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Circus Arena in Bad Kissingen
„Wenn du in die Manege gehst, bist du ein anderer Mensch“
Das Logo des Zirkus über dem Haupteingang.
Das Logo des Zirkus über dem Haupteingang. // Jürgen Wittrin
Von links: Georg Frank neben seinem Urenkel Santino.
Von links: Georg Frank neben seinem Urenkel Santino. // Jürgen Wittrin
Bad Kissingen – Der 83-jährige Georg „Ehe“ Frank lebt für den Circus Arena und die Manege, genau wie sein Urenkel Santino. Ein Blick in eine Welt, in der Familie und Tradition Hand in Hand gehen.

Wenn die Lichter angehen und das Publikum erwartungsvoll in die Manege blickt, beginnt für Georg „Ehe“ Frank der Moment, in dem alles Sinn ergibt. 83 Jahre alt ist er inzwischen – und steht noch immer Abend für Abend im Rampenlicht des Circus Arena, der derzeit in Bad Kissingen gastiert. „Das ist mein Beruf“, sagt er schlicht. Mehr braucht es nicht, um zu verstehen, dass Zirkus für ihn kein Job ist, sondern Lebensform. Geboren im Wohnwagen, mitten im Krieg, kennt er nichts anderes. Urlaub? „Ach, Gottes Willen“, winkt er ab. „Da hast du gar keine Ruhe.“

Ehe Frank leitet den Zirkus auch mit 84 Jahren noch souverän und mit viel Elan.
Ehe Frank leitet den Zirkus auch mit 83 Jahren noch souverän und mit viel Elan. // Jürgen Wittrin

Neben ihm steht Santino, sein Urenkel, 13 Jahre jung. Er hört zu, wenn der Großvater von früher erzählt – von Traktoren, die nur 17 Kilometer pro Stunde fuhren, von Engagements in Spanien und Marokko, von Zeiten, in denen man mit dem Teller durch die Menge ging. Santino kennt diese Geschichten, viele davon hat er schon oft gehört. Und doch fragt er immer wieder nach. „Wie du Oma Isolde kennengelernt hast“, sagt er, wenn man ihn nach seiner Lieblingsgeschichte fragt. Denn auch das gehört zum Zirkusleben: die Liebe, die Familie, das Weitergeben.

„Ehe“ lernte seine Frau 1962 als Teil eines Wandertheaters kennen. „Du, schau mal, die wird meine Frau“, erzählte er damals als Scherz seinem Freund, der mit bei der Aufführung war. Heute erzählt er Santino: „So ein Funken Ernst war auch dabei.“ Ganze 53 Jahre Ehe verband die beiden. 

„Ehe“ und Santino – Generationen im Gleichgewicht

Was bleibt, wenn die Manege leer ist und die Lichter ausgehen? Für Georg Frank ist die Antwort klar: der Zusammenhalt. „Dass der Zirkus weiterläuft und die Kinder zusammenhalten“, sagt er. Es klingt wie ein Wunsch, aber auch wie eine Mahnung. Denn in einer Großfamilie wie seiner mit Dutzenden Kindern, Enkeln und Urenkeln braucht es jemanden, der das Zepter in der Hand hält. „Wie ein Richter“, sagt Georg und lacht. Einer, der sagt: „Genug gestritten – morgen sprecht ihr wieder miteinander.“

Santino hört zu, nickt. Für ihn steht fest: Er will weitermachen. „Auf jeden Fall“, sagt er. Die Tradition soll weiterleben – nicht nur als Beruf, sondern als Lebensform. Was junge Menschen vom Zirkus lernen können? „Respekt“, sagt Georg. „Zusammenhalt. Jeder muss respektiert werden, egal, was er macht. Als Mensch und mit seiner Arbeit.“

Der zutrauliche Wallach des Circus Arena.
Der zutrauliche Wallach „Tiger“ des Circus Arena. // Jürgen Wittrin

Das klingt nicht einfach – und ist es auch nicht. Familie und Arbeit sind im Zirkus untrennbar miteinander verwoben. „Ich habe Boxen gelernt“, erzählt Georg. „Da muss man sich durchkämpfen. Und man muss eine gute Stimme haben wie ein Sänger. Und ein Diplomat sein.“ Denn wer Menschen zusammenhalten will, muss mehr können als Kunststücke – er muss zuhören, führen, verbinden.

Abseits der Manege? Da liegt Georg am liebsten auf dem Sofa. Nicht zum Schlafen, sondern zum Nachdenken. „Was kannst du noch besser machen? Noch leichter?“ Denn im Zirkus wird alles per Hand gemacht. Maschinen gibt es nicht. Nur Ideen, Erfahrung – und viel Arbeit.

Eines der zwei Hochlandrinder des Circus Arena.
Eines der zwei Hochlandrinder des Circus Arena. // Jürgen Wittrin

Und der Spitzname „Ehe“? Der stammt aus Kindertagen. „Meine Schwester Margot konnte nicht Georg sagen“, erzählt er. „Sie hat immer ‚Ehe‘ gesagt. Und so ist es geblieben.“ Ein Spitzname, der heute auf Plakaten steht – und in den Geschichten, die Santino weiterträgt.

Ein Leben zwischen Tieren, Träumen und Tradition

Santino ist mit seinen 13 Jahre schon mittendrin im Zirkusleben. Wenn man ihn nach seinen Hobbys fragt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Arbeiten.“ Aber für ihn ist die Manege kein Ort der Pflicht, sondern der Freude. „Sich zu präsentieren“, ergänzt Georg stolz. In der Schule liebt Santino vor allem den Sportunterricht – Bewegung liegt ihm im Blut.

Als Hauptdarsteller im Film „Zirkuskind“ hat Santino gelernt, wie es ist, wenn eine Kamera das eigene Leben begleitet. „Am Anfang war’s komisch“, sagt er. „Aber dann gewöhnt man sich dran.“

Besonders cool fand er die Szene, in der sein Bruder auf ihm herumgesprungen ist – und die Geschichte von Oma Isolde, die sein Urgroßvater ihm erzählt hat. Der Film wurde unter anderem auf der Berlinale gezeigt, offizieller Kinostart war der 16. Oktober.

Das Leben im Zirkus ist für Santino „normal“. Cousins und Cousinen sind immer da, die Tiere auch – besonders seine vier Hunde, die morgens bellend vor seinem Wagen stehen und darauf warten, hineinspringen zu dürfen. „Andere Kinder haben ihren Spielplatz – unserer ist draußen oder im Stall“, sagt Georg. Und Santino ergänzt: „Mein Papa macht mit uns immer Zeitrennen beim Stallaufbau. Wer die letzte Stange trägt, kriegt 20 Euro – da machen wir Schnick Schnack Schnuck.“ 

Die Außenansicht der Tiergehege.
Die Außenansicht der Tiergehege. // Jürgen Wittrin

Die Vierbeiner reisen meist schon am Vorabend an, denn sie sind das Leben auf Tour gewohnt. Noch bevor die Wagen entladen werden, wird nachts der Stall aufgebaut, damit die Tiere Platz haben – eine eingespielte Routine. 

Zu den verschiedenen Tieren des Zirkus gehören auch Esel.
Zu den verschiedenen Tieren des Zirkus gehören auch Esel. // Jürgen Wittrin

Der Zirkus reist mit mehr als 30 Anhängern und sechs Zugmaschinen. Der Aufbau des Zelts passiert nicht immer zur gleichen Zeit, aber wenn die Familie morgens um 8 Uhr beginnt, ist alles zur Vorstellung um 16 Uhr fertig. Das funktioniert nur, weil alle mithelfen. Die Familie reist ohne Musiker und Helfer, deshalb müssen alle anpacken, die Kinder lernen von den Erwachsenen, wie das Zelt aufgebaut oder die Tiere versorgt werden.

Was Santino von seinem Urgroßvater gelernt hat? „Dass man mit der Familie zusammen sein muss und sich nicht streiten darf.“ Natürlich gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten – aber dann braucht es jemanden, der vermittelt. „Damit es nicht ausartet“, sagt Georg. Und die gemeinsame Zeit in der Manege? „Für mich ist das normal“, sagt der 83-Jährige, „wie für einen Musiker, der auf der Bühne steht“.

Mehrere Ponys befinden sich zusammen in einem Gehege.
Mehrere Ponys befinden sich zusammen in einem Gehege. // Jürgen Wittrin

Später möchte Santino im Zirkus bleiben – vielleicht mit den Hunden, vielleicht als Akrobat. „Ich will Rulla Rulla lernen“, sagt er. Eine Balance-Nummer mit Brett und Rolle, bei der man Kunststücke zeigt. Und wenn andere Kinder ihn fragen, wie sein Alltag aussieht, erzählt er von frühem Aufstehen, Tierpflege und Arbeit. „Wir sind das gewöhnt“, sagt er.

Was ist heute anders als vor vielen Jahren? „Wo früher ein Elefant auf dem Marktplatz genügte, braucht es heute gezielte Werbung, Online-Tickets und Aktionen, ansonsten wie immer“, meint Georg. „Du arbeitest, du bist hintendran, dass alles läuft. Wenn du in die Manege gehst, bist du ein anderer Mensch. Und wenn der Laden voll ist, dann geht das Herz auf.“

Ein Erbe, das weiterlebt

Was „Ehe“ Frank über Jahrzehnte aufgebaut hat, lebt in Santino weiter – nicht nur in der Manege, sondern im Herzen. Der Zirkus ist für beide mehr als Beruf: Er ist Familie, Verantwortung, Lebensschule. Zwischen Wohnwagen und Stall, zwischen Applaus und Alltag, entsteht ein Miteinander, das Generationen verbindet.

Eines der Kamele kaut auf den Ästen herum.
Eines der Kamele kaut auf den Ästen herum. // Jürgen Wittrin

Santino wächst in einer Welt auf, in der Arbeit und Spiel eins sind, in der Geschichten weitergegeben werden wie Kunststücke – mit Stolz, mit Liebe, mit einem Augenzwinkern. Und wenn er eines Tages selbst das Zepter übernimmt, wird er wissen, was zu tun ist. Denn er hat gelernt: Zusammenhalt ist das Fundament, Respekt das Werkzeug – und die Manege das Zuhause.

Vorstellungstermine in Bad Kissingen

  • Samstag, 18. Oktober, um 15 und 18.30 Uhr (Sparabend: alle Tickets 15 Euro)
  • Sonntag, 19. Oktober, um 11 und 15 Uhr (Mütter haben freien Eintritt)
  • Donnerstag, 23. Oktober, um 16 Uhr (Familientag: Erwachsene zahlen Kinderpreise)
  • Freitag, 24. Oktober, um 16 Uhr (Familientag)
  • Samstag, 25. Oktober, um 15 Uhr
  • Sonntag, 26. Oktober, um 11Uhr (Abschiedsmatinee)

Das Zelt ist beheizt, Vorverkauf täglich von 10 bis 11 Uhr an der Zirkuskasse.

Online-Tickets sind ebenfalls verfügbar.

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