Berufstätige, die zum Arbeiten einpendeln, Menschen aus dem Umland, die hier ihre Einkäufe, Arztbesuche und anderen Besorgungen erledigen, Anwohner, Hotelgäste, Rehapatienten sowie Tagestouristen. Ein großer Teil davon kommt mit dem Auto in die Innenstadt und braucht einen Parkplatz.
Aber reichen die vorhandenen öffentlichen Parkplätze in und um die Stadt für alle aus? Wie gut ist die Parkraumpolitik und wie gut ist die Preisgestaltung? Mit all diesen Fragen setzt sich Verkehrsplaner Dominik Könighaus seit gut einem Jahr auseinander.
Parkgebühren nicht schlüssig
Das Fazit: nicht ganz schlecht, nicht ideal, mit viel Luft nach oben. Was die parkerfreundliche Tarifgestaltung innerhalb des Stadtrings angeht, kritisiert der Fachmann deutlich: „Das ist ein bisschen wie Verkehrsplanung aus den 1980er Jahren.“ Die Tarifstruktur sei in sich nicht schlüssig, vor allem gebe es zu viele Rabatte und Vergünstigungen für Autofahrer, wenn sie zentrumsnah ihr Auto für längere Zeit abstellen.
Das Büro „R+T Verkehrsplanung“ erstellt für die Stadt das Verkehrskonzept der nächsten Jahre. Im Bauausschuss am Mittwoch hat Könighaus die wesentlichen Ergebnisse zum Parken, Stadtbusverkehr, fließenden Verkehr und zu den Fußgängern vorgestellt. Großen Verbesserungsbedarf sieht er beim Parken.
Stadt hat genug freie Parkplätze
Doch erstmal zu den guten Nachrichten: „Ich muss Ihnen heute nicht sagen, dass Sie ein neues Parkhaus bauen müssen“, erklärt Könighaus den Stadträten. Die vorhandenen Stellplätze reichen für das aktuelle Verkehrsaufkommen aus. Das Planungsbüro hat am 19. Juli 2022 – ein normaler Werktag in der Schulzeit – die Auslastung erfasst, und zwar der öffentlichen Parkplätze innerhalb und außerhalb des Stadtrings sowie in den beiden Parkhäusern. Die Stellplätze an den Straßen sind nicht Teil der Analyse.
Ergebnis: Außerhalb des Rings waren im Durchschnitt 40 Prozent der 991 kostenfreien Plätze frei, am stärksten belegt sind die Parkplätze am Kino und am Wendelinus. Aber auch hier gab es jederzeit zehn bis 20 Prozent freie Reserve.
Hohe Auslastung einzelner Parkplätze
Je näher es in Richtung Innenstadt geht, desto voller wird es, obwohl die Parkplätze dort Geld kosten. Von den 1677 Plätzen waren im Schnitt 28 Prozent nicht belegt. Wobei sich das Parkaufkommen an manchen Stellen sehr ballt. „Innerhalb des Rings gibt es Parkplätze, da habe ich als Fahrer den Eindruck, da fahre ich drauf und da ist nichts mehr frei“, berichtet Könighaus.
Bessere Lenkung nötig
Während zum Beispiel die Parkhäuser in der Regel Kapazitäten haben oder der Parkplatz in der Au, wird es am Bahnhof, in der Kurhausstraße, am Eissee und in der Bräugasse sehr knapp. Hier waren weniger als zehn Prozent Reserve übrig. Ebenfalls stark frequentiert ist der Salinenparkplatz (zehn bis 20 Prozent Reserve). „Es ist wichtig, das Aufkommen besser zu verteilen und zu managen“, rät der Experte. Also Autos von überfüllten auf weniger genutzte Plätze lenken. Das könne die Stadt über moderate Gebührenanpassungen erreichen.
Alle Plätze zusammengenommen waren auch während der höchsten Auslastung zwischen zehn Uhr vormittags und zwölf Uhr mittags noch mehr als ein Drittel aller Parkplätze unbelegt. Rund 900 Autos könnten somit noch in Bad Kissingen abgestellt werden.
Kritik an Vielzahl von Parkrabatten
Der Planer kritisiert die Tarifstruktur: Vor allem für Langzeitparker, die einen Parkschein für eine Woche oder einen Monat lösen, seien die Gebühren innerorts zu günstig – auf nahezu allen kostenpflichtigen Parkplätzen werden auf den Monat gesehen pro Stunde zehn Cent verlangt. Die Einnahmen daraus reichen nicht, um die Wartung oder Neuanschaffungen von Parkautomaten zu finanzieren. „Dafür stellen Sie Parkautomaten auf?“, fragt Könighaus das Gremium kritisch.
Große Preisspanne
Wochenendtarife, Semmeltaste und Rabatte der Werbegemeinschaft Pro Bad Kissingen vergünstigen das Parken innerorts ebenfalls. „Bad Kissingen ist Weltkulturerbe. Sie müssen das Parken nicht vergünstigen, dass die Leute zu ihnen kommen. Sie können sich andere Gebühren leisten“, sagt er. Gleichzeitig falle ihm eine große Preisspanne auf: Bräugasse und Amtsgericht sind mit zwei Euro pro Stunde recht teuer.
Die Rabatte sieht er auch deshalb kritisch, weil Parken im Vergleich zum Stadtbusverkehr deutlich günstiger ist. Entweder sollten die Fahrpreise für die Busse günstiger, oder die Parkgebühren erhöht werden, so die Empfehlung des Verkehrsplaners.
Verkehrskonzept: Auto, Parken, Rad, ÖPNV
Verkehr: Aktuell erstellt die Stadt den Verkehrsplan der nächsten Jahre. Schwerpunkt ist der Radverkehr: Ein Radwegenetz ist geplant. Die Strecken sind festgelegt, auch dürfen Radler inzwischen abends und morgens durch die Fußgängerzone fahren (wir berichteten). Die Ergebnisse zu ÖPNV, fließenden Verkehr und Fußgänger stellen wir in den nächsten Tagen vor. Ein Kommentar zum Thema
Lesen Sie auch:


















