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Gesundheit
Jugendliche immer offener für eine Therapie
Psycho
In der Kinderecke können sich die kleinen Patienten austoben. Mit Handpuppen und Sorgenpüppchen lockt Svenja Prodinger-Pilipp zum Gespräch. // Christiane Lehmann
Coburg – Die Psychotherapeutin Svenja Prodinger-Pilipp gibt Tipps, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können. Medienkonsum, Panikattacken und Depression haben seit Corona zugenommen.

Max hat keinen Spaß mehr am Leben. Wie wäre es einfach nicht mehr zu leben? Der 15-Jährige googelt „Suizid“ und liest sich ein. Melina fühlt sich zu dick. Sie will nicht mehr essen. Würde gern 45 Kilo wiegen. Googelt nach Diäten, Sport und bekommt jetzt ständig Storys angezeigt, die sich um Essverhalten, Bulimie und Magersucht drehen.

Wissen um ihre Probleme

Jugendliche werden zu kleinen Profis ihrer Probleme.  Und sie erfahren übers Internet, dass es Therapien gibt. „Die zu mir in die Praxis kommen, sind oft offen dafür“, sagt die Psychotherapeutin Svenja Prodinger-Pilipp. Das sei vor einigen Jahren noch nicht so gewesen.

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Die Eltern sind sehr verunsichert. Sie wollen alles richtig machen. Aber dadurch bauen sie oft auch einen Druck aufs Kind auf.

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Svenja Prodinger-Pilipp Psychotherapeutin

Die 42-jährige Therapeutin hat im Oktober eine Praxis im ehemaligen Gemeindezenrum St. Lukas eröffnet. Die Kinder und Jugendlichen, die sie behandelt, haben Depressionen, Panikattaken, ADHS, Essstörungen oder leiden unter der Trennung ihrer Eltern. „Oft greift eins ins andere", sagt sie.

Auffällig und statistisch nachgewiesen sei die Zunahme von Depressionen und Angstzuständen seit Corona. Soziale Isolation und ein gesteigerter Medienkonsum haben dazu geführt, dass ihnen wichtige Jahre in ihrer Entwicklung genommen wurden. 

Tipps von der Expertin

Was können Eltern tun, um ihre Kinder aus der Einsamkeit zu holen? Wie werden aus Kindern empathische, soziale Menschen mit den Fähigkeiten, die sie für ihr späteres Leben brauchen? 

Svenja Prodinger-Pilipp hat eine Reihe von Tipps, die Kindern und Jugendlichen dabei helfen, sich selbst anzunehmen und zu spüren:

  1. Kinder brauchen ein Hobby. Melden Sie Ihr Kind in einem Verein an und unterstützen Sie es dabei (Fahrdienste, Kuchenbacken etc.)
  2. Beim Sport können sich Kinder und Jugendliche auspowern und Stress abbauen. Sie können sich spüren.
  3. Vertrauen Sie Ihrem Kind.
  4. Achten Sie darauf, was sich Ihr Kind im Internet anschaut. Besprechen Sie es zusammen. Jugendliche müssen nicht alles erzählen, aber Sie sollten um die Gefahren des Internets wissen. Sprechen Sie offen darüber, welche Fotos gepostet werden dürfen und welche nicht.
  5. Verbringen Sie Mutter-Tochter-, Vater-Sohn-Zeit miteinander. Suchen Sie nach gemeinsamen Aktivitäten, die allen Spaß machen.
  6. Stärken Sie die Eigenverantwortung bei Ihrem Kind – gerade im Hinblick auf die Schule. Hausaufgaben sollte ein Kind alleine machen.
  7. Schulen Sie Ihr jugendliches Kind in alltäglichen Fähigkeiten. Es kann auch mal einen Arzttermin selbst ausmachen, alleine ein Rezept in der Apotheke holen. Selbstständigkeit ist wichtig.
  8. Achten Sie auf gutes Benehmen. Das Kind wird merken, wie gut es sich anfühlt, höflich zu sein.
  9. Zeigen Sie Interesse an den Wünschen des Kindes. Reden Sie darüber. Nehmen Sie es ernst.
  10. Seien Sie Vorbild und offen für Veränderung. Auch Eltern müssen sich verändern, wenn sich die Situation verändert.
  11. Erinnern Sie sich an Ihre eigene Pubertät und reagieren Sie nicht gleich beleidigt, wenn sich Ihr Kind im Ton vergreift. Humor hilft.

 

Zur Person

Svenja Prodinger-Pilipp
Dipl. Sozpäd. (FH)

  •  1982 geboren, verheiratet und Mutter von einer Tochter und einem Sohn.
  • Verhaltenstherapeutin für Kinder- und Jugendliche mit Zusatzqualifikation für verhaltenstherapeutisch fundierte Traumatherapie
  • Approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT)

 
Zusatzausbildungen
Psychomotorikerin, diplomierte Legasthenie- & Dyskalkulietrainerin®, klientenzentrierte Gesprächsführung, Seminarleiterin progressiver Muskelentspannung für Kinder & Erwachsene, ehemalige Seminarleiterin RelaxKids & Blitzentspannung bei der AOK, Workshopleiterin der AOK für „Jolinchen“, Übungsleiterin für „Fit mit Baby indoor und outdoor“ bei TV1848 Coburg, jahrelange Übungsleiterin für Kinderabenteuerturnen und Herzsport beim TSV Stockheim, gemäß der Landesärztekammer regelmäßige Fortbildungen im Bereich der Psychotherapie.
 

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