Spendenaktion
Nach Zeckenbiss: Mutter im Kampf ihres Lebens
Eine Familie gibt nicht auf: Juliane mit ihrem Ehemann und ihren Kindern.
Eine Familie gibt nicht auf: Juliane mit ihrem Ehemann und ihren Kindern.
Foto: Kris Beck
Franken helfen Franken
Coburg – Wegen einer Zecke hat Juliane die Kontrolle über fast ihren ganzen Körper verloren. Aber die zweifache Mutter gibt nicht auf - und wir wollen helfen.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Sechser im Lotto zu haben, sei tausendmal höher. Tobias Kuhnlein wiederholt den Satz des behandelnden Oberarztes vom Klinikum Bayreuth immer wieder. Unfassbar schwer hat das Schicksal bei seiner schwangeren Frau zugeschlagen: Nach einem Zeckenstich im Juni 2020 erkrankte Juliane so schwer an der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - einer viralen Infektionskrankheit, die zur Entzündung des Gehirns, des Rückenmarks und der Hirnhäute geführt hat. "Der schwerste Verlauf seit zehn Jahren", wie Tobias vom Klinikum erfuhr.

Seither ist die zweifache Mutter vom Kopf abwärts nahezu komplett gelähmt und wird daheim von ihrem Mann und mehreren Pflegekräften und Therapeuten versorgt und intensivpflegebedürftig rund um die Uhr betreut.

Der Spendenverein "Franken helfen Franken", den die Mediengruppe Oberfranken ins Leben gerufen hat, möchte die Familie finanziell unterstützen. Deshalb erscheinen in den nächsten Wochen mehrere Geschichten über Juliane und ihre Familie, die die aktuelle Situation und die Hintergründe beleuchten.

Pflegebett im Wohnzimmer

Im Wohnzimmer steht das Pflegebett, Regale und Schränke sind mit medizinischen Geräten, Spritzen, Windeln, Medikamenten und Hygieneartikeln gefüllt. Jeden Tag kämpft die 30-Jährige ums Überleben, um kleinste Fortschritte. Ihre beiden Kinder Florentin (4 Jahre) und Laurena (knapp eineinhalb) sind ebenfalls zuhause - mittendrin. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr ist ein Besuch in Krippe und Kindergarten nicht möglich.

Familie Kuhnlein: Tobias mit Laurena, Florentin und Juliane im Pflegebett.
Familie Kuhnlein: Tobias mit Laurena, Florentin und Juliane im Pflegebett.
Foto: C. Lehmann

"Jeder kleinste Schnupfen ist für Juliane lebensbedrohlich, da ihr die Kraft zum Abhusten fehlt und deshalb ersticken könnte", sagt ihr Mann. Sechs schwere Lungenentzündungen musste sie in den vergangenen Monaten verkraften. Tobias hat zur Unterstützung mittlerweile Kinderbetreuung aus Bosnien angestellt.

Kein normales Leben in Sicht

Die vergangenen Monate waren eine Odyssee für die ganze Familie - wirkliche Besserung auf ein annähernd normales Leben ist nicht in Sicht. "Das kann sich keiner vorstellen", sagt Tobias, der neben seiner Stelle als Berufsschullehrer in Kronach, die Organisation und stundenweise Betreuung seiner Kinder und seiner Frau übernimmt. Bis der Pflegedienst seine Arbeit aufnehmen konnte, musste er zwischen 80 und 90 Stunden pro Woche für pflegerische und bürokratische Angelegenheiten (Terminabsprachen, Korrespondenz Krankenkasse, Pflegedienst, Ärzten und Therapeuten) sowie die Planung des notwendigen Hausumbaus aufwenden. Mittlerweile sind es noch 50 Stunden.

"Finanziell sind wir an einer Grenze angekommen. Ich weiß nicht, wie ich alles bezahlen soll", sagt der engagierte Vater. Die Kosten für ein barrierefreies Wohnen (Eingangsbereich, Bad, Aufzug) sowie ein Fahrzeug, mit dem Juliane in ihrem speziellen Rollstuhl transportiert werden kann, belaufen sich nach ersten Schätzungen auf über 350.000 Euro. Der Einbau eines Fahrstuhls sei zwingend notwendig, sagt Juliane, damit sie das Kinderzimmer und ihr Arbeitszimmer wieder erreichen kann. Denn eins hat sie sich ganz fest vorgenommen: "Ich möchte unbedingt wieder arbeiten - vielleicht im Personenstandsrecht."

Notkaiserschnitt eingeleitet

Doch der Reihe nach. Was ist eigentlich genau passiert, nachdem Juliane einen Spaziergang mit ihrem Sohn Florentin gemacht hat und von einer Zecke gestochen wurde?

Einige Wochen nach dem Zeckenstich ging es Juliane schlagartig schlecht. Sie kam zunächst ins Krankenhaus Kronach, doch noch in derselben Nacht wurde sie aufgrund ihrer Schwangerschaft ins Klinikum Bayreuth verlegt. Dort verschlechterte sich der Zustand weiter. Die Symptome: multiple Lähmungen, Atemdepression, Schluck- und Sprachstörungen, Sehstörungen und Aufmerksamkeitsdefizite. Nur einen Tag später wurde ein Notkaiserschnitt eingeleitet und Laurena kam zehneinhalb Wochen als Frühchen zur Welt. Sie wurde auf die Kinderintensivstation verlegt.

Acht Wochen im Koma

Juliane war ins künstliche Koma versetzt worden und bekam davon gar nichts mit. Die Diagnose FSME in "schwerster Verlaufsform" kam nach zweieinhalb Wochen. Insgesamt acht Wochen lag sie im Koma, musste künstlich beatmet und ernährt werden. Ihre Ernährung läuft immer noch über die Sonde, da Juliane nur schwer schlucken kann. Sie ist nahezu vollständig gelähmt. "Glücklicherweise ist Juli geistig so weit da, dass sie logisch denken kann, die aktuelle familiäre Situation begreifen, beurteilen und sich an Gesprächen beteiligen kann", sagt Tobias. Nach Aussage der zuständigen Neuropsychologen sei sie geistig "vollständig orientiert" und weise eine nach wie vor hohe Intelligenz und darüber hinausgehende sehr gute kognitive Fähigkeiten auf.

Juliane, die nach diszipliniertem Training und unglaublichen Kraftanstrengungen auf dem Handy Nachrichten verschicken kann, schreibt: "Ich bin definitiv noch die ,Alte', bei vollem Verstand."

Was es für Juliane heißt, dieses Schicksal zu tragen, erzählen wir nächste Woche im zweiten Teil unserer Serie. Die junge Frau, die über Jahre ihre Heimatstadt Neustadt als Puppenfee repräsentiert hat und das Neustadter Christkind verkörperte, hat uns ihre Situation in bewegenden und ungewöhnlich offenen Worten geschildert.

Juliane als Neustadter Christkind 2008.
Juliane als Neustadter Christkind 2008.
Foto: privat

So können Sie helfen

Stichwort Das Coburger Tageblatt, fraenkischertag.de und "Franken helfen Franken" möchten Juliane Kuhnlein und ihre Familie unterstützen. Die Spenden gehen an den Förderverein für den Bunten Kreis Bayreuth, der das Geld weiterleitet

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Tageszeitungen wie das Coburger Tageblatt sowie digitale Informations- und Service-Portale wie fraenkischertag.de jeden Tag rund 600.000 Menschen. Außerdem ist die mgo als Multimediaunternehmen mit Tochterfirmen wie dem Marketing-Komplettdienstleister mgo360, den mgo Fachverlagen oder mgo Digital Ventures breit aufgestellt.

Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein "Franken helfen Franken" seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige Organisationen und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurden seit 2009 deutlich über eine halbe Million Euro von Franken helfen Franken vergeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V. Sparkasse Bamberg

IBAN DE62 7705 0000 0302 1945 01

BIC BYLADEM1SKB

Verwendungszweck: Juliane