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Klinikum Coburg
Silvester in der Notaufnahme: Viele warteten die ganze Nacht
Krankenhaus - Notaufnahme
In der Notaufnahme des Coburger Klinikums kam es in der Silvesternacht zu extrem langen Wartezeiten. // Symbolfoto: Armin Weigel/dpa
Coburg – Es begann mit einem bösen Sturz auf den Kopf. Daraufhin kam eine Frau in die Notaufnahme des Coburger Krankenhauses. Ankunft: 21.30 Uhr. An die Reihe kam sie an Neujahr um 8 Uhr. Was sagt Sana dazu?

Einer breiten Öffentlichkeit ist das Wort „Triage“ vor allem seit der Corona-Pandemie ein Begriff. Bei Triage handelt es sich um eine Priorisierung, die immer dann erfolgen muss, wenn es ein unerwartet hohes Aufkommen an Patienten gibt, die Möglichkeiten der medizinischen Hilfe aber begrenzt sind. 

Triage in der Notaufnahme

Was Triage in der Praxis bedeutet, haben etliche Menschen in der Silvesternacht im Coburger Klinikum erlebt: Sie mussten in der Notaufnahme zum Teil mehr als zwölf Stunden warten, bis sie an die Reihe kamen. Seitens der Verwaltung der Sana Kliniken Oberfranken, zu denen seit November 2024  auch das Coburger Klinikum gehört, wird sowohl dieser Ausnahmezustand als auch eine „Versorgung nach Triage“ bestätigt. Zugleich wird ein Versuch unternommen, die Situation zu erklären. Denn zu den vielen Unfällen, die in einer Silvesternacht fast schon als obligatorisch zu bezeichnen sind, gesellte sich am 31. Dezember 2024 noch ein weiterer Risikofaktor: Glatteis! Aber der Reihe nach.

Kein Blut, aber eine Beule

Vor einem Wohnhaus in Rödental hatte sich am letzten Tag des alten Jahres ebenfalls eine gefährliche Eisschicht gebildet. Prompt rutschte die 47 Jahre alte Bewohnerin aus. Sie fiel dabei sehr unglücklich auf ihren Hinterkopf. Zwar blutete nichts, doch es bildete sich sofort eine Beule, die binnen kurzer Zeit noch größer wurde. In seiner ersten Aufregung rief der besorgte Ehemann (54) einen Rettungswagen. Die Auskunft sollte bereits einen ersten Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf der Silvesternacht geben: „Sie sagten uns, dass sie sehr viel zu tun haben – und sie haben uns gefragt, ob wir den Transport zum Krankenhaus nicht selbst organisiert bekommen.“ Ja, die beiden Rödentaler hatten dafür vollstes Verständnis und fuhren mit dem eigenen Auto nach Coburg. Ankunft in der Notaufnahme des Klinikums: 21.30 Uhr.

Wetter-Chaos in der Stadt und im Landkreis Coburg
Auch für die nächsten Tage ist für Coburg wieder Glatteis vorhergesagt. Hier ein Archivfoto aus dem Januar 2024. // Oliver Schmidt

Es erfolgte eine erste, kurze Begutachtung der 47-Jährigen. Ein Mitarbeiter der Notaufnahme stufte sie daraufhin als „nicht dringlichen Fall“ ein. Außerdem erinnert sich der Ehemann noch gut an eine Vorwarnung: „Der Mitarbeiter sagte uns, dass wir warten müssten – und dass es dieses Jahr wohl nicht mehr klappen wird, bis sich ein Arzt um meine Frau kümmern kann.“ Der Mitarbeiter sollte Recht behalten.

Kein Vorwurf ans vorhandene Personal

Die beiden Rödentaler erzählen, dass sich im Wartebereich der Notaufnahme ungefähr 15 bis 20 Personen befanden, darunter auch Begleitpersonen. Gemeinsam wurde gewartet und gewartet – und irgendwann auch gegenseitig „ein gesündereres neues Jahr“ gewünscht. Dass die Gruppe der Wartenden kaum kleiner wurde, lag wohl vor allem daran, dass regelmäßig Rettungswagen am Klinikum eintrafen und neue Patienten brachten, deren Situationen als dringender eingestuft werden mussten. In der Sana-Stellungnahme wird es später heißen, dass es in der Silvesternacht auch einige lebensbedrohliche Fälle gab, um die sich das Team der Notaufnahme gekümmert hat. An dieser Stelle sind dem 54-jährigen Rödentaler gleich mehrere Hinweise sehr wichtig. Erstens: Die Anwendung der Triage sei vollkommen richtig. Zweitens: Dem Personal der Notaufnahme wolle man überhaupt keinen Vorwurf machen. Alle hätten einen sehr engagierten Eindruck gemacht. Aber: Man sei eben auch erschrocken, dass die Notaufnahme ausgerechnet in der Silvesternacht offenbar nur sehr dünn besetzt gewesen sei.

Sana nimmt Stellung

Die Rödentaler wollen aus Gesprächen mitbekommen haben, dass für einen sehr langen Zeitraum nur eine einzige Ärztin anwesend war. Dies wird allerdings von Sana dementiert. In einer Stellungnahme heißt es: „Richtig ist, dass die Notaufnahme im besagten Zeitraum personell gut aufgestellt war und mehrere Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen Dienst hatten.“ Allerdings sei es zu einem „deutlich erhöhten Patientenaufkommen“ gekommen. Grund dafür sei aber nicht die vorhersehbare Silvesternacht gewesen, sondern das nicht vorhersehbare, „extreme Glatteis“. Infolgedessen hätten viele Patienten eine unfall-orthopädische beziehungsweise chirurgische Behandlung benötigt. „Die Versorgung der Patienten erfolgt nach Triage“, so die Stellungnahme, „also entsprechend der Schwere der Verletzung und Dringlichkeit der Behandlung.“ So habe es insbesondere viele Patienten mit Sturzfolgen wie Frakturen oder auch Platzwunden gegeben, welche als „nicht sofort behandlungsbedürftig“ oder gar lebensbedrohlich einzustufen waren.

Ein Mann wartete 13 Stunden

Um einen solchen „nicht sofort behandlungsbedürftigen Fall“ handelten es sich auch bei einem Mann, der am Silvestertag bereits am Nachmittag auf Krücken in die Notaufnahme gekommen war. „Irgendwann sind wir mit ihm ins Gespräch gekommen“, erzählt der 54-jährige Rödentaler. „Er ist recht ruhig geblieben, und nach 13 Stunden Wartezeit kam er dran.“ Das sogenannte Manchester-Triage-System, das auch am Klinikum Coburg zur Anwendung kommt, sieht bei nicht dringenden Fällen vor, dass eine Behandlung zumindest „innerhalb vom 120 Minuten“ eingeleitet werden sollte. So zumindest die Theorie. 

Im Warteraum wurden manche auch richtig sauer

Grundsätzlich beschreiben die zwei Rödentaler die Stimmung der Wartenden sehr unterschiedlich. Manche seien erstaunlich ruhig geblieben, andere wären zusehends genervt und zum Teil auch richtig sauer geworden. Etwa ein Drittel, so die Einschätzung des 54-Jährigen, habe nach so und so viel Stunden auch einfach aufgegeben und sei gegangen. „Auch wir wären wohl irgendwann gegangen“, sagt er. Doch weil die Beule am Kopf seiner Frau weiterhin groß und schmerzhaft war, wollten sie zumindest abgeklärt haben, ob es sich nicht vielleicht doch um eine schlimmere Kopfverletzung handelt. Aber: Das sollte tatsächlich erst im neuen Jahr passieren.

Sana Kliniken Oberfranken Coburg
Seit November 2024  gehört das Coburger Klinikum zu den Sana Kliniken Oberfranken. // Foto: Oliver Schmidt

Nein, um Mitternacht wurde nicht freudig angestoßen. Es wurde weiter gewartet, manche schliefen ein bisschen, und zumindest die gesunden Begleitpersonen liefen immer mal wieder im Erdgeschoss des Krankenhauses auf und ab. Sarah Boost von der Unternehmenskommunikation der Sana Kliniken Oberfranken erzählt außerdem, dass regelmäßig ein Oberarzt in den Wartebereich der Notaufnahme gekommen sei, dort kurz informiert und auf Wunsch sogar Schmerzmittel verteilt habe.  

Erleichternde Diagnose

Der Rödentaler wiederum erzählt, dass zwischen 4 und 7 Uhr noch einmal eine sehr harte Phase gewesen sei: „Da ging im Wartebereich praktisch gar nichts vorwärts.“ Erst im Morgengrauen gab es wieder etwas Bewegung – und kurz vor 8 Uhr wurde endlich die 47-jährige Rödentalerin aufgerufen. Es folgte noch eine weitere, wenn auch nur kurze Wartzeit in einem Behandlungsraum, ehe sich eine Ärztin um sie kümmerte. Die erleichternde Diagnose lautete schließlich: keine inneren Blutungen! Die Ärztin, die als freundlich und kompetent beschrieben wird, gab der 47-Jährigen noch einige Ratschläge zum Auskurieren mit auf den Weg, und gegen 10 Uhr fuhren die Rödentaler wieder nach Hause. Dort legten sie sich schlafen. Das Steak, das eigentlich als Silvesteressen geplant war, blieb vorerst weiterhin im Kühlschrank. Aber es wurde dann am 2. Januar gebraten: Nach einer solchen Silvesternacht kann der Körper schließlich eine Stärkung gut gebrauchen.

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