Die Regiomed-Kliniken, die vor ein paar Jahren noch selber ein Fall für die Intensivstation waren, scheinen zu gesunden. Das Geschäftsjahr 2021 konnte mit einem Minus von drei Millionen Euro abgeschlossen werden; für das laufende Jahr wird sogar erstmals wieder ein Plus erwartet. Zum Vergleich: 2018 gab es ein Defizit von 25 Millionen Euro zu beklagen, das den fränkisch-thüringischen Verbund damals an den Rand der Pleite brachte. Bei den aktuell guten Zahlen spielen allerdings Corona-Sondereffekte mit hinein. So gab es alleine im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Euro staatliche Hilfszahlungen.
"Den Bogen nicht überspannen"
Strukturell gesund ist Regiomed nämlich noch nicht. „Wir befinden uns in einer sehr straffen Sanierungsphase“, sagte Alexander Schmidtke, als er am Donnerstag das Geschäftsergebnis präsentierte. Der Regiomed-Hauptgeschäftsführer ließ dabei aber bereits durchblicken, dass der stramme Sparkurs am Ende zwar erfreuliche Zahlen bringt, doch zugleich auch manch unerfreuliche Begleiterscheinung. „Ja, wir dürfen den Bogen nicht überspannen“, räumte er auf Nachfrage ein. Wichtig sei es, eine „Balance“ zu finden zwischen wirtschaftlichem Handeln und medizinischer Qualität
Diese Balance längst in Gefahr sehen ganz offenbar die vier Ärztlichen Direktoren der Regiomed-Kliniken. In einem Brief, der dem Tageblatt vorliegt, bezeichnen sie die zeitliche Dimension des aktuellen Sanierungskurses als „viel zu kurz und komprimiert“. Sie hätten Sorge, dass schon bald die Qualität der Patientenversorgung unter dem strikten Sparkurs leidet. Bereits jetzt könnten Patienten mitunter gar nicht mehr aufgenommen werden, weil es an Personal oder anderen infrastrukturellen Gegebenheiten mangele. Auch notwendige Therapien hätten deshalb bereits verschoben oder sogar abgesagt werden müssen.
Hilferuf in Richtung Politik
Die Ärztlichen Direktoren befürchten zudem, dass der Regiomed-Verbund an den Rändern des Einzugsbereichs regelrecht „abbröckelt“. Denn dort, wo es nur kleinere Regiomed-Kliniken gibt, könnten sich Patienten im Zweifelsfall für eine Konkurrenz-Klinik entscheiden, die zwar etwas weiter entfernt liegt, dafür aber eine bessere Qualität bieten kann.
Apropos Qualität: Genau darin sehen die Ärztlichen Direktoren die Zukunft von Regiomed. Sie wünschen sich eine „Qualitäts- und Leistungsoffensive“, durch die sich ihrer Meinung nach die Erlössituation langfristig steigern lassen könnte. Dazu brauche es aber einen längeren Konsolidierungszeitraum sowie einen größeren finanziellen Spielraum.
„Ohne Hilfe aus der Politik (…) scheint aus unserer Sicht die notwendige Weiterentwicklung nicht möglich zu sein“, heißt es in dem Brief, der unterzeichnet ist von den Ärztlichen Direktoren Georg Breuer (Coburg), Robert Koburg (Hildburghausen), Holger Goebel (Lichtenfels) und Arndt Reister (Sonneberg).
Was sagt der Chef zum Brief?
Vom Tageblatt darauf angesprochen, bezeichnete Alexander Schmidtke den Brief als „kritische Begleitung unseres Prozesses“. Er teile die Sorge der Ärztlichen Direktoren und wolle gerade auch deshalb vom harten Sanierungsprogramm langsam übergehen in ein „Entwicklungsprogramm mit langfristigen Zielen“. Dafür werden aber wohl zusätzliche Finanzspritzen benötigt, nachdem das Eigenkapital des Konzerns zuletzt stark abgeschmolzen ist. „Wir befinden uns in guten Gesprächen mit den Gesellschaftern“, sagte Schmidtke. Gesellschafter von Regiomed sind die Landkreise Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen sowie die Stadt Coburg.
Was wird aus den kleinen Krankenhäusern?
Vorausgesetzt, es finden sich politische Mehrheiten, damit wieder mehr Eigenkapital vorhanden ist: Wie könnte ein langfristiges Entwicklungsprogramm im Detail aussehen? Schmidtke redete gar nicht drumherum, dass es zu einer weiteren „Leistungskonzentration“ wird kommen müssen. Das heißt: Hochkomplexe medizinische Leistungen werden nur noch in den zentralen Häusern angeboten; in kleineren Häusern wie etwa in Neustadt bei Coburg werde es nur noch eine „Basisversorgung“ geben können. Mit Blick auf die Außenwirkung eines solchen Prozesses betonte Schmidtke: „Wir müssen den Menschen erklären, dass eine solche Spezialisierung gut für sie ist.“
Doch ebenso gelte es, die eigenen Mitarbeiter „mitzunehmen“. Schmidtke: „Wir brauchen eine wertschätzende Unternehmenskultur!“ Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei es wichtig, Mitarbeitende möglichst langfristig zu binden. Doch deren Zufriedenheit habe letztlich auch wieder Auswirkungen auf die Qualität einer medizinischen Einrichtung. Schmidtke zitierte einen bekannten Spruch: „Man pflegt nur so gut, wie man sich selber fühlt.“
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