Laboklin-Geschäftsführerin Elisabeth Müller, jüngst mit dem bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet, hat das nächste Großprojekt für das tiermedizinische Großlabor in Bad Kissingen im Gepäck. Die bestehenden drei Laborgebäude im Gewerbegebiet in der ehemaligen Kaserne stoßen erneut an ihre Kapazitätsgrenzen. Müller plant deshalb den vierten Neubau innerhalb von 18 Jahren. „In den Räumen ist es schon eng“, sagt sie. In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen auf den wachsenden Platzbedarf reagieren und baulich erweitern.
Die Firma Laboklin ist weltweit tätig
Laboklin wurde 1989 gegründet und war damals mit 13 Angestellten in gemieteten Räumen in der Prinzregentenstraße untergebracht. 2007 verlegte die Firma ihren Sitz in die ehemalige Kaserne und baute dort neu. 2014 und 2020 folgten zwei weitere Laborgebäude. Inzwischen ist Laboklin weltweit tätig. Mit 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern allein am Standort Bad Kissingen gehört das Unternehmen nach Angaben des Rathauses zu den drei größten Arbeitgebern der Stadt.
„Filetgrundstück“ auf Kasernenareal gekauft
Der vierte Neubau soll ebenfalls in der früheren Kaserne entstehen. Laboklin hat dafür das sogenannte „Filetgrundstück“ an der Kasernenstraße von der Stadt erworben. Dabei handelt es sich um das rund 9300 Quadratmeter große Areal gegenüber der Polizei. Es ist das letzte nennenswerte, unbebaute Grundstück in dem Gewerbegebiet.
Das Rathaus hatte dort eigentlich einen großen Elektrofachmarkt ansiedeln wollen: Der Wunsch geht auf Oberbürgermeister Christian Zoll (SPD, von 1990 bis 2002) zurück, konnte bislang allerdings nicht realisiert werden.
Deshalb hat jetzt ein Umdenken stattgefunden. „Ich bin froh, dass wir das nicht getan haben, sondern dass wir jetzt einem Bad Kissinger Vorzeigeunternehmen Wachstum ermöglichen können“, kommentiert Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) den Verkauf.
Firmengründerin hat seit Jahren Interesse an Grundstück
Interesse an dem Areal hat Müller seit Jahren. Schon bei der Suche für den ersten Laboklin-Neubau habe sie mit der Stadt deshalb verhandelt, eine Einigung kam damals allerdings nicht zustande. Dass der Verkauf aktuell geglückt ist, ist das Ergebnis von vier Jahren Vorbereitung. „Wir haben uns viel Zeit gelassen, damit alles genau passt und es keine Überraschungen gibt“, erklärt die Unternehmerin. Verkehrsauswirkungen, Immissionen, Schadstoffe im Boden – solche Dinge hat Laboklin bereits vorab mit der Stadt geprüft.
Gelände wurde lange militärisch genutzt
Besonders wichtig war das Schadstoffgutachten. Das Gelände wurde über viele Jahrzehnte militärisch genutzt, unter anderem als Paradeplatz und Tankstelle. Deshalb wurde der Untergrund auf eventuelle Altlasten untersucht, wobei das Ergebnis unauffällig ausfiel, berichtet Wirtschaftsförderer Sebastian Bünner.
Ein Teil soll vermietet werden
Im Gegensatz zu den bisherigen Laboklin-Neubauten plant Müller nun kein reines Labor- und Verwaltungsgebäude. „Wir werden nicht die ganze Fläche für uns benötigen“, sagt sie. Ein Teil wird Labor, einen Teil will sie vermieten.
„Es wird ein Multifunktionsgebäude mit Schwerpunkt Gesundheitswesen“, sagt sie. Oder etwas griffiger: ein Medizin-Zentrum für Tier und Mensch. Potenzielle Mieter sind etwa Arztpraxen, Therapeuten oder auch Unternehmen aus der Medizintechnik. Langfristig sei auch eine Vernetzung zum Technologietransferzentrum (TTZ) möglich, etwa für Start-ups, die aus der Arbeit des TTZ hervorgehen.
Idee: Medizinzentrum mit Arztpraxen
Die Idee sei bereits Ärzten und Fachärzten in Bad Kissingen vorgestellt worden. „Gerade im ärztlichen Bereich in der Innenstadt haben viele Praxen ein Thema mit Barrierefreiheit, etwa fehlenden Aufzügen, und mit fehlenden Parkplätzen. Das wird in dem Neubau kein Problem sein“, sagt sie. Von Seiten von Laboklin sollen Abteilungen in den Neubau ausgelagert werden, die eigenständig funktionieren. Zum Beispiel die Produktion von individualisierten veterinärmedizinischen Arzneimitteln.
Arbeitsplätze im Gesundheitswesen entstehen
Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) hat allen Grund zur Freude: „Von dem Projekt wird sowohl das Labor profitieren, als auch die Bürgerinnen und Bürger von Bad Kissingen mit Blick auf die Gesundheitsversorgung“, sagt er. Für die Stadt sei die Entwicklung wichtig, weil zusätzlich hochqualifizierte Arbeitsplätze im Gesundheitswesen entstehen.














