Seit Anfang der 1950er-Jahre ist der Heiligenhof in Bad Kissingen eine Heimstätte für junge Menschen. Anfangs kamen nur die Kinder von sudetendeutschen Vertriebenen zu den oft mehrwöchigen Veranstaltungen, heute treffen sich Kinder und Jugendliche aus der gesamten Bundesrepublik und halb Europa in der Einrichtung.
Träger ist die Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk. Steffen Hörtler ist seit über 20 Jahren deren Stiftungsdirektor. Der 51-Jährige spricht unter anderem über die Bedeutung des erlebnispädagogischen Zentrums, das der Heiligenhof heute ist, für die Stadt Bad Kissingen und die historischen Anfänge der Einrichtung.
Herr Hörtler, der Heiligenhof will für kulturelle und politische Tradition, Gastfreundschaft und Toleranz stehen. Was steckt hinter diesem schönen Ansatz?
Steffen Hörtler: Dazu muss ich etwas ausholen. Der Heiligenhof ist das erste gemeinschaftliche Eigentum, das die Sudetendeutschen besessen haben. Er steht also ganz exemplarisch für das Verhältnis zwischen Deutschen, Sudetendeutschen, Bayern und Tschechen. Die Begegnung von Menschen aus Deutschland und Tschechien ist bis heute das Kerngeschäft unseres Hauses. Wir wollen politische Bildung bieten, sind aber auch ein Ort für Freizeit und bieten seit über 20 Jahren ein erlebnispädagogisches Programm. Wir leben diesen Ansatz also damit, dass unser Haus offen für alle ist, abgesehen von links- oder rechtsextremen Gruppen. Bei uns wird Gemeinschaft gelebt, besonders für junge Menschen.
Über die Jahre hat sich die Einrichtung immer wieder verändert. Welche Rolle spielt der jetzt fertiggestellte Neubau für die Zukunft des Heiligenhofs?
Hörtler: Er war dringend notwendig. Wir haben 224 Betten und sind von März bis Mitte November quasi durchgehend ausgebucht. Unser Speisesaal hatte aber nur 100 Plätze. Wir mussten also in Schichten essen und haben Lehr- zu Speisesälen umfunktioniert. Das ist auf Dauer nicht zumutbar. Auch die alte Küche hat zwar gut funktioniert, ist aber in die Jahre gekommen. Jetzt erfüllen wir sehr moderne Standards.
Inwiefern genau?
Hörtler: Zum Beispiel mit Blick auf die Raumgrößen. Seit der Corona-Pandemie gibt es bei Gemeinschaftsunterkünften ein anderes Raumempfinden. Vorher sind 100 Leute ohne Diskussion in einen 120-Quadratmeter-Saal gegangen. Das ist seit der Pandemie anders. Diesem tragen wir jetzt Rechnung. Zu den Dimensionen: Der Littmann-Saal im Regentenbau misst ungefähr 455 Quadratmeter, unser neuer Saal 720 Quadratmeter.
Sehen Sie den Heiligenhof für die Zukunft damit gut aufgestellt?
Hörtler: Ja, der Bau war dafür absolut erforderlich. Hätten meine Vorgänger vor vielen Jahren nicht den Mut gehabt, die Anlage zu erweitern, würde es uns heute so nicht mehr geben. Und hätten wir jetzt nicht den Mut dazu gehabt, hätten wir keine Zukunft.
Was hat das Projekt in Summe gekostet?
Hörtler: Es ist zu 95 Prozent abgeschlossen und wir liegen bei rund 8,2 Millionen Euro. Zwei Millionen erhalten wir an Förderungen durch den Freistaat Bayern, über vier Millionen Euro nehmen wir einen Kredit auf. Der Rest sind Eigenmittel, insbesondere auch durch Spenden von Gästen finanziert. Eine Person hat alleine rund 100.000 Euro beigesteuert. Das macht mich natürlich stolz und ist die schönste Bestätigung für unsere Arbeit. Natürlich ist es aber auch eine Herausforderung für uns, dass wir künftig einen Kredit in dieser Höhe tilgen müssen.
Eine Herausforderung für Ihr Haus war auch die einjährige Sperre für Paddelsport auf der Fränkischen Saale. Viele Gruppen kommen speziell dafür zu Ihnen und Sie haben damals große Einbußen befürchtet. Wie schlimm ist es letztlich gekommen?
Hörtler: Wir hatten etwa 1000 Übernachtungen weniger. Die Schwierigkeit bestand 2024 ja auch darin, dass wir im Jahr 2023 den Schwerpunkt in der Erlebnispädagogik auf Wassersport gelegt und das sehr beworben hatten. In Summe rechnen wir mit einem Umsatzverlust von rund 40.000 Euro für den Heiligenhof durch das Verbot.
Der Heiligenhof ist ein Traditionshaus. Wie schätzen Sie seine Bedeutung für die Stadt Bad Kissingen ein?
Hörtler: Er ist ganz zentral für die Stadt. Alleine schon, weil so viele junge Menschen zu uns kommen. Wir erleben es ganz massiv, dass diese Menschen später auch wiederkommen, weil sie gute Erinnerungen an Bad Kissingen haben. Durch unser Angebot ist es für Gästegruppen mit kleinerem Budget möglich, hier herzukommen. Deshalb ärgere ich mich nach wie vor sehr darüber, dass die Gruppen auf unserem Zeltplatz Kurtaxe bezahlen müssen. Die ist oft teurer als die Übernachtung an sich. Außerdem haben wir im Hinblick auf Völkerverständigung und Bildungsarbeit eine herausragende Funktion.













