und Investitionen
Sara Hübner berichtete von Spendenaktionen von Edeka und Rewe, von unterstützenden Aktionen wie vom Forsthaus Klaushof und vom Bad Kissinger Lions-Club und von Weihnachtspäckchen für Bedürftige, die über die Tafel ausgegeben wurden. Schulungen auf regionaler und übergeordneter Ebene ergänzten die Maßnahmen ebenso wie Investitionen in ein Hochregallager oder die Teilnahme am Pin-Verkauf beim Rakoczyfest 2022.
Mit Lebensmitteln und weiteren Produkten des täglichen Bedarfs wurden 533 Bedürftige versorgt. Damit kommen die Waren nicht nur von den Unterstützern aus der Region, sondern werden auch von Zentrallagern abgeholt. Hierfür werden mit vier Fahrzeugen pro Jahr 32.000 Kilometern zurückgelegt, wofür 2400 Arbeitsstunden in den Fahrtenbüchern vermerkt sind.
Im Schnitt 28 Helferinnen und Helfer im Einsatz
Für die Vorbereitungen und die Ausgaben am Mittwoch und am Samstag waren durchschnittlich 28 Helferinnen und Helfer im Einsatz, so Sarah Hübner, die rund 140 Stunden pro Woche einbringen: „Das summiert sich auf 7000 ehrenamtliche Stunden.“ Der aktuelle Stand beträgt 136 Mitglieder.
Kritisch nachgefragt wurde beim Punkt „Versicherungen“, die von Sarah Hübner überprüft und aktualisiert wurden. Dabei wurden auch neue Verträge abgeschlossen. Die Mitglieder wollten von ihr wissen, ob es dabei nicht zu Interessenkonflikten gekommen sei, da sie als Inhaberin einer Versicherungsagentur einige Versicherungen ins eigene Portfolio übernommen hatte. Für den Wechsel der Versicherungen liege ein Vorstandsbeschluss vor, so die Antwort, und außerdem sei der Tafel Bad Kissingen kein finanzieller Nachteil entstanden.
Spenden
Einen Überblick über die finanzielle Situation des Vereins und der „Versteckten Engel“ gab Schatzmeisterin Julia Zeller. Im Jahr 2021 bewegten sich die Einnahmen im mittleren fünfstelligen Bereich mit Spenden in Höhe von knapp 35.000 Euro. 18.500 Euro haben die Abholer bezahlt.
Zu den Ausgaben zählen in erste Linie laufende Kosten für Energie, Verwaltung, Angestellte und Treibstoffe. Außerdem waren ein paar Anschaffungen notwendig. Im Jahr 2021 belief sich der Überschuss auf rund 4000 Euro und Julia Zeller berichtete von einer gesicherten Finanzlage.
Die besondere Situation des Jahres 2022 spiegelte sich auch in den Zahlen wider. Die Einnahmen verdoppelten sich und waren jenseits der 100.000 Euro-Grenze. Ursache war die gestiegene Spendenbereitschaft. Weil seit dem Ukrainekrieg auch mehr geflüchtete Menschen Unterstützung brauchen, erhöhten sich auch hier die Einnahmen auf 25.700 Euro, denn jeder Abholer muss einen Obolus leisten.
Geplante Investitionen nicht realisiert
Im Gegenzug reduzierten sich die Ausgaben, unter anderem aber auch nur, weil Investitionen in eine Kistenspülmaschine oder ein neues Fahrzeug nicht realisiert werden konnten. So stiegen die finanziellen Rücklagen des Vereins, und es kamen Fragen bezüglich der gemeinnützigen Verwendung der Gelder auf.
Einen detaillierten Prüfungsbericht präsentierte Astrid Obermann, die mit Marina Wiesend Kasse und Bücher des Tafel-Vereins geprüft hatte. Sie bemängelte, dass Einnahmen nicht zeitnah einbezahlt wurden, dass es Differenzen bei Eintragungen gab. Bei den festgestellten Unstimmigkeiten betonte sie, wie wichtig das Vier-Augen-Prinzip sei und dass klare Regeln für Transparenz sorgten.
Unregelmäßigkeiten ausgeglichen
Kritisch setzte sie sich mit Vorwürfen auseinander, die zum Beispiel die private Nutzung der vereinsbezogenen EC-Karte durch den Vorsitzenden betraf beziehungsweise die private Nutzung des Tafel-Autos. Julia Zeller berichtete, dass die Tafel Deutschland, Dachverband von 960 Tafelvereinen, eingeschaltet war und feststellte, dass der Tafel Bad Kissingen kein Vermögensschaden entstanden sei. Mittlerweile seien die finanziellen Unregelmäßigkeiten ausgeglichen.
Der Empfehlung, die Entlastung mit der Auflage zu erteilen, die festgestellten Mängel durch entsprechende Regelungen abzustellen, folgten 30 Mitglieder, sieben Mitglieder stimmten mit Nein.
In den nachfolgenden Neuwahlen wurden Dagmar Ziegler als Vorsitzende, Angela Kahle als ihre Stellvertreterin sowie Julia Zeller als Schatzmeisterin und Astrid Obermann als Schriftführerin gewählt. Beisitzer sind Gerlinde Warmuth und Peter Sell. Als Kassenprüferinnen fungieren Iris Hönig und Marina Wiesend.
Hedwig Herrmann verabschiedet
Dagmar Ziegler erklärte, sie möchte nun nach vorne schauen und gemeinsam mit dem Tafel-Team Menschen in Not helfen. In Abwesenheit wurde Hedwig Herrmann verabschiedet und für ihr besonderes Engagement seit der Gründung des Vereins im Jahr 2004 gewürdigt. Daraus ergab sich der Hinweis, dass die die Tafel Bad Kissingen nächstes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern kann.
Mitglieder geehrt
Schließlich wurden weitere langjährige Mitglieder ausgezeichnet: Für 15 Jahre Birgit Eber, Marina Wiesend, Sabine Schmück, Franzi Waltenberger und Elisabeth Wehner sowie für zehn Jahre: Christa Becker, Helga Bub, Luise Koziol, Adelheid Markard, Elisabeth May, Marco Pfister, Christianna Ruppert, Michael Scheit, Nina Simon, Hildegard Sonnenschein, Heinz Voll und Helga Weber.
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