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Nachgefragt
Warum Faber-Feinkost in der Innenstadt schließt
Faber-Feinkost in Bad Kissingen
Das Faber-Feinkost Geschäft in der Oberen Marktstraße in Bad Kissingen schließt Ende März 2026. // Riccarda Rascher
Bad Kissingen – Das Bad Kissinger Feinkostgeschäft Faber war über 125 Jahre in der Oberen Marktstraße. Nun wird der Standort geschlossen. Was dahinter steckt und was mit den Räumlichkeiten passiert.

Die Faber Feinkost-Metzgerei in Bad Kissingen schließt Ende März nach 127 Jahren in der Oberen Marktstraße das Geschäft und den Gründungssitz in der Innenstadt. Diese Nachricht löste bei Leserinnen und Lesern Betroffenheit aber auch Verständnis aus.

Wir haben nachgefragt, was genau die Gründe für den Schritt sind und ob es schon Pläne für die Räumen in der Fußgängerzone gibt.

Geschäft lief gut

Inhaber Thomas Faber und seine Frau Johanna Nemeth möchten sich ab Anfang April auf den Standort am Ostring in der Münnerstädter Straße konzentrieren. „Wir schließen den Standort in der Innenstadt nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern aus strukturellen“, stellt Thomas Faber auf Nachfrage klar.

Das Geschäft sei dort sehr gut gelaufen, doch werde es immer schwieriger das entsprechende Fachpersonal vorzuhalten.

„Wenn wir den Ausbildungsmarkt anschauen, sehen wir was in den nächsten Jahren an Fachkräften nachkommt. Dort ist der Markt sehr dünn geworden. Da stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, alle Standorte zu halten, unabhängig davon, ob sie heute gut laufen.“ Für das ansässige Personal würde man Lösungen finden.

Das Unternehmerpaar Thomas Faber und Johanna Nemeth
Das Unternehmerpaar Thomas Faber und Johanna Nemeth // Markus Büttner

Dass Kundinnen und Kunden die Schließung der Filiale in der Innenstadt bedauern, kann der Unternehmer verstehen: „Das ist für uns und unsere Vorgänger natürlich eine große Wertschätzung und Bestätigung. Aber unsere über 125jährige Geschichte ist deswegen nicht zu Ende. Nur wenn ein Unternehmen sich mit dem Marktumfeld beschäftigt und vorausschauende Entscheidungen trifft, kann es weiter bestehen.“

Einkaufsverhalten ändert sich

Hinzu käme, dass drei Standorte in Bad Kissingen – das Hauptgebäude am Ostring, das Geschäft in der Oberen Marktstraße und der Smartstore im Gewerbegebiet Garitz – zu viel seien. „Wir haben uns im Prinzip selbst konkurriert. Zudem hat sich das Einkaufsverhalten verschoben. Heutzutage ist es normal, in einem Selbstbedienungsladen einzukaufen“, erklärt Faber, der das Unternehmen in vierter Generation betreibt.

Faber-Feinkost in Bad Kissingen
Faber-Feinkost konzentriert sich auf den Standort in der Münnerstädter Straße in Bad Kissingen. // Angelika Despang

Am Standort Ostring gebe es mit Frühstück, Mittagstisch und Veranstaltungen das umfassendere Angebot und mehr Möglichkeiten. „Die Kundenfrequenz hat sich über die Jahrzehnte hinweg aus der Innenstadt hinaus verlagert. Das erkennt man schon daran, dass hier nur noch von der „Faber-Kreuzung“ gesprochen wird.“ Er habe genügend Ideen, um den Standort zukünftig weiterzuentwickeln.

Kooperation eingegangen

Im Rahmen einer Neuausrichtung ist der Betrieb eine Kooperation mit der Metzgerei Häuser aus Aschaffenburg eingegangen. Wurst- und Fleischwaren sollen zukünftig gemeinsam in Aschaffenburg produziert werden.

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„Wir müssen unsere Stärken bündeln“, so Faber. „Für uns war entscheidend, Qualität, Handwerk und unsere Produkte langfristig abzusichern und gleichzeitig klare, tragfähige Strukturen für die Zukunft zu schaffen.“ Beide Unternehmen bleiben dabei rechtlich und operativ eigenständig.

Durch die Bündelung am Standort Ostring würden Freiräume für Investitionen in Qualität, Sortiment, Catering und Vertriebsformate entstehen.

Das Gebäude in der Oberen Marktstraße 11 ist in Familienbesitz. Eine Nachfolge für die Räumlichkeiten ist noch nicht geplant. „Es ist eine 1A-Lage, dafür werden wir eine Lösung finden“, ist sich Thomas Faber sicher.

Hintergrundwissen:

  • Das Familienunternehmen „Faber Feinkost“ existiert seit 1898. Gründungssitz ist das Geschäft in der Oberen Marktstraße 11 in Bad Kissingen.
  • 1911 stieg der Betrieb offiziell zum „Königlich Bayerischen Hoflieferanten“ auf. Unternehmensgründer Kaspar Faber stellte damals fünfzehn Wurstsorten und zwei Schinkensorten her, die seinen Kunden derart mundeten, dass er diese Auszeichnung erhielt.
  • Ab 1931 führten Kaspar Fabers Neffe Karl Faber und seine Frau Hilde die Metzgerei weiter.
  • Sohn Bernd Faber und seiner Frau Gretl, beide Metzgermeister, übernahmen 1972 den Betrieb und vergrößerten ihn.
  • Seit 2008 ist Sohn Thomas Faber Unternehmensinhaber.

 

 

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