Caritas intern hat der Entschluss von Anne Hilpert-Böse für einiges an Überraschung gesorgt: Die 42-Jährige hat vor sieben Jahren die Geschäftsführung des Kreisverbandes übernommen. Seitdem stand sie an der Spitze der rund 200 Mitarbeiter – zuletzt nach einer Neuorganisation der Führungsebene als Vorständin.
Inzwischen hat sie ihren Abschied verkündet. Zum 31. August wird sie den Caritas Kreisverband Bad Kissingen verlassen. „Ich habe ihn sieben Jahre mit viel Engagement und Herzblut geführt und habe auch viel schaffen können“, sagt sie.
Es sei wichtig, nach sieben Jahren Platz für neue Sichtweisen an der Spitze zu machen. „Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl, weil ich einen sehr gut geführten Caritasverband mit sehr engagierten und einsatzbereiten Mitarbeitern übergebe“, findet sie. Sie habe in der Zeit viele tolle Wegbegleiter an ihrer Seite gehabt.
Verband neu organisiert
Hilpert-Böse war in einer wirtschaftlich schwierigen Phase des Verbandes gekommen. Es gelang, ihn finanziell zu stabilisieren. Zuletzt hatte sie die Führungsstruktur mit Fachbereichsleitern neu aufgestellt, die sie als Vorständin bei der Arbeit unterstützen. „So wird die Steuerung und der fachliche Blick gleichermaßen berücksichtigt“, erklärt sie. Die Führungsverantwortung ruht nun auf mehreren Schultern. Das ist wichtig, denn: „Die Anforderungen und die Geschwindigkeit an meine Position sind in der Pandemie und der Energiekrise deutlich gestiegen“, sagt sie.
Hinter ihrem Weggang steht der Wunsch nach beruflicher Veränderung. Hilpert-Böse: „Ich habe mich entschieden, in die Selbstständigkeit zu gehen.“ Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten will sie künftig im Bereich Supervision und Coachings tätig sein. Dem Landkreis Bad Kissingen bleibt die Sozialpädagogin aus Nordrhein-Westfalen damit aber erhalten, wegzuziehen komme für sie nicht in Betracht.
Dass der Entschluss für Überraschung gesorgt hat, bedeutet aber nicht, dass es böses Blut deswegen in der Caritas gibt. Der Caritasrat – ein ehrenamtliches Kontrollgremium – hat ihr weiterhin das Vertrauen ausgesprochen. „Das spricht für den Verband und die Haltung dahinter, sachlich zu arbeiten“, lobt sie. Ihre Aufgabe bis Ende August ist es, die Nachfolge zu regeln. „Der Verband liegt mir sehr am Herzen. Es soll einen ordentlichen Übergang geben“, betont sie.
Vertrauen vom Caritasrat
Bernd Keller, Vorsitzender des Caritasrats, dankt Hilpert-Böse für die geleistete Arbeit. „Wir stehen voll hinter ihr. Sie hat Segen in einer schweren Zeit gebracht“, lobt er. Die 42-Jährige habe den Verband nachhaltig und mit Weitsicht geführt.
Die Suche nach einem oder zwei geeigneten Nachfolgern/Nachfolgerinnen läuft bereits. Die Bewerberlage beschreibt Hilpert-Böse als vielversprechend. Ob künftig ein oder zwei Personen als Vorstände an der Spitze der Kissinger Caritas stehen werden, entscheide sich in den Vorstellungsgesprächen anhand der Profile der Bewerber.
„Wir sind ein großes mittelständisches Unternehmen. Es ist schwierig, alle Facetten nach außen und innen zu repräsentieren“, erklärt die scheidende Vorständin. Ihrer Nachfolge wünscht sie ein glückliches Händchen, und vor allem: „Die Lust und die Freude, etwas zu bewirken. Am Ende dienen wir mit unseren Aufgaben bei der Caritas den Menschen.“
Große Aufgaben für Nachfolger
Auf den neuen Vorstand sieht Hilpert-Böse weiter große Herausforderungen zukommen, vor allem wirtschaftliche. „Es werden weniger Gelder da sein“, erwartet sie im Hinblick auf staatliche und Kirchensteuermittel. Für den Verband sei es wichtig, sich weiterzuentwickeln und neue wirtschaftliche Zweckbetriebe aufzubauen.
Aus ihrer Sicht ist es eine Möglichkeit, im Bereich von Beratungsangeboten stärker aufzutreten. Aktuell bietet der Kreisverband Schulungen zur Prävention von sexuellem Missbrauch an. Das Angebot richtet sich beispielsweise an Schulen und Kindergärten, aber auch an Seniorenheime. „Wir haben eine extrem hohe Expertise“, sagt Hilpert-Böse. Zudem sei die Caritas günstiger als kommerzielle Anbieter.
Kindergärten in den Caritasverband eingliedern
Grundsätzlich als wichtiges Thema sieht sie die Kindergärten im Landkreis, die zu einem großen Teil von ehrenamtlichen, kirchlichen Vereinen getragen werden. Da wo es von den Vereinen gewünscht wird, sollen die Kindergärten an den Caritasverband übergehen. Bei einer ersten Einrichtung wird das aktuell vorbereitet.
Viele Ehrenamtlichen klagen lange darüber, mit der Personalführung und der Bürokratie überfordert zu sein, die ein Kindergarten mit sich bringt. Oft haben die Vereine Probleme, überhaupt Ehrenamtliche zu finden. Deshalb will der Caritasverband mit hauptamtlichen Mitarbeitern einspringen. „Ich sehe uns den Kindergärten verpflichtet“, sagt Hilpert-Böse. „Für uns bedeutet es den Erhalt unserer kirchlichen Identität und dass wir in Kontakt mit Kindern und Familien bleiben“, sagt sie. Die erste Einrichtung werde gegen Ende des Jahres an den Verband übergehen.
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