Der öffentliche Personennahverkehr in der Welterbestadt? Der ist grundsätzlich nicht schlecht, findet Verkehrsplaner Dominik Könighaus. Das liegt vor allem an den Stadtbussen. „Für eine Stadt in der Größenordnung hat Bad Kissingen ein relativ gutes Netz“, sagt der Fachmann. Eine Einschränkung vorn weg: Das Lob gilt für die Kernstadt plus Stadtteile, abgesehen von Albertshausen und Poppenroth. Diese beiden werden nicht mit einer eigenen Linie von den Stadtbussen bedient, sondern von Regionalbussen, die seltener fahren.
Busnetz: Die Pluspunkte
Das Büro „R+T Verkehrsplanung“ erstellt aktuell den Verkehrsplan der nächsten Jahre für Bad Kissingen. Der ÖPNV ist Teil der Analyse. Eine große Stärke des Stadtbusverkehrs ist nach Ansicht des Planers die gute Versorgung mit Haltestellen. Wer Bus fahren will, findet sicher eine in Wohnortnähe. „Wir haben eine sehr gute Abdeckung, sodass man zur nächsten Haltestelle nicht weit laufen muss“, sagt er.
Weiterer Pluspunkt: Die Haltestellen werden gerade zu den Hauptverkehrszeiten, also werktags am Morgen und am Abend, alle halbe Stunde angefahren. Der Stadtbus sei nicht nur auf die klassische Schülerbeförderung ausgelegt, sondern auch für Berufstätige geeignet. Auch die Preise seien vollkommen angemessen, wenn gleich Busfahren teurer ist, als in der Stadt mit dem Auto zu parken. „Das müsste man überdenken“, meint Könighaus.
Kritik: Keine Busse mehr nach 19 Uhr
Unter der Woche in der Nebenverkehrszeit (9 Uhr bis 15.30 Uhr) nimmt der Fahrtakt ab, ebenso samstags. Könighaus kritisiert das ausgedünnte Angebot am Wochenende, und dass in den Abendstunden nach 19 Uhr keine Busse mehr fahren. Hier ist die Versorgung nicht gut.
Als Lösung schlägt er vor, das Anruf-Sammel-Taxi nicht nur von Freitagabend bis Sonntag einzusetzen, sondern es auch unter der Woche nach 19 Uhr fahren zu lassen, um das ÖPNV-Angebot zu verbessern. „Man könnte es eine Saison lang anbieten und offensiv bewerben“, sagte er unlängst im Bauausschuss.
Der Vorteil: Weil es das Anruf-Sammel-Taxi bereits gibt, entstehen kaum zusätzliche Kosten für die Testphase. Das Anruf-Sammel-Taxi ist ein flexibles ÖPNV-Angebot, das auf den bestehenden Linien fährt, aber nur, wenn es mindestens eine halbe Stunde vorher telefonisch von den Reisenden bestellt wird.
Bahnhof schlecht angebunden
Das größte Manko beim Busverkehr sieht er in der Anbindung des Bahnhofs. Für Fahrgäste, die mit dem Bus zum Bahnhof wollen, sind die Verbindungen zu umständlich und dauern zu lang. Da sei das Auto attraktiver. „Die Bahn ist nicht gut mit dem Bus erreichbar. Das Bussystem ist stark auf den Berliner Platz und die Münchner Straße als Busbahnhof ausgelegt und nicht auf den Bahnhof“, erläutert der Verkehrsplaner. Im Reisezeitvergleich braucht es mit dem Bus von den meisten Haltestellen aus doppelt so lange oder länger, um zum Bahnhof zu kommen, wie mit dem Auto.
Wie lässt sich das Problem lösen? Den Busbahnhof aus der Innenstadt raus und an den Bahnhof zu verlagern, hält Könighaus nicht für sinnvoll. Der Berliner Platz und die Münchner Straßen seien sehr zentral und damit sehr günstig gelegen. Er schlägt stattdessen einen Shuttle-Verkehr vor, der die Stadtmitte mit dem Bahnhof verbindet. Auch die Kaserne mit dem großen Pendlerparkplatz oder ein künftiges Welterbe-Besucherzentrum könnten mit einem möglichen Bahnhof-Shuttle bedient werden.
Wie viel ist das Auto schneller als der Bus?
Die gute Versorgung mit Haltestellen ist einerseits eine Stärke des Kissinger Busverkehrs, andererseits zwingt das die Fahrgäste zu Abstrichen bei der Fahrdauer. Die Verbindungen zwischen Busbahnhof und Garitz, Arnshausen, Hausen und Albertshausen sind am zügigsten: Hier sind Busreisende annähernd so schnell wie Autofahrer oder brauchen eineinhalbmal so lange. Wer mit dem Bus in Richtung Wendelinus, Winkels, Bad Kissingen-Nord, Kleinbrach, Poppenroth und Reiterswiesen unterwegs ist, muss oft mit mehr als der doppelten Fahrtzeit im Vergleich zum Auto rechnen.
Keine Abdeckung am frühen Morgen
Veronika Richler-Yazeji (Grüne) kritisierte im Bauausschuss, dass der Busverkehr nicht geeignet ist, um Berufstätige mit frühem Arbeitsbeginn (7 Uhr und früher) zu befördern. Möglicherweise wäre hier auch das Anruf-Sammel-Taxi eine Option, regte Könighaus an.
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