Sommerliche Temperaturen und planschende Kinder am Albertsplatz? Gerne, aber mit Badehose! Grünen-Stadträtin Melanie Becker und Bettina Dörfling vom Kinderschutzbund verteilen deshalb am Samstag, 29. Juni, von 11 bis 14 Uhr kostenlos Badehosen und Windeln an den Wasserspielen am Albertsplatz.
“Wir wollen nicht mahnen oder verbieten, wir laden ein. Und wollen einfach für Sicherheit rund um das Planschen sorgen.
”
Viele Eltern lassen ihre Kinder am Albertsplatz nackt planschen, ohne sich etwas dabei zu denken. „Nackte und spielende Kinder sind für ‚normale‘ Erwachsenenaugen niedlich und schön anzusehen. Aber es gibt eben auch Augen, die das anders sehen. Wir wollen mit der Aktion auf fröhliche und lustige Art und Weise Eltern sensibilisieren“, erläutert Melanie Becker. Kinder und ihre Unversehrtheit zu schützen, solle das soll oberstes Ziel sein. „Wie schnell ist ein Foto von einem nackigen Kind im Netz gelandet, wie schnell in falsche Hände!“, sagt sie. Und: „Das Internet vergisst nicht!“
Nicht mahnen und verbieten
Die Projekt-Idee ist bereits mehrere Jahre in Arbeit. Doch in diesem Jahr kommt es endlich zur Umsetzung, gemeinsam mit Bettina Dörfling vom Kinderschutzbund. „Wir wollen nicht mahnen oder verbieten, wir laden ein. Und wollen einfach für Sicherheit rund um das Planschen sorgen“, sagt Melanie Becker.
Die meisten seien begeistert von der Idee, sagt Melanie Becker. Andere würden kritisieren, dass das eher in der Eigenverantwortung der Eltern liege. „Das sehe ich aber anders, das könnte man in jedem Bereich anwenden. Es ist auch nichts, was wir vorschreiben, es ist ein Angebot.“
Bei Eltern stößt die geplante Aktion am Albertsplatz auf Unterstützung. Die gebürtige Coburgerin Nicola Fürst ist aktuell mit ihren zwei Kindern auf Heimatbesuch. Bei einem Abstecher am Freitag in die Eisdiele am Albertsplatz darf ein bisschen Spielen bei den Wasserfontänen nicht fehlen. „Ich habe extra Badehosen eingepackt, damit die Kinder spielen können“, sagt sie und Sohn Levi (7) zeigt uns sogar, wie es geht (Bilder).
„Bei Erwachsenen legen wir immer so viel Wert auf ihre Rechte, aber Kinder haben ebenfalls Rechte, die gewahrt werden müssen“, erläutert die Berlinerin. Die Aktion am Samstag findet sie deshalb super. Dem stimmt auch Jaqueline Müller zu, eine junge Mutter aus Sonneberg: „Ich finde auch, dass Eltern noch viel mehr darauf achten und sensibler sein sollten.“ „Ich glaube, wir machen uns viel zu wenig Gedanken. Wir wissen gar nicht, was da eigentlich im Netz herumfliegt“, sagt auch Melanie Becker.
Eisdiele mit dabei
Um die Aktion nachhaltiger zu gestalten, werden die restlichen Badehosen und Windeln danach bei Enrico Pizzato in der Eisdiele am Albertsplatz untergebracht. Eltern können sich also auch in der nachfolgenden Zeit dort bei Bedarf eine kostenlose Windel oder Badehose abholen – solange der Vorrat reicht. Der Inhaber der Eisdiele unterstützt die Aktion gerne. Er selbst habe auch schon die ein oder andere Situation mitbekommen.
„Viele haben ja keine bösen Absichten“, sagt Enrico Pizzato. Vor ein paar Jahren habe es einen Vorfall gegeben. Da habe Tourist den Brunnen fotografiert und die spielenden Kinder. Besorgte Eltern hätten daraufhin die Polizei verständigt. „Dem hat man an der Nasenspitze angesehen, dass da keine böse Intention dahinter war. Aber der hat dann das Bild löschen müssen“, sagt er. Von der Polizei selbst kommt eine Entwarnung: Konkrete Vorfälle seien polizeilich in den vergangenen Jahren seit 2021 nicht bekannt, sagt Jochen Haischberger, von der Polizeiinspektion Coburg.
Melanie Becker geht es vor allem um Prävention und Sensibilisierung. Und was sagt sie, wenn Leute sagen, dass es ganz normal ist, dass die Kinder nackt herumlaufen und man das früher auch gemacht hat? „Also ich wünschte aus tiefstem Herzen, dass man das auch weiter so machen könnte. In meiner Kindheit gab es noch gar kein Handy und das Internet. Früher war das aber so, aber die Zeit ist eine andere. Das sollte in privater Atmosphäre stattfinden, um die Kinder zu schützen.“
Sie betont: „Kinder haben das Recht auf den Schutz ihrer Unversehrtheit. Da sind wir in der Pflicht, das auch zu gewährleisten. Und wenn es nur ein Badehöschen ist.“
Lesen Sie auch:















