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Demenz erkennen: Wann Vergesslichkeit zum Warnzeichen wird
Fragezeichen
Vergesslichkeit im Alter ist normal – doch wann steckt mehr dahinter? Ein Blick auf die Warnzeichen, Formen und Ursachen von Demenz hilft, frühzeitig zu erkennen und zu handeln. // christianchan, stock.adobe.com
Coburg – Vergesslichkeit im Alter ist normal – doch wann steckt mehr dahinter? Ein Blick auf die Warnzeichen, Formen und Ursachen von Demenz hilft, frühzeitig zu erkennen und zu handeln.

Vergesslichkeit gehört zum Älterwerden dazu – wir alle verlegen mal den Schlüssel oder vergessen einen Namen. Doch wenn solche Situationen häufiger auftreten und sich das Denken, die Orientierung oder die Sprache merklich verändern, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein. Was genau steckt hinter dieser Erkrankung, wie unterscheidet sie sich von harmlosen Gedächtnislücken – und welche Formen gibt es? Ein Überblick über Symptome, Ursachen und die Bedeutung einer frühen Diagnose.

Das lesen Sie im Artikel:

Was versteht man unter Demenz, und wie unterscheidet sie sich von normaler Altersvergesslichkeit?

„Unter Demenz versteht man ein Muster von Symptomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Eine Demenz führt dazu, dass sich verschiedene geistige Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand verschlechtern. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für eine Demenz, es gibt aber noch viele weitere Ursachen“, definiert die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. 

Welche Formen von Demenz gibt es, und wie verlaufen sie unterschiedlich?

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen primären und sekundären Demenzen, erläutert Christiane Fähr. „Bei primären Demenzen ist das Gehirn selbst erkrankt, es sterben Gehirnzellen ab und die Gehirnleistungsfähigkeit nimmt stetig ab.“

Die primären Demenzen werden nochmals unterteilt in neurodegenerative Demenzen (zum Beispiel Alzheimer, Lewy-Body-Demenz, Frontotemporale Demenz) und vaskuläre Demenzen. Hier sind die Adern im Gehirn geschädigt und die Blutversorgung im Gehirn ist nicht mehr sichergestellt (etwa Demenz nach Schlaganfall, Multiinfarkt-Demenz, Demenz nach Hirnbluten).

  • Primäre Demenzen schreiten stetig voran, Gehirnzellen sterben kontinuierlich ab, der Prozess lässt sich zwar bis zu einem gewissen Grad durch medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien günstig beeinflussen, aber nicht aufhalten. „Die Erkrankung ist lebensbegrenzend“, erläutert Fähr. 
  • Bei sekundären Demenzen ist das Gehirn selbst nicht erkrankt. Kognitive Beeinträchtigungen sind eine Folge von anderen Erkrankungen oder Störungen des Körpers. Ursachen hierfür können sehr vielfältig sein (zum Beispiel Austrocknung, Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Mangelzustände und viele andere).

„In unserem Beratungsalltag und ganz besonders auch in der Angehörigenschulung stehen die primären Demenzen im Fokus. Die Ursachen für sekundäre Demenzen sind aber Risikofaktoren, die (unerkannt und unbehandelt) zusätzliche Beschwerden im Bereich kognitive Beeinträchtigungen bedingen können und leicht übersehen werden können. Die gute Nachricht bei den sekundären Demenzen ist, dass sie in der Regel therapierbar und im besten Fall die kognitiven Symptome reversibel sind“, erläutert Christiane Fähr. 

Welche ersten Anzeichen können auf eine beginnende Demenz hinweisen?

„Wenn jemand anfängt, mit Zetteln zu arbeiten, und trotzdem Dinge vergessen werden – das ist ganz typisch“, sagt Christiane Fähr. „Derjenige kann nie was, wenn etwas schiefgeht, streitet meist alles ab und versucht, mit Ausreden zu kaschieren – oft sehr lange und erfolgreich.“ Demenz geht über die normale Altersvergesslichkeit hinaus.

Jeder vergisst gelegentlich einen Termin, einen Namen oder verlegt irgendetwas. Meist ist das Kurzzeitgedächtnis als erstes betroffen, man kann sich zum Beispiel überhaupt nicht mehr eine bestimmte Absprache erinnern. Die Vergesslichkeit tritt häufig und dauerhaft, jedoch auch sehr schwankend auf. Es gibt gerade bei Demenz gute und schlechte Tage.  

Christiane Fähr ist Sozialpädagogin und arbeitet bei der Fachstelle für pflegende Angehörige der Awo in Coburg.
Christiane Fähr ist Sozialpädagogin und arbeitet bei der Fachstelle für pflegende Angehörige der Awo in Coburg. // Julia Scholl

Wichtig ist: Demenz ist keine reine Gedächtnisstörung. Zu den betroffenen Fähigkeiten zählen neben dem Gedächtnis (sprich der Erinnerungs- und Merkfähigkeit) auch Aufmerksamkeit, Sprache, Auffassungsgabe, Denkvermögen und Orientierungssinn (kognitive Leistungen).

Menschen mit Demenz haben zunehmende Schwierigkeiten,

  • sich neue Informationen einzuprägen,
  • die Konzentration auf einen Gedanken oder Gegenstand zu richten,
  • sich sprachlich (in Wort und Schrift) auszudrücken,
  • die Mitteilungen anderer zu verstehen,
  • Situationen zu überblicken,
  • Zusammenhänge zu erkennen,
  • zu planen und zu organisieren,
  • sich örtlich oder zeitlich zurechtzufinden,
  • mit Gegenständen umzugehen. (Deutsche Alzheimer Gesellschaft)

Wie unterscheiden sich typische Warnzeichen von harmlosen Gedächtnislücken?

Es gibt eine ganz normale Vergesslichkeit, bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark. Wer ab und an den Schlüssel verlegt, mal einen Termin vergisst oder der Name eines Bekannten nicht einfällt, habe keinen Grund zur Beunruhigung, so die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. 

Wenn jemand über längere Zeit oft vergisst, was gerade passiert ist, sich schlecht konzentrieren kann oder sich in ungewohnten Umgebungen nicht mehr zurechtfindet, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein. Zum Beispiel: Man erinnert sich nicht daran, einen Termin vereinbart zu haben, oder man fühlt sich in neuen Situationen deutlich unsicherer als früher. Auch starke Stimmungsschwankungen oder Veränderungen in der geistigen Leistungsfähigkeit sollten ernst genommen werden. In solchen Fällen ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen.

Kann man die Erkrankungen vorbeugen?

„Lebenslanges Lernen baut geistige Kapazitäten auf – das hilft, eine beginnende Demenz länger auszugleichen“, sagt Christiane Fähr. Und es gibt einige Faktoren, die präventiv helfen können:

  • geistige, körperliche und soziale Aktivität,
  • ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin,
  • fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren und
    die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus.

Welche Tests oder Untersuchungen helfen bei der Diagnose?

Um eine Demenz festzustellen, ist eine gründliche Untersuchung wichtig. Dabei wird sowohl der körperliche als auch der geistige Zustand genau angeschaut. Mit speziellen Tests prüfen Fachleute zum Beispiel das Gedächtnis, die Sprache, das Denkvermögen und die Wahrnehmung.

Damit andere Krankheiten ausgeschlossen werden können, kommen auch Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder ein MRT zum Einsatz. Besonders wichtig ist das persönliche Gespräch mit der betroffenen Person und ihren Angehörigen – dabei werden frühere Beschwerden und Veränderungen besprochen.

Die Diagnose wird von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten gestellt, meist aus den Bereichen Neurologie oder Psychiatrie. Es gibt auch spezielle Einrichtungen, sogenannte Gedächtnisambulanzen oder „Memory Kliniken“, die sich auf die Untersuchung und Behandlung von Demenzerkrankungen spezialisiert haben.

Aktionen in Coburg zum Aktionstag?

Zum Welt-Alzheimer-Tag am Sonntag, 21. September 2025, setzt Coburg ein Zeichen für mehr Verständnis und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Herzstück ist die Demenz- und Sozialmeile auf dem Marktplatz von 14 bis 17 Uhr. Zahlreiche Einrichtungen und Dienste aus der Region informieren über Hilfsangebote, laden zu Gesprächen ein und machen das Thema mitten in der Stadt sichtbar – offen für alle Interessierten. Mehr dazu hier.

Welche Angebote und Hilfen gibt es in Coburg?

  • Gedächtnisambulanz am Sana Klinikum Coburg: Die Gedächtnisambulanz bietet eine umfassende, ambulante Diagnostik und Beratung bei Gedächtnisstörungen. Ein interdisziplinäres Team klärt mögliche Ursachen ab und unterstützt bei der weiteren Behandlung – in enger Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten. 
  • Die Awo Fachstelle für pflegende Angehörige besteht seit Oktober 2002 und bietet Beratung, Unterstützung und Entlastung rund um das Thema Pflege, Demenz und Vorsorge. Es gibt auch einen Helferkreis, das sind ehrenamtliche Helfer, ausgebildet im Umgang mit demenzerkrankten und pflegebedürftigen Menschen, die zur Entlastung Betreuungsangebote zu Hause übernehmen. Der Umfang richtet sich nach den Bedürfnissen. 
    Es gibt auch mehrere Angehörigengruppen, in denen man sich austauschen kann. Ein wesentlicher Aufgabenschwerpunkt der Fachstelle besteht aber in der persönlichen oder telefonischen Beratung, bei Wunsch auch Hausbesuchen, durch die Mitarbeiterinnen.
  • Der Pflegestützpunkt der Stadt Coburg: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegestützpunktes beraten und unterstützen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen zu allen Fragen rund um das Thema Pflege.
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