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Arzt beantwortet Fragen
Elektronische Patientenakte: Sind die Praxen bereit?
Elektronische Patientenakte
Die elektronische Patientenakte verspricht Effizienz, doch ist sie bereit für den Alltag in den Praxen? Ullrich Zuber ist skeptisch, sieht aber auch große Chancen. // Rolf Vennenbernd/dpa-Pool/dpa
Coburg – Die elektronische Patientenakte verspricht Effizienz, doch ist sie bereit für den Alltag in den Praxen? Ullrich Zuber ist skeptisch, sieht aber auch große Chancen.

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll die medizinische Versorgung effizienter und transparenter gestalten, bringt jedoch auch Herausforderungen. Aktuell läuft ein Pilotversuch, doch sind die Praxen für die flächendeckende Einführung bereit? Ullrich Zuber, Vorsitzender des Hausarztvereins Coburg Stadt und Land, beantwortet die wichtigsten Fragen. 

Im Artikel werden folgende Fragen beantwortet:

Wie wurde sich auf die Einführung der elektronischen Patientenakte vorbereitet? Welche Ängste, Sorgen und Bedenken gab es bei den Ärzten im Vorfeld? 

Ullrich Zuber und seine Kollegen haben sich vor allem durch Informationen aus der Fachpresse, den Kassenärztlichen Vereinigungen und Berufsverbänden auf die Einführung vorbereitet. „Allerdings gab es keine gezielten Schulungen“, sagt der Vorsitzende des Hausarztvereins Coburg Stadt und Land.

Es herrsche eine gewisse Unsicherheit bezüglich der praktischen Umsetzung, insbesondere hinsichtlich der Integration in den Praxisalltag, der technischen Machbarkeit. Auch der Arbeitsaufwand wird kritisch gesehen, vor allem in Bezug auf die Anzahl der notwendigen Schritte zur Befüllung der Patientenakte.

Welche Chancen bietet die digitale Patientenakte?

Etwa in Notfallsituationen sieht Zuber die digitale Akte als Vorteil, wenn Ärzte zum Beispiel direkt auf EKG-Daten zugreifen können: „Das kann lebensrettend sein.“ Er betont zudem den Nachhaltigkeitsaspekt, da Papier eingespart werden könne. Dennoch müsse sich in den kommenden Monaten zeigen, wie sich die Einführung in der Praxis bewähre.

Thema Datenschutz – wie wird damit umgegangen?

Es gibt einige Bedenken vor allem in den Bereichen Datenschutz, Sicherheit und ärztliche Schweigepflicht. Ullrich Zuber äußert, dass die persönliche Einstellung zum Datenschutz eine Rolle spiele und, dass Patienten unterschiedlich sensibel auf das Thema reagieren. „Es sind auch Bedenken hinsichtlich der ärztlichen Schweigepflicht geäußert worden, da zum Beispiel auch Diagnosedaten allen Zugriffsberechtigten einsehbar sind“, sagt er. Ein weiteres Problem sieht er in der potenziellen Gefahr durch Hackerangriffe: „Jemand, der die Daten hacken will, hat was Größeres im Schilde.“ 

Wurden in den Praxen besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um den Datenschutzbedenken zu begegnen?

Es gebe in den Praxen regelmäßig Maßnahmen, um die Datensicherheit zu gewährleisten: „Es gibt turnusmäßige Überprüfung der allgemeinen Datensicherheit des PVS – Praxisverwaltungssystems – und auch regelmäßigen Kontakt mit der betreuenden Firma, mit der auch Verträge bezüglich der Datensicherung bestehen“, erläutert Zuber. 

Was hat sich im Praxisbetrieb geändert? 

Ullrich Zuber beschreibt die Änderungen im Praxisbetrieb als noch nicht vollständig absehbar. „Die Umstellung bedeutet sicherlich zunächst einen erhöhten Zeitaufwand. Ein langfristiges Zeitersparnis ist noch nicht absehbar“, sagt Zuber. Wichtig sei, dass „der normale Workflow in der Praxis mindestens gewährleistet“ bleibt.

Wie ist die Stimmung unter den Patienten und Patientinnen? Welche Fragen werden angesprochen? 

Die Stimmung unter den Patienten und Patientinnen sei heterogen. Während einige Hoffnungen mit der Patientenakte verbinden, insbesondere im Hinblick auf eine verbesserte Information bei Notfallbehandlungen, gebe es auch viele Bedenken. Ullrich Zuber berichtet: „Zahlreiche Patienten widersprechen, vor allem aus Datenschutzgründen.“

Zudem führt die patientengeführte Akte zu Irritationen, da Patienten selbst aktiv werden müssen, was durch technische Hürden und fehlende Unterstützung erschwert wird. Insgesamt zeige sich eine Mischung aus Neugier und Skepsis, wobei die Sinnhaftigkeit der Akte oft erklärt werden müsse.

Sollten Patienten ihre eigenen Gesundheitsdaten einsehen? 

 „Gesundheitsdaten zum Beispiel, Labor oder Arztbriefe werden individuell bei Behandlungskontakten besprochen und bisher bei Anforderung auch als Kopien ausgehändigt“, sagt Zuber. Er befürchtet, dass Patienten Diagnosen oder Ergebnisse falsch interpretieren könnten. „Das Vertrauen zwischen Arzt und Patient im Sprechzimmer bleibt wichtig“, sagt Zuber. 

Welche Baustellen, welche Punkte zum Nachbessern gibt es vor der bundesweiten Einführung? 

 „Es muss eine weitgehende Datensicherheit gegeben sein“, sagt Zuber. Dass das noch nicht der Fall sei, werde durch erfolgreiche Angriffe des Chaos Computer Clubs verdeutlicht. Zudem betont Zuber die Notwendigkeit einer praktikablen und schnellen technischen Umsetzung, da es sonst zu unnötigen Verzögerungen komme. „Der Dokumentations- und Informationsaufwand muss sich in Grenzen halten.“ 

Was ist das bisherige Fazit zur elektronischen Patientenakte? 

„Die Umsetzung sollte jetzt entsprechend der Sicherheit und der technischen Umsetzbarkeit und nicht nach vorgegebenen zu kurzen Fristen gestaltet werden“, sagt Zuber. Zudem sieht er die Notwendigkeit, die Einführung schrittweise vorzunehmen und dabei insbesondere auf Erfahrungen aus Pilotregionen zurückzugreifen. Ein endgültiges Urteil hält er derzeit für verfrüht: „Insgesamt ist alles noch viel zu früh, um es zu beurteilen.“ In einigen Monaten wüsste man mehr. Gleichzeitig sieht er jedoch Potenzial in der ePA, sofern sie technisch ausgereift ist: „Wenn sie technisch praktikabel und effizient ist, ist es durchaus eine Chance, medizinische Kommunikation auf neue Beine zu stellen.“

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