Werner Casagranda hat Zigarren aus Costa Rica mitgebracht. Der grauhaarige Händler überreicht den zehn Männern „Olman Founders Edition“. Der Tabak stammt aus Ecuador, Brasilien, der Dominikanischen Republik und einem unbekannten Land. „Warum wird das vierte Land nicht genannt? Weil man sonst die Nase rümpfen würde?“, scherzt Manuel Streng. „Ich habe nicht nachgefragt!“, schwäbelt der Zigarren-Importeur aus Esslingen.
Die Männer bohren die Zigarren an, zünden sie an und nehmen den ersten Zug. Qualm wabert in der Luft und es riecht nach Tabak. „Zum Einstieg rauchen wir eine eher milde Zigarre. Die zweite ist schon stärker.“ Die Zigarrenconnaisseure hören Casagranda interessiert zu, nippen ab und zu an ihrem Bier. Langsam verschwindet die Sonne hinter den Dächern – und damit die Hitze am Bistro Kaffeefleck auf dem Marktplatz in Bad Kissingen.
Zum dritten Mal hat Oliver Thomsen zum Zigarrenstammtisch eingeladen. Zigarren-Liebhaber, Aficionados genannt, können hier für zehn Euro zwei Zigarren aus Lateinamerika rauchen, fachsimpeln und über Gott und die Welt schnacken. Einige Männer kennt Thomsen. Der Hippie mit Vollbart und Mütze, Manuel Streng, arbeitet in seinem Laden Genussraum wenige Straßen weiter. Stefan Härtel, der aus dem Kreis Schweinfurt kommt, ist Stammkunde – mit der Begründung: „In Schweinfurt gibt es einfach keinen guten Zigarrenladen!“
Obwohl sich alle duzen, sehen sich manche an diesem Abend zum ersten Mal. Steffen Richter, der ruhig an seiner Zigarre zieht, ist ein Tourist aus Berlin. Nicht ganz so weit war die Anfahrt für Peter Deisinger und seine Kumpels Dieter Hein und Uwe Greubel. Sie kommen aus Ebenhausen.
Zu Beginn genießen die meisten Raucher still und leise ihre Zigarren. Doch nach und nach lockert sich die Stimmung. Die Männer erzählen von ihren Raucherfahrungen in China, gutem Essen, dem Krieg im Iran und was in die alte Commerzbank-Filiale hineinkommt. Werner Casagranda quatscht mit, als wäre er nur zum Vergnügen hier, und geht auf Fragen wie „Kommt die Lieferung auf dem See- oder Luftweg?“ (Antwort: per Luftweg) ein. Ein Mann mit dicker Zigarre schlendert zufällig vorbei und zeigt den Daumen hoch.
Rauchen wie die Indianer
„Zigarren bestehen aus reinem Tabak. Schon die Indianer haben so geraucht“, sagt Oliver Thomsen. Der Tabak habe je nach Herkunftsland einen anderen Geschmack. „Kuba und Nicaragua liegen auf demselben Breitengrad und haben vulkanhaltige Böden. Deswegen schmeckt der Tabak ähnlich.“
Wie Oliver Thomas erklärt, habe eine Zigarre drei Bestandteile: Im Inneren befinde sich die Einlage mit mehreren Tabakblättern. Ein Umblatt halte die Einlage zusammen. Das Deckblatt bilde die äußere Schicht. „Für viele ist das Deckblatt zu 30 Prozent für den Geschmack entscheidend“, sagt Thomsen, „die Kubaner sagen aber, dass das Deckblatt nur das Kleid ist und die Einlage den Geschmack ausmacht.“
Die Aficionados wissen, wie sie ihre Zigarre genießen können. Sie rauchen nicht auf Lunge, sondern paffen nur. „Den Geschmack einer Zigarre nehmen wir mit dem Mund auf“, sagt Stefan Härtel. Darüber hinaus wirke eine Zigarre wie eine Schachtel Zigaretten. Und: Die Männer klopfen den Stängel nicht ab, sondern streifen ihn ab oder lassen ihn auf dem Aschenbecher liegen, bis die Asche von allein abfällt.
Lob für die Zigarre
Manuel Streng lobt die Marke Olman Founders Edition: „Sie ist toll verarbeitet und raucht sich schön langsam.“ Sonst greift der 36-Jährige, der als Pfeifenraucher zu Thomsens Geschäft fand und später Mitarbeiter wurde, vor allem auf „kräftige und gehaltvolle“ Zigarren aus Nicaragua zurück.
Auch der 70-jährige Berufssoldat a. D. Peter Deisinger lobt die Zigarren – und die Getränke. „Ich habe zufällig vom Zigarrenstammtisch erfahren“, sagt der 61-jährige Steffen Richter. Aus seiner Heimat Berlin kennt der Polizist großzügigere Regelungen beim Rauchen, wo das sogar in Innenräumen von Kneipen erlaubt ist.
Echte Genussmenschen
Schließlich gibt Casagranda den Männern, die inzwischen ein Gläschen Whiskey trinken, die zweite Zigarre: die costa-ricanische D8 mit Tabak aus Ecuador, Costa Rica, Peru und der Dominikanischen Republik.
Die Stammtischler bereiten ihre Zigarre in aller Ruhe fürs Rauchen vor. „Zigarrenraucher sind Genussmenschen“, formuliert es Thomsen treffend. Und Steffen Richter nennt ein Zitat unbekannten Ursprungs: „Der wahre Luxus an einer Zigarre ist nicht der Preis, sondern die Zeit, die man mit ihr verbringt.“
Hinweis: Oliver Thomsen lädt monatlich zum Zigarrenstammtisch beim Kaffeefleck (Marktplatz 20) ein – allerdings nur in den Sommermonaten. Zu Gast ist immer ein Vertreter der Branche. Diesjähriger Höhepunkt ist das Sommerfest am Freitag, 7. August, um 18.30 Uhr. Es kommt der Zigarrenproduzent Abe Flores aus der Dominikanischen Republik. Für 39 Euro gibt es Fingerfood, ein Cocktail und natürlich zwei Zigarren. Um Anmeldung im Genussraum an der Ludwigstraße 23 oder per E-Mail an olli@genussraum-badkissingen.de wird gebeten.





























