In letzter Zeit haben mehrere langjährige Traditionsgeschäfte in Bad Kissingen die Türen schließen müssen: das Teppichgeschäft Khonsari nach über 60 Jahren, Tabak Diem nach 90 Jahren, das älteste Buchfachgeschäft Bad Kissingens nach gar 152 Jahren.
Faber-Feinkost entschied sich, nach 127 Jahren den Gründungssitz in der Innenstadt aufzugeben. Einige Leser machen sich Sorgen um die Einkaufsmöglichkeiten in der Welterbestadt.
Doch andererseits haben jüngst viele neue Geschäfte – vom Hofladen über Secondhand-Brautkleider bis zu Gesundheitsprodukten – hier eröffnet. Für den prominenten Leerstand der ehemaligen Commerzbank am Marktplatz gibt es hoffnungsvolle Pläne. Zwei Einzelhandelsexperten ordnen die Entwicklungen ein.
Neue Chancen durch Schließungen
Ralf Ludewig kennt Bad Kissingen wie seine Westentasche. Der Vorsitzende des Vereins Pro Bad Kissingen und Bezirksvorsitzender des Handelsverbands Bayern ist seit über 25 Jahren Inhaber des Modehaus Ludewig in dritter Generation.
Er sagt, Schließungen haben immer zwei Seiten: „Einerseits tut es weh, gerade bei traditionsreichen Geschäften. Andererseits eröffnen sich dadurch Chancen für neue Konzepte.“ Wichtig sei es, Leerstände zeitnah wieder nachzubesetzen, was in Bad Kissingen gut gelänge.
Die Gründe für eine Schließung sind unterschiedlich. Häufig wird keine Nachfolge gefunden. „Das ist ein bundesweites Phänomen in allen Branchen. Immer weniger Menschen möchten die Verantwortung und das finanzielle Risiko eines Geschäfts übernehmen, sondern lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten.“
Am Puls der Zeit bleiben
Haben alteingesessene Geschäfte es schwerer zu bestehen? „Handel ist Wandel und der vollzieht sich immer schneller. Das ist nicht nur in Bad Kissingen so“, sagt Ralf Ludewig.
Das Sortiment muss angepasst, die Ladeneinrichtung und die Art der Darstellung immer wieder geändert werden, um am Markt zu bestehen – unabhängig vom Alter des Geschäfts. „Man muss auf der Höhe der Zeit bleiben.“ Es gäbe viele Traditionshäuser, die sich gut behaupten, weil sie sich immer wieder der Zeit anpassen.
Bad Kissingen steht im Einzelhandel nach Meinung von Ralf Ludewig gut da. „Wir haben eine hohe Frequenz und auf engstem Raum zahlreiche verschiedene Geschäfte, die es nur hier gibt.“
Das kommt bei der Kundschaft positiv an und wird immer mehr geschätzt. „Kunden von uns kommen deswegen aus größeren Städten extra hierher zum Einkaufen“, berichtet Ralf Ludewig.
Innenstädte wandeln sich
Volker Wedde hat mehrere Jahre in Bad Kissingen gelebt und als Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern den Blick von außen auf den Handel in der Kurstadt.
„Die Wirtschaft und der Einzelhandel haben momentan keine leichte Zeit: erst die Pandemie, dann die weltweiten Krisen. Durch Inflation und Kostensteigerungen sind die Leute vorsichtiger beim Geldausgeben.“
Außerdem seien die Innenstädte einem Strukturwandel unterlegen. Zu einem, weil stationärer Handel und Onlinegeschäft ineinander übergehen. Zum anderen, weil sich das Motiv, die Innenstadt zu besuchen wandelt.
Stabiler Einzelhandel
„Die Menschen gehen nicht nur zum Einkaufen und zum Essen in die Innenstädte, sondern auch um eine schöne Zeit zu haben und sich ohne Konsum dort aufzuhalten.“
Immer wieder eröffnen in Bad Kissingen neue Geschäfte, manche nur für kurze Zeit, wie sogenannte Pop-up-Stores – geht der Trend hin zu kurzzeitig bestehenden Geschäften?
„Das glaube ich nicht, denn der Händler will ja seine Existenz sichern. Es entstehen aber neue Formate fernab des klassischen Einzelhandels. Zum Beispiel wenn ein Geschäft Textilen und gleichzeitig Saft anbietet.“
Wichtig sei, dass die Akteure einer Innenstadt eng zusammenarbeiten, denn ein gutes Geschäft mache man erst, wenn der Standtort gut ist.
Die Bad Kissinger Innenstadt sieht Volker Wedde als sehr stabil an. „Trotzdem muss sie sich wie alle Städte den Herausforderungen stellen und darf nicht stehen bleiben.“


















