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Rätselhafte Abkürzungen
Von GZSZ bis WWE
Thomas Ahnert kommentiert.
Thomas Ahnert kommentiert. // Saale-Zeitung
Bad Kissingen – Abkürzungen geben oft Rätsel auf, nicht alle können geknackt werden – oder?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserin, lieber Leser, aber ich habe den Eindruck, dass wir in einer Welt der zunehmenden Abkürzungen leben. Schuld sind natürlich einmal mehr die Social Media, wo man viele schreiben muss, aber nur wenig schreiben will: „lol“, „4u“ oder „asap“ kennt man ja. Aber auch vor allem die privaten Fernsehsender sind mitverantwortlich. „GZSZ“ war die erste Abkürzung, die ich lernen musste – allein schon um zu wissen, was ich nicht anschauen wollte.

Die Sendung Lindenstraße als Verweigerer

Die „Lindenstraße“ hat sich der Abkürzerei ja immer verweigert. Dann ging es Schlag auf Schlag; „WWM“, „DSDS“, „GNTM“, „LD“ – Sie können bestimmt noch folgen. Demnächst kommt sicher „DSWNWG“. Sie wissen nicht was das ist? Fragen Sie die Dame und Herren Schöneberger, Jauch und Geers … halt, nein! Es war etwas mit G … ach ja, Gottschalk! Die dürfen es nicht einmal wissen, sonst ist ihre Sendung kaputt.

Ganz früher war ja auch die DDR ein verlässlicher Lieferant mit großem Einfluss. „BRD“ durften wir im Westen nicht sagen, sonst waren wir Stasi-verdächtig. Und bei „DDR“ mussten wir „die sogenannte“ voranstellen oder die Anführungszeichen irgendwie hörbar machen. Das klang so, wie wenn heute im Fernsehen die Gendersternchen mitgesprochen werden. Für mich die schönste Abkürzung war „Güst“. Das war der Vorposten fünf Kilometer vor der Grenze, an dem die DDR-Bürger, die in den Westen wollten, im Gegensatz zu uns wieder umkehren mussten.

Energie oder Sport?

Kürzlich las ich eine Überschrift, die mir definitiv meine Grenzen gezeigt hat. „WWE zieht bei RAW neues Ass aus dem Ärmel“ war da zu lesen. Was um Himmels willen ist „WWE“? Ich kenne „WWM“ und „WWF“, aber das? Ich dachte spontan, dass es etwas mit Energie zu tun hat, denn „RAW“ ist für mich das ehemalige „Reichsbahnausbesserungswerk“ in Meiningen, und dass die drei Buchstaben vielleicht für Westwestfälisches Energieunternehmen steht - nicht lachen! Es gibt ja schließlich auch ein Ostwestfalen mit einem westlichen Teil. Aber das machte alles keinen Sinn.

Mit Blick auf Wrestling

Bei der Recherche habe ich immerhin herausbekommen, dass „WWE“ eine Organisation ist, die sich dem Wrestling verschrieben hat. Das ist die nicht sonderlich durchgeistigte Sportart, bei der sich üppigere Herren in die Wolle und an die Rettungsringe geraten, sich gegenseitig, am liebsten an den Ohren, verknoten und dann mit Karacho auf den Boden schmeißen. Aber „RAW“ konnte ich nicht knacken. Es bleibt für mich das englische Wort für „roh“ oder ein digitales Abspeichersystem.

Hier kommt der Schiedsrichter zum Einsatz

Wirklich geärgert habe ich mich in letzter Zeit über eine Abkürzung, die zurzeit heftig diskutiert wird: „VAR“. Meine ersten Entschlüsselungsversuche liefen natürlich völlig in die Irre: Vereinigte Arabische … ??? „Republiken“ würde buchstäblich passen. Aber Emirate haben mit Republiken am allerwenigsten zu tun. Jetzt weiß ich’s: „Video Assistent Referee“.

Das sind Kerle, die bei Fußballspielen wo auch immer in einem Kölner Keller sitzen und nur auf Fehler achten, die sonst keiner sieht. Eines der Opfer war der Leipziger Benjamin Henrichs im Spiel gegen Manchester City: Niemand hatte bei ihm ein Handspiel gesehen; der Schiedsrichter nicht, Henrichs nicht und, besonders auffällig: kein ManCity-Spieler reklamierte. Aber der VAR zitierte den Schiedsrichter zum Monitor, wo er ihn nicht überzeugen konnte. Trotzdem musste der Elfmeter gegeben werden. Der blonde „Torweger“ vollstreckte gnadenlos. Die Leipziger hatten ihren Knacks weg, und ich schaltete nach dem 0:2 ab, weil sie nicht nur gegen Haaland absehbar keine Mittel fanden. Aber der VAR hatte mal wieder bewiesen, dass er da ist.

Der Fußball muss drunter leiden

Das ist keine gute Entwicklung für den Fußball. Wenn man sich als Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernseher nicht mehr traut, im Torjubel aufzuspringen und die Arme gen Himmel zu strecken, weil man erst abwarten muss, ob der VAR nach zäher Bedenkzeit wirklich grünes Licht gibt, dann verliert der Fußball seine Seele. Denn er lebt von Emotionen. Aber mittlerweile scheint es vor allem um Geld zu gehen. Klar, wenn bei einem Länderspiel (über) eine Milliarde Euro über den Platz rennen, dann wird es schnell zu einem finanziellen Fiasko, wenn einmal ein Schnürsenkelende zwei Zentimeter über die virtuelle Abseitslinie ragt. Wie haben wir das früher nur ertragen können?

 

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