„Kulturfabrik“ lautet die Vision des Eigentümers. Ein Teil davon: Bands, die dort ihre Probenräume haben. Jene Bands, Musiker, Musiklehrer, die derzeit ein ehemaliges Mannschaftsgebäude im früheren BGS-Gelände bevölkern. Im März schilderte Hans-Peter Langsch dem Tageblatt seine Vision fürs Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Griesbach zwischen Coburg und Dörfles-Esbach. Nun, fünf Monate später, zeichnet sich ab, dass daraus etwas werden könnte – zumindest hinsichtlich der Probenräume für Bands.
Freilich sind noch längst nicht alle Fragen geklärt, darunter die wichtigste: Lässt sich das finanzieren? Zwar hatte Langsch damals im Gespräch mit dem Tageblatt von Quadratmeter-Mieten von 1,50 Euro gesprochen. Allerdings unter der Bedingung, dass die Mieter die Hallen selbst ausbauen. Die leere Halle, um die es nun geht, würde sich problemlos in mehrere Probenräume mit 20, 40 oder mehr Quadratmeter einteilen lassen, sagt Alexander Bantzhaff vom Verein Cross Art. Aber diesen Innenausbau muss jemand bezahlen.
BGS-Gelände bald Geschichte
Der Verein Cross Art kann das nicht. Er betreibt das Probengebäude im ehemaligen BGS-Gelände, ist Vermieter und Selbsthilfeorganisation der Bands in einem. Seit etwa 20 Jahren nutzen Musiker den Gebäuderiegel an der Von-Gruner-Straße. Die Stadt Coburg hatte das damals vermittelt, das ehemalige Kasernengebäude sogar gekauft, um es ertüchtigen und ans Wasser- und Stromnetz anschließen zu können. Vor einigen Jahren machte der Brandschutz Probleme. Das wurde unter anderem dadurch gelöst, dass ein Teil der Räume nicht mehr vermietet wurde. Sonst hätte man aufwendig Rettungswege bauen müssen.
Aber auf dem BGS-Gelände wird nicht mehr investiert: Dort wollen Stadt und Landkreis ein neues Klinikum bauen. Schon 2023 soll der Abbruch beginnen. Deshalb müssen die Bands raus, und deshalb redet Cross Art nun über den Bau von Probenräumen in der ehemaligen Porzellanfabrik Griesbach.
Zuschüsse vom Kulturfonds?
Derzeit werde geprüft, ob der Verein Geld vom Kulturfonds Bayern erhalten kann, sagt Bantzhaff. Damit könnte ein Teil der Kosten für den Ausbau der früheren Porzellanfabrikhallen gedeckt werden. Der Rest muss über die Miete finanziert werden – und die wird, davon geht der Vorstand von Cross Art aus – höher ausfallen als die, die jetzt im BGS-Gelände fällig wird. Mitglieder zahlen rund drei Euro pro Quadratmeter, wobei ein Euro Strompauschale je Quadratmeter enthalten war. Die Räume müssen nämlich elektrisch beheizt werden.
Für die Porzellanfabrik kalkuliert Cross Art mit einer Zielmiete von fünf bis sechs Euro. Das setzt aber voraus, dass es Fördermittel gibt. Müsste der Ausbau der Probenräume allein über die Mieteinnahmen finanziert werden, müssten neun Euro verlangt werden, sagt Bantzhaff. Denn „da kommt ein mittlerer bis hoher sechsstelliger Betrag zusammen“.
Nicht alle wollen mit umziehen
Rund 60 Bands und Musiker sind im früheren BGS-Gelände einquartiert. In die ehemalige Porzellanfabrik wollen aber nicht alle umziehen. 45 Interessenbekundungen würden derzeit vorliegen, sagt Bantzhaff, die meisten davon für Räume mit 20 oder 40 Quadratmetern. Neben den Probenräumen brauche der Verein einige Räume und ein Büro, auch sanitäre Anlagen müssen eingerichtet werden. Außerdem muss geklärt werden, wie die ganze Sache rechtlich abgesichert werden kann: Wenn es Fördermittel geben soll, muss auch gesichert sein, dass sie für den entsprechenden Zweck verwendet werden.
Stadt und Landkreis helfen
„Das Griesbach-Gelände ist prädestiniert“, sagt Bantzhaff, und: „Fakt ist, dass da etwas passieren muss.“ Zufrieden zeigte er sich mit der bisherigen Unterstützung von Stadt und Landkreis. Die Stadt wolle weiterhin ihre Betriebskostenzuschüsse leisten wie jetzt schon im BGS-Gelände. Doch es sind nicht nur finanzielle Fragen zu klären. Das Thema Fluchtwege spielt auch in den ehemaligen Fabrikhallen eine Rolle. Die Frage, wie die Räume beheizt werden, ist laut Bantzhaff ebenfalls noch offen. Viel Zeit, alles zu klären, ist nicht mehr. Die ersten Kündigungen im BGS-Gelände so hat es Bantzhaff gehört, sollen im Januar ausgesprochen werden.











