Das klassische Vorurteil liegt sozusagen auf der Hand: Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten – und das auch noch ausgerechnet im Juli, wenn die von Würsten und Steaks dominierte Grillsaison ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen dürfte.
„Nein“, sagt die Grünen-Stadträtin Melanie Becker und noch einmal: „Nein!“ Denn davon abgesehen, dass sie die Aktion „Tierisch gutes Coburg“ als Privatperson organisiert, geht es weder ihr noch ihrer Mitstreiterin Ursula Neubauer um irgendwelche Verbote. Auch wolle sie sich nicht mit irgendwelchen „Schockfotos“ aus der Massentierhaltung in die Fußgängerzone stellen.
Alternativen zu Fleisch aufzeigen
„Wir setzen stattdessen auf: Anreiz, Aufklärung, Alternative!“ Und Melanie Becker ist ganz begeistert, dass sich nicht weniger als 17 Restaurants und Cafés an der Aktion beteiligen, die auch als „Coburgs veganer Monat“ bezeichnet werden kann.
Aber um was genau geht es eigentlich? In den 17 beteiligten Gastronomiebetrieben wird es im Juli mindestens ein veganes Gericht auf der Speisekarte geben. Vegan ist sozusagen die Steigerung von vegetarisch: Die Speisen sind nicht nur ohne Fleisch, sondern kommen auch komplett ohne tierische Produkte wie Milch oder Eier aus. Melanie Becker, die sich selber seit gut zehn Jahren vegetarisch ernährt und seit etwa zwei Jahren „zu 98 Prozent auch vegan“, sieht in der Aktion eine Chance für beide Seiten: Die teilnehmenden Betriebe können testen, ob es für ein solches Angebot eine Zielgruppe gibt; die Gäste wiederum können ausprobieren, ob ihnen die veganen Alternativen schmecken.
Für ein "saugutes Coburg"
Größte Nutznießer einer erfolgreich verlaufenden Aktion wären aber natürlich die Tiere. Denn Melanie Becker und Ursula Neubauer werden vor allem durch ihren Einsatz für mehr Tierschutz und mehr Tierwohl angetrieben. „Wir wollen ein saugutes Coburg“, sagt Melanie Becker in Anspielung auf das Logo der Aktion. Sie gibt übrigens offen zu, dass ihr der Verzicht auf Fleisch nicht immer leicht fällt: „Es riecht schon gut beim Grillen!“ Anderseits gebe es inzwischen auch sehr viele sehr leckere vegane Gerichte. „Der Unterschied entsteht oft nur in unserem Kopf!“
Wer seine Ernährung freilich komplett auf vegan umstellt, sollte bedenken, dass dadurch dem Körper einige wichtige Nährstoffe nicht mehr zugeführt werden. „Ich versuche das durch Nüsse und Pilze auszugleichen“, erklärt Melanie Körper. „Leider haben es viele Menschen verlernt, auf ihren Körper zu hören, was genau er für eine ausgewogene Ernährung braucht.“ Die Schuld daran gibt die Stadträtin sowohl den vielen Fertigprodukten, die es im Supermarkt zu kaufen gibt, als auch dem grundsätzlich stressigen Alltag: „Für Leute, die wenig Zeit haben, ist es natürlich bequemer, zu irgendeinem Fertigprodukt zu greifen.“
Veganer Kaiserschmarrn
Zu Melanie Beckers persönlichen Lieblingsgericht zählen zum Beispiel Klöße mit Kräuterseitling in Rotweinsauce. Sie freut sich aber zum Beispiel auch schon sehr auf den Nachtisch, den es im Juli als Besonderheit im „Brauhaus zu Coburg“ geben wird: veganen Kaiserschmarrn mit selbstgemachtem Apfelmus.
Eine besondere Eröffnungszeremonie zum Start des „veganen Monats“ wird es nicht geben. „Aber Ursula Neubauer und ich werden bestimmt nach und nach alle teilnehmenden Lokale besuchen“, verspricht Melanie Becker. Außerdem wird sie bei der Buchhandlung Riemann am Marktplatz vorbeischauen, die dem veganen Monat ein extra Schaufenster widmet.
Viele weitere Informationen zur Aktion „Tierisch gutes Coburg“ beziehungsweise zum veganen Monat im Juli gibt es unter www.aktion-tierisch-gutes-coburg.de Dort können sich übrigens auch gerne Interessierte melden, die die Aktion auf irgendeine Weise unterstützen wollen.
Wer macht alles mit?
Hopfen & Malz (Oberer Bürglaß), Sonderbar (Unterer Bürglaß), Dornheim (Steingasse), Picknick (Kirchgasse), Café Schubart und Moehre 27 (beide Mohrenstraße), Sorgenfrei (Webergasse), Brauhaus zu Coburg (Nägleinsgasse), Café Siebträger (Rosengasse), Café Artisan und Wohnzimmer (beide Steinweg), Stadtcafé (Spitalgasse), Münchner Hofbräu (Kleine Johannisgasse), Goldenes Kreuz (Herrngasse), Hanskaschber (Theatergasse), Café M (Judengasse), Feiler (Theaterplatz)
Warum auch Lokale mitmachen, die für ihre Fleischgerichte bekannt sind
Zu den 17 Gaststätten und Cafés, die sich an Coburgs erstem veganen Monat beteiligen, gehört auch das „Münchner Hofbräu“ – also ein Lokal, das traditionell eher für deftige Speisen speist. Wirtin Victoria Klose erklärt, warum sie trotzdem mitmacht.
Müssen sich alle Stammgäste vom „Münchner“ jetzt Sorgen machen, dass es nur noch Salat statt Schäufele gibt?
Victoria Klose: (lacht) Nein! Wenn wir als fränkisches Lokal keine Fleischgerichte mehr auf der Speisekarte hätten, würden mich viele Gäste wohl in der Luft zerreißen. Vor allem auch die Touristen, die zu uns kommen, wollen ganz überwiegend unsere Klassiker: Schäufele, Schnitzel, Sauerbraten.
Wie groß ist die Nachfrage nach vegetarischen und nach veganen Gerichten?
Etwa 15 Prozent der Gerichte auf unserer Speisekarte sind fleischlos. Vegetarische Speisen liegen auch absolut im Trend und werden täglich bestellt: zum Beispiel Käsespätzle oder Semmelknödel mit Schwammerlsoße*. Bei veganen Gerichten ist es anders; die werden nur selten nachgefragt.
Die geringe Nachfrage könnte aber auch am geringen Angebot liegen.
Stimmt. Meiner Meinung nach haben es Veganer satt, immer nur Salat zu essen. Deshalb nehmen wir den veganen Monat gerne zum Anlass, auszuprobieren, ob und wie bei uns im ,Münchner‘ vegane Gerichte ankommen.
Was genau wird es bei Ihnen geben?
In der ersten Woche werden wir ein Süßkartoffel-Gemüse-Curry mit Kokosmilch anbieten; in der zweiten Woche wahrscheinlich eine Tofu-Zucchini-Lasagne.
Wie halten Sie es ganz persönlich mit dem Fleisch?
Ich bin keine Vegetarierin, aber ich muss auch nicht jeden Tag Fleisch essen. Das Tierwohl liegt mir sehr am Herzen, deshalb ist es mir wichtig, dass wir im ,Münchner‘ ausschließlich Fleisch von regionalen Lieferanten verwenden.
*Die Semmelknödel sind deshalb „nur“ vegetarisch und nicht vegan, weil für die Schwammerlsoße auch Sahne verwendet wird.
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